Psychologisches Experiment

Teams ziehen müde Kollegen mit

21. September 2011
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Bei Teamarbeit bringen Kollegen auch dann Leistung, wenn sie übermüdet sind und in Einzelarbeit einschlafen würden. Das legt zumindest ein Experiment nahe.
Inwieweit wirkt sich Müdigkeit auf die kognitive Beweglichkeit aus?
Inwieweit wirkt sich Müdigkeit auf die kognitive Beweglichkeit aus?

Eine Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied - aber offenbar können stärkere Glieder schwächere stabilisieren. So lässt sich zumindest ein Experiment der American Psychological Assiciation mit 171 Teilnehmern lesen. Die Probanden, junge Armeezugehörige von 18 bis 24 Jahren, mussten während eines Offizierstrainings Rechenaufgaben lösen. 72 Prozent von ihnen waren Männer.

Die Psychologen wollten wissen, inwieweit sich Müdigkeit auf die kognitive Beweglichkeit auswirkt. Die Müdigkeit der Probanden war Folge von Schlafmangel, nicht etwa von Krankheiten oder anderen körperlichen Leiden. Die Teams wurden je zur Hälfte mit ausgeschlafenen und übermüdeten Kandidaten besetzt.

Die Forscher dokumentieren das Experiment rein mathematisch. Fazit: In Einzelarbeit braucht ein übermüdeter Proband rund dreimal mehr Schritte, bis er die Aufgaben gelöst hat, als ein ausgeschlafener Kandidat. Im Team jedoch relativieren sich diese Unterschiede. Die Gruppen konnten die Müdigkeit einzelner Mitglieder ausgleichen und brauchten daher nicht mehr Lösungsschritte als ausgeschlafene Menschen.

Die Wissenschaftler fokussieren sich auf diesen Aspekt. Ob die Verfassung der übermüdeten Teamplayer bei den ausgeschlafenen Kollegen beispielsweise Frustration auslöste, wird nicht dargestellt.