Charmanter plaudern

Was beim Small Talk gar nicht geht

14. September 2015
Von Carina Kontio
Reden Sie mit völlig fremden Menschen, üben Sie das seichte Gespräch – aber erzählen Sie niemals von Ihrer Darmspiegelung, dem IS-Terror oder diskutieren über die Homo-Ehe. Was im Gespräch mit anderen am meisten nervt.
Beim Small-Talk ist Fingerspitzengefühl gefragt: Mit Fremden sollten Sie nämlich nicht über jedes Thema sprechen.
Beim Small-Talk ist Fingerspitzengefühl gefragt: Mit Fremden sollten Sie nämlich nicht über jedes Thema sprechen.
Foto: bst2012 - Fotolia.com

Sie haben sich schon mal über sich selbst geärgert, weil andere scheinbar mühelos mit anderen Menschen plaudern können? Ins Gespräch kommen, im Gespräch bleiben - das ist manchmal wirklich gar nicht so einfach. Aber Sie können das auch! Es ist sogar einfacher, als Sie vielleicht denken. Wie man es richtig anstellt und was man auf keinen Fall tun sollte, erklären die beiden Expertinnen Renate Birkenstock und Ilona Quick im Interview.

Liebe Frau Birkenstock, liebe Frau Quick, wie geht es Ihnen?

Ilona Quick: Danke, sehr gut. Vor allem, weil ich kurz vor meinem Urlaub stehe.

Renate Birkenstock: Ich komme gerade aus dem Urlaub und bin daher völlig entspannt und ausgeruht.

Wie ist denn das Wetter in Berlin? In Düsseldorf war es diese Woche furchtbar heiß!

Ilona Quick: Das war hier genauso. Ich habe versucht, meine Aktivitäten auf die frühen Morgenstunden zu legen und habe die lauen Sommerabende genossen.

Na, das war doch schon ein richtig vorzeigbarer Small Talk gerade, oder?

Ilona Quick: Definitiv - allerdings mit einer kleinen Einschränkung: Im Idealfall sollten wir im Small Talk Themen positiv ansprechen. Die Formulierung "furchtbar heiß" könnte dazu verleiten, über das Wetter zu lamentieren, wie zum Beispiel "Hier war es auch entsetzlich heiß, nachts hat es sich nicht abgekühlt, sodass ich nicht richtig schlafen konnte und am nächsten Morgen total gerädert war".

Aha- ich habe natürlich noch mehr Fragen zum Thema mitgebracht. Beispielsweise betrachten Kritiker das sogenannte seichte Geschwätz als Zeitverschwendung. Sie aber sagen, dass Small Talk auch eine Bedeutung für unseren beruflichen Erfolg haben kann. Was ist es nun?

Renate Birkenstock: Letzteres: Small Talk soll ein erstes Kennenlernen ermöglichen und eine angenehme Gesprächsatmosphäre schaffen, bevor man beispielsweise in Fachthemen einsteigt. Small Talk als Teil von Kommunikationskompetenz zählt zu den sogenannten Soft SkillsSkills, den Fähigkeiten, die über die eigentliche berufliche Qualifikation hinausgehen. Er wird daher im Arbeitsleben nicht mehr als Zeitverschwendung angesehen. Alles zu Skills auf CIO.de

Ilona Quick: Auch unterscheiden sich in der heutigen Zeit Produkte oder Dienstleistungen verschiedener Anbieter teilweise nur noch geringfügig. Somit wird Kommunikationsstärke für den Erfolg eines Unternehmens und die persönliche KarriereKarriere immer wichtiger. Alles zu Karriere auf CIO.de

Was am allermeistern nervt ...

Welche Themen sind für einen Small Talk absolut ungeeignet und wie reagiert man, wenn der Gesprächspartner das Thema auf seine Darmspiegelung bringt?

Ilona Quick: Ungeeignet sind Themen, die polarisieren (z.B. Politik, Religion), die negativ besetzt sind beziehungsweise die unseren Körper betreffen (Tod, Krankheiten, Sex usw.). Die Darmspiegelung sollten Sie mit einem teilnahmsvollen Satz kurz kommentieren und dann das Thema wechseln: "Oh, das tut mir leid - das ist sicherlich unangenehm. Sie sagten vorhin, dass Sie diese Veranstaltung regelmäßig besuchen. Kennen Sie denn den heutigen Referenten?"

Sie raten in ihrem Buch dazu, sich mit völlig fremden Menschen in der Bahn zu unterhalten. Warum soll es gut sein, jemand anderen ungebeten vollzutexten?

Renate Birkenstock: Small Talk macht glücklich: Menschen freuen sich in der Regel, wenn andere Kontakt mit ihnen aufnehmen. Aber auch der Gesprächsinitiator ist danach nachweislich glücklicher, wie in einem Chicagoer Experiment 2014 nachgewiesen wurde. Es geht nicht darum, jemanden vollzutexten. Wenn der andere Ihre Gesprächsinitiative nicht erwidert, zwingen Sie ihm selbstverständlich kein Gespräch auf.

Selbstdarsteller, Witzeerzähler, Monologe: Was nervt Sie denn ganz besonders im Gespräch mit anderen Personen?

Renate Birkenstock: Endlose Witzeerzähler sind mir ein Gräuel. Das heißt nicht, dass ich nicht gerne über einen guten Witz lache. Allerdings verleitet das manche Gesprächsteilnehmer dazu, nur noch Witze zu erzählen. Dadurch wird häufig verhindert, dass man etwas mehr über seine Gesprächspartner erfährt.

Ilona Quick: Ich finde es ärgerlich, wenn sich offensichtlich Vertraute in einer Gruppe über interne Dinge unterhalten und damit andere vom Gespräch ausschließen.

Und wie steht es mit Lästern?

Ilona Quick: Das ist ein absolutes No-Go, besonders im beruflichen Umfeld. Man weiß nie, wer in der Gruppe wen kennt und an wen die Äußerungen weiter getragen werden könnten.