Von Ebola bis IS-Terror

Was deutsche Verbraucher verunsichert

26. September 2014
Ob das neueste Smartphone oder die schicken Möbel fürs Esszimmer - Verbraucher wägen bei Anschaffungen inzwischen wieder stärker ab.

Noch vor wenigen Monaten zeigten sich die deutschen Verbraucher geradezu in Hochstimmung. Selbst internationale Krisenherde vermochten ihre Konsumlaune nicht einzutrüben. Seit dem Spätsommer beobachten Konsumforscher allerdings einen Wandel - ein Trend, der sich im September noch verstärkt hat: In vielen Haushalten sorgen die skeptischen Konjunkturausblicke und die weltweiten Krisenherde für Verunsicherung. Bei größere Anschaffungen warten Verbraucher erst einmal ab.

Warum reagieren die deutschen Verbraucher eigentlich erst jetzt auf Krisen, Konflikte und den wachsenden Konjunkturpessimismus?

Die Krisen in Nahost und der Ukraine hatten deutsche Verbraucher nach Einschätzung von Konsumforschern lange Zeit kaum berührt. Zu weit schienen die Konflikte entfernt, zu gering die Auswirkungen für den Alltag der meisten Deutschen. "Das hat sich mit den alarmierenden Nachrichten zur Ebola-Epidemie und den Grausamkeiten der Terrorgruppe "Islamischer Staat" geändert", ist GfK-Konsumforscher Rolf Bürkl überzeugt. Auch hinterließen inzwischen die zunehmend skeptischen Konjunkturausblicke Eindruck bei vielen Bundesbürgern.

Droht nach den Jahren der scheinbar ungebremsten Konsumlust nun die große Konsumzurückhaltung?

Nein, denn die Verbraucherstimmung bewegt sich gemessen am jüngsten Konsumklima-Index weiter auf einem sehr hohen Niveau - ähnlich groß war die Konsumlust zuletzt im Jahr 2007. Konsumforscher sehen in der aktuellen Entwicklung eher eine Delle als eine grundlegende Trendwende. Allerdings ist in Expertenkreisen seit Monaten klar, dass der Rekordkurs beim Konsumklima so nicht endlos weiter gehen konnte.

Die Konsumneigung sinkt, zugleich aber auch die Sparneigung - wohin fließt dann das Geld der Verbraucher?

Das Phänomen ist so neu, dass auch Konsumforscher darauf im Moment noch keine klare Antworten haben. Der GfK-Experte Bürkl schließt nicht aus, dass der eine oder andere ratlose Verbraucher sein Geld entweder auf seinem Girokonto oder sogar zu Hause parkt, bis er mehr Klarheit über die weitere konjunkturelle oder weltpolitische Lage hat.

Wie stark ist die Konjunktur von der eingetrübten Verbraucherstimmung betroffen?

Richtig ist, dass die privaten Konsumausgaben einen ganz wesentlichen Beitrag zum Wirtschaftswachstum darstellen. Ohne die große Kauflust der Verbraucher würde die deutsche Wirtschaft heute in einer Rezession stecken. Allein im Jahr 2013 lag der Anteil privater Konsumausgaben am Bruttoinlandsprodukt bei rund 55 Prozent. Allerdings ist die Verbraucherstimmung derzeit noch so gut, dass die GfK zumindest für dieses Jahr mit steigenden Konsumausgaben rechnet. Erwartet wird eine Anstieg von 1,5 Prozent.

Sind die Sorgen der Verbraucher eigentlich berechtigt?

Teils ja, teils scheinen sie aber von den Fakten nicht gedeckt. So spricht derzeit nichts dafür, dass deutsche Verbraucher demnächst mit sinkenden Einkommen rechnen müssen. Die Tariferhöhungen in diesem Jahr haben anders als etwa im Vorjahr selbst nach Abzug der Inflation bewirkt, dass die Bürger mehr Geld in der Tasche haben. Die niedrigen Sparzinsen werden nach Prognosen von Konsumforschern überdies vorerst weiterhin dafür sorgen, dass die Kauflust auf einem hohen Niveau bleibt. Viel wird aber von der Lage auf dem Arbeitsmarkt abhängen. Sollte sie sich verschlechtern, würde das schon bald auf die Konsumlaune drücken.

Muss sich der Handel angesichts der krisenbedingten Kaufzurückhaltung auf ein schlechteres Weihnachtsgeschäft einstellen?

Nein. Denn die Frage, wie viel Geld Bundesbürger für Geschenke und Deko zu Weihnachten ausgeben folgt nach der Beobachtung von Konsumforschern ganz eigenen Gesetzen. "Da geht es mehr darum, ob jemand einen sicheren Arbeitsplatz und ein sicheres Einkommen hat", meint Bürkl. Weltpolitische Krisen spielten bei den Vorbereitungen und Ausgaben zum Fest eher eine geringere Rolle. (dpa/rs)

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