Rolle des CIO

Weckruf für den Vorstand

01. Oktober 2014
Hartmut Lüerßen ist Partner der Lünendonk GmbH. Die Marktanalyse- und Beratungsschwerpunkte von Hartmut Lüerßen sind Digitalisierung, Trends in der IT-Beratung sowie IT-Service, Engineering Services und Personaldienstleistungen.
Nur die Hälfte der CIOs nimmt an Treffen des Management-Boards teil. Die CIO-resistenten Vorstände sollten angesichts der Business-Digitalisierung aufwachen, fordert Hartmut Lüerßen von Lünendonk in seiner Kolumne.
Hartmut Lüerßen ist Partner bei Lünendonk.
Hartmut Lüerßen ist Partner bei Lünendonk.
Foto: Lünendonk GmbH

Dass die Digitalisierungviele neue Geschäftsmodelle hervorbringt und damit auch nicht vor der so genannten Old-Economy Halt macht, ist bekannt. Oder - sollte bekannt sein. Doch analysiert man dieRolle von CIOsin großen Unternehmen, fällt auf, dass der CIO bei weitem nicht immer an den Sitzungen des Management-Boards teilnimmt. Weil aber dort über die wichtigen strategischen Fragen beraten und entschieden wird, eignet sich diese Frage gut als Indikator für dieRolle der ITRolle der IT im Unternehmen. Alles zu Rolle des CIO auf CIO.de

Bei den 44 großen deutschen Anwenderunternehmen, die von der Lünendonk GmbH befragt wurden, nimmt der CIO nur in etwas mehr als der Hälfte der Fälle immer oder häufig an den Sitzungen des Management-Boards teilnimmt. Das zeigt die aktuelle Lünendonk-Studie "Der Markt für IT-Beratung und IT-Service in Deutschland", die in Zusammenarbeit mit Accenture, Capgemini, Lufthansa Systems, NTT Data sowie dem Fachgebiet Wirtschaftsinformatik der TU Darmstadt durchgeführt wurde.

Die "Was"-Fragen und "Wie"-Fragen

DasRollenbild des CIO wird seit langer Zeit diskutiert: Raus aus der Technik hin zum Chief Information Officer, zum InnovationInnovation Officer, Business Partner, Enabler und so weiter. Die Vielfalt der Begriffe täuscht über die weiterhin relevante einfache Frage hinweg, ob der CIO die "Was"-Fragen mitgestaltet oder sich lediglich mit den "Wie"-Fragen auseinandersetzt. Alles zu Innovation auf CIO.de

Die Was-Fragen betreffen die Unternehmensstrategie sowie Entscheidungen über neue Produkte, Services und Geschäftsmodelle. "Was" sind die Ziele des Unternehmens? "Was" sollte das Unternehmen tun, um diese Ziele zu erreichen?

Die Wie-Fragen drehen sich um die Umsetzung. "Wie" können die neuen Prozesse implementiert werden? "Wie" werden neue Technologien in die Systemlandschaft integriert? "Wie" werden Services von Business-Partnern in die eigenen Prozesse integriert?

Frage nach Budget-Verantwortung nur zweitrangig

Dabei geht es gar nicht so sehr um die Frage, wer letztlich die Budgets für die IT-nahen ProjekteProjekte verantwortet. Hier ist seit Jahren eine Tendenz zu beobachten, dass die Veränderungsprojekte von den Fachbereichen angestoßen und finanziert werden. Vielmehr geht es darum, dass die IT von Anfang an mitgestaltet. Egal, ob die Projekte intern durchgeführt werden, in Mixed-Teams mit externen Fachkräften oder komplett durch externe IT-Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen. Denn zu oft kommt es vor, dass architektonische Entscheidungen später zu einem hohen Zusatzaufwand führen. Alles zu Projekte auf CIO.de

In den Unternehmen, bei denen der CIO als Umsetzer und "Verwalter" der IT-Prozesse agiert, wird die Bedeutung der Technologie- und Umsetzungskompetenz bei der Gestaltung neuer Geschäftsmodelle, Prozesse und Services möglicherweise unterschätzt.

CIOs bescheinigen Vorstand steigende IT-Kompetenz

Interessant ist dabei, dass die CIOs die IT-Kompetenz ihrer Vorstände beziehungsweise Geschäftsführer bewertet haben und teilweise gute Noten erteilten. Knapp 40 Prozent der Befragten attestieren ihrem Top-Management eine "sehr hohe" bis "hohe" Kompetenz in IT-Themen. In diesen Konstellationen nimmt der CIO tendenziell häufiger an den Sitzungen des Management Boards teil, was als Weckruf verstanden werden sollte.

Ein Drittel schätzt die IT-Kompetenz als "neutral" ein, was schon als positiv gewertet werden darf. Eine "geringe" IT-Kompetenz haben nur weniger als 30 Prozent des Top-Managements in den untersuchten Unternehmen. Hier ist weiter Luft nach oben.

Berater springen in die CIO-Lücke

Die großen Managementberatungen, die häufig die ersten externen Ansprechpartner des Top-Managements bei den "Was"-Fragen sind, haben den Bedarf schon lange erkannt und Teams oder Tochterorganisationen mit hochkarätigen IT-Architekten und IT-Kompetenzen für die "Wie"-Fragen aufgebaut. Parallel dazu haben führende IT-Beratungs-Unternehmen im Laufe der Zeit sehr große Branchenkompetenzen aufgebaut, so dass sich die Top-Berater vor den Management-Beratungen nicht verstecken müssen.

Je nachdem, wie viel Technologie in der Strategie steckt und ob mehr Managementberatungs- oder Umsetzungskompetenz gefordert ist, gewinnen IT-Beratungen auch Strategieprojekte gegen klassische Managementberatungen.

Wann endlich wachen CIO-resistente Vorstände auf?

Bei fast 20 Prozent der von der Lünendonk befragten großen Anwenderunternehmen nimmt der CIO jedoch nie oder fast nie an den Sitzungen des Management-Boards teil.

Wenn sich aber das Kundenverhalten durch das mobile Internet nachgewiesenermaßen und offensichtlich bereits verändert hat, wenn viele Branchen durch Internet-Riesen neue Wettbewerber bekommen, wenn mit der App-Economy, Industrie 4.0, Business Analytics, Big DataBig Data sowie der Digitalisierung insgesamt zukunftsweisende Entscheidungen anstehen, muss gefragt werden: Wann wollen die CIO-resistenten Vorstände aufwachen? Alles zu Big Data auf CIO.de

Studie zum kostenlosen Download

Die 360°-Studie, die die Planungen großer Anwenderunternehmen den Entwicklungen am Anbietermarkt gegenüberstellt, kann kostenfrei bei Lünendonk abgerufen werden.

Hartmut Lüerßen ist Partner bei der Lünendonk GmbH.

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