Strategien


IT-Organisation neu aufstellen

Wer ins Digitalteam gehört

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Unternehmen suchen die passende Organisation für die Digitalisierung. Business-Analysten sind noch kostbarer geworden als IT-Profis, wie Forrester feststellt.
Die IT ist bei digitalen Teams das Segment mit der ausgeprägtesten Personalknappheit. Dennoch sind Firmen momentan noch stärker auf der Suche nach anderen Fachleuten, vor allem Business-Analysten.
Die IT ist bei digitalen Teams das Segment mit der ausgeprägtesten Personalknappheit. Dennoch sind Firmen momentan noch stärker auf der Suche nach anderen Fachleuten, vor allem Business-Analysten.
Foto: Forrester Research

Wer momentan die Zahl seiner Mitarbeiter im digitalen Team fulminant nach oben schraubt, muss sich einen Verdacht gefallen lassen: Womöglich hinkt so ein Unternehmen der Entwicklung hinterher. Wie eine Studie von Forrester Research zeigt, gibt es bei Aufbau und Personalrekrutierung im digitalen Business aktuell nämlich einen Paradigmenwechsel. Die Phase, in der zentrale Digitalisierungsmannschaften aufgestellt und zügig ausgebaut wurden, neigt sich dem Ende zu.

Auf der Agenda steht indes eine Aufgabe, die vielschichtiger ist. Es gilt zu justieren, in welchem Maße digitales Know-how auch - oder sogar vorwiegend - in den Fachbereichen zu verankern ist. Notabene fragen sich viele Unternehmen offenbar, welches Maß an Zentralisierung des Themas in ihrem Fall das richtige ist.

Stabilisierung auf niedrigerem Niveau

Keineswegs folgenlos bleibt diese Entwicklung für den Bedarf und letztlich die Knappheit an IT-Fachkräften, wie Forrester-Analyst Martin Gill in seiner Studie "Trends 2016: Staffing and Hiring for Digital Business" ausführt. Die Lage in Zahlen gefasst: Durchschnittlich bestand eine weltweit aktive Online-Abteilung 2015 aus 94 Mitarbeitern; von 76 Mitarbeitern im Jahr 2011 gab es einen zunächst rasanten Anstieg auf ein Maximum von 103 Mitarbeitern im Jahr 2013. Seither erfolgt eine Stabilisierung auf etwas niedrigerem Niveau.

Wie digitale Teams heute aussehen

IT-Experten haben nach wie vor das höchste Gewicht in den digitalen Teams. In einer durchschnittlichen Truppe befinden sich laut Studie 18 Fachleute für IT, Entwicklung und Infrastruktur, 15 Marketingmenschen und 13 Experten für den Betrieb. Daneben zählen zum Team mittlerer Größe unter anderem neun Kundendienstmitarbeiter, acht Kreative, die sich um Usability und Kundenerlebnis kümmern, sieben Produktmanager und ebenso viele Business-Analysten.

Gerade diese Analysten sind derzeit offenbar besonders schwer zu rekrutieren. 69 Prozent der Unternehmen klagten darüber, so Gill. Auch Kreative und Produktmanager sind laut Studie aktuell schwerer zu finden als IT-Profis. Und das ist eine neue Entwicklung, denn bislang galten gerade sie als besonders gesucht. Und ja, irgendwie ist das paradoxerweise immer noch so.

Denn fragt man die Unternehmen, wo aus ihrer Sicht der Fachkräftemangel besonders ausgeprägt ist, dann nennen 27 Prozent den IT-Bereich - mit Abstand die häufigste Antwort. 22 Prozent fühlen sich zu schlecht ausgestattet mit Business-Analysten, jeweils 13 Prozent beklagen Personalknappheit im Marketing und bei den Kreativen.

31 Prozent haben digitale IT ausgelagert

Das Paradox lässt sich mit einem Wort auflösen: Outsourcing. 31 Prozent der 64 von Forrester befragten Unternehmen haben die IT für ihr elektronisches Geschäft ausgelagert. Im Gegensatz dazu findet Outsourcing im Marketing oder bei den naturgemäß geschäftskritischen Business-Analysen kaum statt. Dieser Gegensatz zwischen In- und Aushäusigkeit erklärt, warum IT-Personal für digitale Teams auf den ersten Blick nicht mehr so schwer zu finden ist wie andere Fachkräfte: Im IT-Bereich sorgt die Option der Zusammenarbeit mit Dienstleistern für Linderung der Personalknappheit, anderswo ist das nicht der Fall.