Von AOL zu Hansenet

Zwei Millionen Datensätze umgezogen

Reppesgaard studierte in Hannover und arbeitete danach als Reporter und Moderator bei Hörfunk von Radio Bremen zu innen- und jugendpolitischen Themen und in den Bereichen Technologie und Wissenschaft. Seit dem Jahr 2000 lebt er in Hamburg, seit 2001 arbeitet er mit Christoph Lixenfeld im druckreif Redaktionsbüro zusammen.
Der ehemalige Technologiechef von AOL Deutschland Jens Pape hat ein Vollgas-Projekt hinter sich. Nun soll er beim Internet-Anbieter Hansenet das Sorgenkind IPTV zum Fliegen bringen.
Jens Pape, Director New Services und Audience, Hansenet: "Wir haben erst einmal Kundendaten gesammelt, ohne Rücksicht auf Konsistenz, Vollständigkeit oder Datenformat."
Jens Pape, Director New Services und Audience, Hansenet: "Wir haben erst einmal Kundendaten gesammelt, ohne Rücksicht auf Konsistenz, Vollständigkeit oder Datenformat."
Foto: Hansenet

Jens Pape ist angekommen. Entspannt sitzt er am Konferenztisch und gönnt sich ein Glas Mineralwasser. Seit Ende Februar ist er bei Hansenet in Hamburg, und nun hat er vor drei Tagen sogar mit dem Kaffeetrinken aufgehört, wie er sagt. Auf die tägliche Überdosis Koffein kann Pape, auf dessen Visitenkarten heute Director New Services & Audience steht, nun mit gutem Gewissen verzichten und durchatmen.

Pape hat ein abenteuerliches Integrationsprojekt hinter sich. Bis vor Kurzem war der studierte Elektrotechniker Chief Technology Officer bei AOL Deutschland. Im März 2007 verkaufte die AOL-Mutter Time Warner das Internet-Zugangs-Geschäft von AOL Deutschland an den Hansenet-Eigner Telecom Italia. Pape verantwortete auf AOL-Seite den technischen Teil des Verkaufs - und hat danach die Aufgabe übernommen, die Integration der AOL-Kundendaten in die Systeme der neuen Eigner zu gewährleisten. "Es ist eigenartig, während des Projekts die Seiten zu wechseln", sagt er. "Die Kollegen werden im Laufe der Zeit zu Partnern, mit denen man eher verhandelt als offen zu diskutieren, da man auf unterschiedlichen Seiten des Tisches sitzt."

An der Migration waren rund 200 Mitarbeiter von AOL England, US und Deutschland, von Telecom Italia, Accenture und Mitarbeiter von Hansenet beteiligt. In Video- und Telefonkonferenzen koordinierten sich die über zwei Kontinente und vier Länder verteilten Projektgruppen, die Arbeitsschritte wie Netzwerkmigration, Kundenbetreuung, Abrechnung oder Datenmigration übernommen hatten.

Doch nicht nur auf der menschlichen Ebene war das Projekt eine Herausforderung. Ein Ziel der 665 Millionen Euro teuren Übernahme war es, die AOL-Kunden zu halten und viele zum Wechsel zu Hansenet-Produkten zu bewegen. Der Druck, Kunden mit einem reibungslosen Übergang einen positiven Einstieg in die Hansenet-Welt zu bieten, war groß. "Die Devise lautete: Der Kunde darf nichts merken", sagt Pape. "Das "Look and Feel" der AOL-Anwendungen sollte erhalten bleiben."