Reaktion auf Riesen-Verlust

Blackberry streicht 4.500 Jobs

23. September 2013
Der deutsche Blackberry-Chef Thorsten Heins greift wieder massiv zum Rotstift: 40 Prozent der Mitarbeiter müssen gehen. Die erhoffte Wende mit dem neuen System Blackberry 10 blieb bisher aus, es laufen riesige Verluste auf.

Die Krise beim Smartphone-Pionier BlackberryBlackberry spitzt sich dramatisch zu. Das kanadische Unternehmen streicht nach tiefroten Zahlen 4.500 Arbeitsplätze - das sind rund 40 Prozent der Belegschaft. Der Verlust im vergangenen Geschäftsquartal erreichte fast eine Milliarde US-Dollar, wie Blackberry am Freitag nach vorläufigen Zahlen mitteilte. Grund ist vor allem eine hohe Abschreibung auf nicht verkaufte Geräte des Touchscreen-Modells Z10, das eigentlich die Wende zum Besseren einläuten sollte. Die Börse reagierte extrem: Die Aktie stürzte steil ab und verlor zum Handelsschluss gut 17 Prozent. Alles zu Blackberry auf CIO.de

Nach dem Stellenabbau sollen noch rund 7.000 Mitarbeiter übrigbleiben. Der deutsche Konzernchef Thorsten Heins will bis zum kommenden Frühjahr die operativen Kosten halbieren. Er hatte bereits im vergangenen Jahr 5.000 Jobs abgebaut. Auch an anderen Stellen wird gespart: Die Modellpalette soll von sechs auf vier Geräte verkleinert werden. Der Fokus soll künftig auf Unternehmenskunden und Profi-Nutzern liegen, hieß es.

Die "schwierigen, aber notwendigen Veränderungen" seien eine Reaktion auf die Marktposition des Unternehmens und sollen Blackberry näher zur Gewinnzone bringen, erklärte Heins. US-Medien hatten schon vor einigen Tagen berichtet, es könnten bis zu 40 Prozent der Jobs gestrichen werden.

Am Wochenende folgte die nächste Panne. Blackberry wollte eigentlich seinen Messaging-Dienste BBM über neue Apps auch für Apples iPhones und Geräte mit dem Google-Betriebssystem AndroidAndroid verfügbar machen. Doch kurz davor gelangte eine vorläufige Version der Android-App ins Internet und wurde über eine Million Mal heruntergeladen, wie Blackberry erklärte. Diese unfertige App habe Probleme bei den Servern ausgelöst und deshalb sei die Veröffentlichung der Anwendungen erstmal einmal gestoppt worden. Alles zu Android auf CIO.de

Das Unternehmen hatte in diesem Jahr in der Hoffnung auf eine Wende das neue Betriebssystem Blackberry 10 gestartet. Die damit ausgestatteten SmartphonesSmartphones verkaufen sich bisher jedoch schlechter als erhofft. Im vergangenen Geschäftsquartal verbuchte Blackberry nur einen Absatz von 3,7 Millionen Smartphones, ein Großteil davon seien noch Geräte mit dem alten System Blackberry 7 gewesen. Alles zu Smartphones auf CIO.de

An den HandelHandel seien zwar mehr Smartphones ausgeliefert worden, darunter auch neuere Modelle. Sie könnten aber erst berücksichtigt werden, wenn sie an Kunden verkauft werden, erläuterte Blackberry. Zum Vergleich: Samsung setzt pro Quartal etwa 70 Millionen Geräte ab. Top-Firmen der Branche Handel

Nach Zahlen des Marktforschers IDC sank der Blackberry-Anteil am Smartphones-Markt schon im zweiten Kalenderquartal von rund 5 auf 3 Prozent. Blackberry lotet mittlerweile den eigenen Verkauf aus. Laut Medienberichten wird eine Entscheidung bis November angestrebt.

Blackberry legte Eckdaten zu dem Anfang September abgeschlossenen zweiten Geschäftsquartal überraschend eine Woche früher als geplant vor. Erwartet wird demnach ein Verlust zwischen 950 und 995 Millionen Dollar. An diesem Freitag sollen ausführliche Zahlen folgen.

Blackberry hatte zuletzt im Frühjahr ausführliche Mitarbeiterzahlen vorgelegt. Ende März hatte das Unternehmen 12.700 Beschäftigte. Die größte Blackberry-Sparte ist dabei die Produktentwicklung mit rund 5.500 Mitarbeitern. Rund 1.100 weitere Menschen arbeiten in Verkauf und Marketing, 800 in der Kundenbetreuung, 1.400 in der Produktion und die restlichen 3900 sind in Verwaltung, IT und Netzwerk-Diensten beschäftigt. Bisher ist unklar, wie stark welcher Bereich von dem neuen Stellenabbau betroffen sein wird. (dpa/rs)

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