Geschäftsprozess-Management

BPM: Die Treiber und die Bremser

27. Dezember 2013
Karin Quack arbeitet als freie Autorin und Editorial Consultant vor allem zu IT-strategische und Innovations-Themen. Zuvor war sie viele Jahre lang in leitender redaktioneller Position bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die Potenziale des Geschäftsprozess-Managements werden oft nicht voll genutzt.

Vor allem im Hinblick auf Prozessqualität und -kosten sehen viele Business-Manager Bedarf für Verbesserungen. Zu diesem Ergebnis kam die MID GmbH in ihrer "Business-Benefit-Studie". Für die Untersuchung befragte der Nürnberger Prozessmodellierungs-Spezialist rund 320 Fachbereichsverantwortliche in deutschen Unternehmen.

Das Prozess-Management vieler Unternehmen bewegt sich der Studie zufolge im Spannungsfeld zwischen erkannten Notwendigkeiten und dennoch einwirkenden Bremskräften. Für mehr als die Hälfte der Befragten hat die Prozessoptimierung "hohe strategische Bedeutung"; für etwa ein Viertel ist dieses Thema sogar das derzeit wichtigste.

Auf der anderen Seite räumen die Business-Manager ein, dass die beabsichtigte Weiterentwicklung des Prozess-Managements vor teilweise hohen Hürden stehe. Dazu zählen besonders das unzureichende Prozessverständnis - sowohl der Mitarbeiter in den Fachbereichen als auch der IT. Als weitere Hindernisse stellen sich eine geringe Veränderungsbereitschaft und Investitionsbeschränkungen im Betrieb heraus.

Keine Gesamtstrategie

Zudem mangelt es offenbar in jedem zweiten Unternehmen an einer Gesamtstrategie für das Geschäftsprozess-Management. Wie die Studienteilneher andeuten, verfolgen die Business-Bereiche oft ihre eigene Prozessstrategie, statt an einem Strang zu ziehen.

Keineswegs selbstverständlich ist eine ausreichende und aktive Unterstützung des Business-Prozess-Managements (BPM) auf der Geschäftsleitungsebene: In mehr als 40 Prozent der Firmen fehlt sie.

Handlungsbedarf

Dabei sei die Prozessorientierung alles andere als ein Selbstzweck, erinnert MID. Und das ist auch den Business-Managern klar. Als treibende Faktoren nennen zwei Drittel von ihnen die Notwendigkeit zur Kostenkontrolle und Produktivitätssteigerung, aber etwa genauso viele auch die steigenden Marktanforderungen.

Was behindert die Prozessorientierung? Welche Faktoren bremsen gegenwärtig die Prozessorientierung in Ihren Business-Bereichen? Angaben in Prozent; n = 321 gesamt; Mehrfachnennungen möglich
Was behindert die Prozessorientierung? Welche Faktoren bremsen gegenwärtig die Prozessorientierung in Ihren Business-Bereichen? Angaben in Prozent; n = 321 gesamt; Mehrfachnennungen möglich
Foto: MID

Aus Sicht des MID-Geschäftsführers Bertram Geck ist es vielen Unternehmen noch nicht gelungen, Kongruenz zwischen solchen Erfordernissen und dem tatsächlichen Handeln zu schaffen. Diese Diskrepanz drohe, sich in einer dauerhaft begrenzten Prozess-Performance niederzuschlagen und die betriebliche Leistungsfähigkeit zu beeinträchtigen.

Es besteht also konkreter Handlungsbedarf. Das belegt das kritische Urteil der Business-Manager hinsichtlich des gegenwärtigen Geschäftsprozessnutzens. In ihrem Zuständigkeitsbereich konstatieren 69 Prozent "erhebliche Optimierungsmöglichkeiten", vor allem in qualitativer Hinsicht. Mit den Prozesskosten sind ähnlich viele unzufrieden.

Was fördert die Prozessorientierung? Welche Treiber sehen Sie gegenwärtig für die Prozessorientierung in den Business-Bereichen? Angaben in Prozent; n = 321 gesamt; Mehrfachnennungen möglich
Was fördert die Prozessorientierung? Welche Treiber sehen Sie gegenwärtig für die Prozessorientierung in den Business-Bereichen? Angaben in Prozent; n = 321 gesamt; Mehrfachnennungen möglich
Foto: MID

Raum für Verbesserungen sieht die Mehrzahl der Business-Manager aber auch hinsichtlich der prozessualen Produktivität und der Prozesstransparenz sowie bei der Prozessmodellierung. Nicht einmal das Compliance-Thema empfinden sie als ausreichend abgebildet.

Heterogene Tools

Eine Mitschuld daran trägt möglicherweise die unzureichende Tool-Unterstützung. 38 Prozent der Befragten bekannten, nicht über adäquate Werkzeuge zu verfügen.

Weitere 52 Prozent haben gleichzeitig unterschiedliche Produkte im Einsatz, weshalb viele eine Vereinheitlichung anstreben. Davon versprechen sie sich in erster Linie mehr Prozessqualität und -integration sowie Kostenvorteile und agilere Prozessbedingungen.

Darin bestärkt sie MID-Geschäftsführer Geck. Aus seiner Sicht gehört die Verknüpfung der bestehenden ToolsTools für die Unternehmen zum "Pflichtprogramm der Zukunft". Alles zu Tools auf CIO.de

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