Jede vierte Firma macht nie eine Bestandsaufnahme

Deutsche KMUs bei Software-Lizenzen planlos

07. Juli 2004
Von Thomas Zeller
Der Einsatz unlizenzierter Software in deutschen Unternehmen hat im vergangenen Jahr einen Schaden von etwa 1,7 Milliarden Euro verursacht. Dies geht aus der neuen Pirateriestatistik hervor, die die Marktforscher von IDC für den Herstellerverband BSA angefertigt haben. Einen Vergleich zum Vorjahr erlauben diese Zahlen jedoch nicht, da unter anderem die Erhebungsmethodik verändert wurde.

An die Zahlen des Herstellerverbandes BSA (Business Software Alliance) will auch Erwin Huber, Chef der bayerischen Staatskanzlei, nicht so recht glauben. So attestiert er deutschen Firmen bei diesem Thema ein gewachsenes Rechtsbewusstsein. Dem stehen jedoch die Aussagen von Georg Herrnleben von der BSA gegenüber.

Nach Erhebungen des Verbandes prüft jedes vierte KMU (kleine und mittelständische Unternehmen) nie seine Lizenzen. Rund 31 Prozent führen ein entsprechendes Audit einmal im Jahr oder in noch größeren Zeiträumen durch. "Fasst man diese Zahlen zusammen, dann können wir davon ausgehen, dass rund 56 Prozent der Firmen keine Ahnung von ihrem Bestand an Softwarelizenzen haben", so Herrnleben. Den meisten Unternehmen sei die Problematik bewusst - aber nicht alle würden sie ernst nehmen.

Wie oft führen Sie in Ihrem Unternehmen Audits durch um die Software- und Lizenzsituation zu überprüfen?
Wie oft führen Sie in Ihrem Unternehmen Audits durch um die Software- und Lizenzsituation zu überprüfen?

Fakt ist nach IDC-Angaben jedoch, dass in deutschen Firmen im vergangenen Jahr rund 70 Prozent mehr Raubkopien eingesetzt wurden als in 2002. Damals betrug der Schaden noch rund eine Milliarde Euro. Allerdings führt die BSA die Erhebung mittlerweile mit einem neuen Marktforschungsunternehmen durch, das nun weitere Bereiche wie Betriebssysteme, Anwender- und Unterhaltungssoftware erfasst. Das dürfte zu dem überproportionalen Anstieg der Raubkopierrate geführt haben.

Im westeuropäischen Vergleich nimmt Deutschland einen hinteren Platz im Mittelfeld ein. Fast jede dritte Software (30 Prozent), die eingesetzt wird, ist eine Raubkopie. Für ganz Westeuropa liegt die Rate bei 36 Prozent. Global gesehen verursacht illegale Software einen Schaden von fast 29 Milliarden Euro. Im Vergleich der Regionen liegt Westeuropa hier mit einem Umsatzausfall von 9,6 Milliarden US-Dollar (USD) vor Nordamerika (7,2 Milliarden USD) und Asien (7,5 Milliarden USD).

Softwarepiraterie-Rate in Westeuropa
Softwarepiraterie-Rate in Westeuropa

Die Länder mit der höchsten Piraterierate in Westeuropa sind Griechenland und Italien. Allerdings kommen diese Staaten nicht an die hohen Werte in Osteuropa heran. Hier führt die Ukraine (91 Prozent) vor Russland (87 Prozent). Die USA weisen weltweit die geringste Nutzung von illegaler Software aus. Hier liegt der Wert bei 22 Prozent.

Software-Piraterie bleibt in Europa ein Problem.
Software-Piraterie bleibt in Europa ein Problem.

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