Vom Sender zum Empfänger

Diesen Weg nimmt eine E-Mail

21.10.2016
Viele Anwender fragen sich, wie sicher ihre E-Mails eigentlich noch sind. Die Antwort auf die Frage hängt von etlichen technischen und organisatorischen Umständen ab.
Die meißten Deutschen haben ihren privaten E-Mail-Account bei GMX oder Web.de.
Die meißten Deutschen haben ihren privaten E-Mail-Account bei GMX oder Web.de.
Foto: Melpomene - shutterstock.com

E-Mail heißt ja eigentlich elektronischer Brief. Wurde beim Entwurf des Internet-Dienstes E-Mail ähnlich wie bei der herkömmlichen Post technisch das Briefgeheimnis umgesetzt?

Bei der Konzeption der frühen Internetdienste stand im Vordergrund, Kommunikation möglich zu machen. Daher hat man bei den grundlegenden technischen Protokollen nicht darauf geachtet, ein stabiles Fundament für einen anhörsicheren Briefwechsel zu schaffen. Daher entspricht eine herkömmliche E-MailE-Mail eher einer offenen Postkarte als einem versiegelten Brief. Alles zu Mail auf CIO.de

Wenn Nutzerin "Anna" an "Wolfgang" eine E-Mail schickt, sind die Rechner der beiden dann direkt verbunden?

Nein. Das E-Mail-Programm oder der Browser von Anna schickt im ersten Schritt die E-Mail an den E-Mail-Server ihres Service-Providers. Wenn sie zum Beispiel ein GMail-Konto hat, wäre das Google. Dieser E-Mail-Server schickt den Inhalt an den Provider, den Wolfgang nutzt. Auf der Strecke kann die E-Mail über etliche andere Server im Internet laufen. Wolfgang kann den Inhalt dann bei seinem Provider abrufen.

Werden herkömmliche E-Mails auf ihrem Weg durchs Netz mitgelesen?

Die meisten E-Mails werden unterwegs mehrfach von Software-Robotern gelesen. Beim Provider des Absenders wird in der Regel überprüft, ob die E-Mail ein Schadprogramm als Anhang mit sich führt. Auf den Empfänger-Systemen wird ebenfalls ein Virus-Check vorgenommen. Außerdem überprüfen die Provider, ob es sich um eine lästige und unerwünschte Spam-E-Mails handelt, die gleich gelöscht oder zumindest in einen Spam-Ordner wegsortiert wird.

Haben die Roboter noch eine weitere Aufgabe?

Bei Systemen wie GMail ermittelt der Roboter auch die Informationen, die Google zum Platzieren von Kontext-Werbung benötigt. Wenn Anna und Wolfgang per GMail über ihre kommende Ferienreise kommunizieren, kann Google entsprechende Links zu Urlaubsangeboten einblenden.

Lesen auch unbekannte Menschen die E-Mails mit?

Die Wahrscheinlichkeit, dass unbefugte Personen eine E-Mail mitlesen, ist äußerst gering. Theoretisch ist das aber möglich. In Unternehmen haben häufig Administratoren die Möglichkeit, elektronische Post mitzulesen. Auch die Strafverfolgungsbehörden und Geheimdienste haben legale Möglichkeiten, E-Mails abzufangen oder zur Kenntnis zu nehmen. Dazu kommen mögliche illegale Ausspähaktionen.

Ist es möglich, E-Mails gegen das Mitlesen zu schützen?

Ja. Mit einer Verschlüsselung nach dem OpenPGP-Standard kann eine E-Mail wirksam gegen Mitlesen verschlüsselt werden. Mit hohem technischen Aufwand ist es auch möglich, die Metadaten einer E-Mail-Kommunikation zu verschleiern, so dass nicht einmal ohne weiteres erkannt werden kann, wer mit wem kommuniziert hat.

Wie wichtig ist Google auf dem E-Mail-Markt in Deutschland?

Bei den hauptsächlich privat verwendeten Postfächern spielt Google laut einer Untersuchung von 2015 nur eine untergeordnete Rolle. Führend ist die United-Internet-Gruppe mit ihren Marken GMX (27,3 Prozent Marktanteil) und Web.de (26,4 Prozent). Google (4,1 Prozent) liegt noch hinter T-Online (11,6). Die restlichen Marktanteile verteilen sich auch sonstige Anbieter wie z.B. Yahoo. (dpa/rs)

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