Strategien


KI und Machine Learning

Eine kleine Geschichte der Künstlichen Intelligenz

Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.

Verteilte KI und Robotik: Künstliche Intelligenz zwischen 1990 und 2010

Ab etwa 1990 entstand mit der Verteilten KI ein weiterer, neuer Ansatz, der auf Marvin Minsky zurückgeht. In seinem Buch "Society of Mind" beschreibt er den menschlichen Geist als eine Art Gesellschaft: Intelligenz, so Minsky, setzt sich zusammen aus kleinen Einheiten, die primitive Aufgaben erledigen und deren Zusammenwirken erst intelligentes Verhalten erzeugt. Minsky forderte die KI-Gemeinde auf, die individualistische Sackgasse zu überwinden und ganz andere, sozial inspirierte Algorithmen für Parallelrechner zu entwerfen.

Marvin Minsky gilt als Vater der Verteilten KI.
Marvin Minsky gilt als Vater der Verteilten KI.
Foto: Creative Commons

Sein Schüler Carl Hewitt setzte ein erstes handfestes Modell um, in dem primitive Einheiten - er nannte sie Actoren - miteinander Botschaften austauschten und parallel arbeiteten. Der Gedanke des sozial interagierenden KI-Systems war damit konkret geboren - und Carl Hewitt zum Vater des neuen Ansatzes der Verteilten KI bzw. Distributed AI geworden. Im Rückblick erweisen sich Minsky's und Hewitt's Ideen als der Beginn der Agententechnologie, bei der die Zusammenarbeit vieler verschiedener Agenten - sogenannte Multi-Agenten-Systeme -ein enormes Potenzial entfaltet.

Ein KI-Meilenstein in den 90er Jahren war der erste Sieg einer KI-Schachmaschine über den Schachweltmeister. 1997 bezwang der IBM-Rechner Deep Blue in einem offiziellen Turnier den damals amtierenden Schachweltmeister Garry Kasparov. Dieses Ereignis galt als historischer Sieg der Maschine über den Menschen in einem Bereich, in dem der Mensch bislang die Oberhand hatte. Das Event sorgte weltweit für Furore und brachte IBMIBM viel Aufmerksamkeit und Renommee. Heute gelten Computer im Schach als unschlagbar. Dennoch fiel auf den Sieg des Computers auch ein Schatten, weil Deep Blue seinen Erfolg weniger seiner künstlichen, kognitiven Intelligenz verdankte, sondern mit roher Gewalt ("Brute Force") alle nur denkbaren Züge soweit wie möglich durchrechnete. Alles zu IBM auf CIO.de

1997 bezwang erstmals ein Computer – IBMs Deep Blue – den amtierenden Schachweltmeister.
1997 bezwang erstmals ein Computer – IBMs Deep Blue – den amtierenden Schachweltmeister.
Foto: IBM

In dieser Zeit bekam auch die bis dahin eher dahindümpelnde Robotik neuen Auftrieb. Der ab 1997 jährlich ausgetragene RoboCup demonstrierte eindrucksvoll, was KI und Robotik leisten können. Wissenschaftler und Studenten aus der ganzen Welt treffen sich seitdem regelmässig, um ihre Roboter-Teams gegeneinander im Fußball antreten zu lassen. Inzwischen fechten die mobilen Roboter auch andere Wettkämpfe aus als Fußball. Ab etwa 2005 entwickeln sich Serviceroboter zu einem dominanten Forschungsgebiet der KI und um 2010 beginnen autonome Roboter, ihr Verhalten durch maschinelles Lernen zu verbessern.

Zur Startseite