CLAUS HOHMANN

Ex-Pilot regelt den Datenfluss

01. Oktober 2001
Von Andreas Schmitz
Unterhaltungspark, Markenschau und Auslieferungsstelle: All das ist die Autostadt in Wolfsburg. Eine Schlüsselfunktion nehmen die Informationssysteme ein. Das Oberkommando über die Daten hat der Ex-Bataillonschef und heutige CIO Claus Hohmann.
Claus Hohmann
Claus Hohmann

DAS IT-HERZ DER AUTOSTADT schlägt im dritten Stock des Servicezentrums. Etwa 5 mal 15 Meter groß ist der feuersichere Raum, in dem sich die zwanzig Millionen Mark teure Datenzentrale befindet, die Claus Hohmann zusammen mit mehr als 150 Kollegen innerhalb eines Jahres mit allen Pavillons vernetzt hat. Allein die Informationssysteme ließ sich der Volkswagen-Konzern über 150 Millionen Mark kosten. Die Server und Hochleistungs- Computer verarbeiten täglich eine Datenmenge von etwa einem Terabyte.

Claus Hohmann, Jahrgang 1945, fand über Umwege zur Informationstechnik.• Nach dem Abitur verpflichtete er sich zunächst für zwölf Jahre bei der Bundeswehr.• In der Fachhochschule des Heeres in Darmstadt studierte der angehende Offizier Betriebs- und Sozialwissenschaften.• Als Pilot im Range eines Majors legte Hohmann 1979 die Uniform ab, um beim Volkswagen-Konzern einzusteigen.• In Brasilien, Argentinien und Nordamerika arbeitete er im Personalwesen und Controlling.• Als Verantwortlicher für Organisation und Informationssysteme wechselte Hohmann zwölf Jahre später zur tschechischen VW-Tochter Skoda.• Seit zwei Jahren ist Hohmann Chefarchitekt der Datensysteme in der Wolfsburger Autostadt.
Claus Hohmann, Jahrgang 1945, fand über Umwege zur Informationstechnik.• Nach dem Abitur verpflichtete er sich zunächst für zwölf Jahre bei der Bundeswehr.• In der Fachhochschule des Heeres in Darmstadt studierte der angehende Offizier Betriebs- und Sozialwissenschaften.• Als Pilot im Range eines Majors legte Hohmann 1979 die Uniform ab, um beim Volkswagen-Konzern einzusteigen.• In Brasilien, Argentinien und Nordamerika arbeitete er im Personalwesen und Controlling.• Als Verantwortlicher für Organisation und Informationssysteme wechselte Hohmann zwölf Jahre später zur tschechischen VW-Tochter Skoda.• Seit zwei Jahren ist Hohmann Chefarchitekt der Datensysteme in der Wolfsburger Autostadt.

Im Flur der E-Business-Abteilung illustriert eine Zeichnung das Datennetz. Die zentrale Leitung, der Backbone, legt sich wie eine Schlinge um die Autostadt. Sie zweigt vom Servicecenter ab, verbindet das Kundenzentrum mit den Hochregal-Türmen voll bestellter Fahrzeuge, zieht sich durch künstliche Wasserstraßen hindurch und versorgt sämtliche Pavillons mit Bildsequenzen, Tondateien und Steuerungssignalen für Projektoren.

In diesem Autoturm stehen 400 fabrikneue Fahrzeuge. Möchte ein Kunde seinen Wagen abholen, setzt sich der Schwenkarm in Bewegung, zieht das Auto aus dem Regal und befördert es nach unten.
In diesem Autoturm stehen 400 fabrikneue Fahrzeuge. Möchte ein Kunde seinen Wagen abholen, setzt sich der Schwenkarm in Bewegung, zieht das Auto aus dem Regal und befördert es nach unten.

Nur oben links verlässt die Datenleitung das zwei mal drei Meter große Poster. Hier dockt die Autostadt an die schräg gegenüberliegende Konzernzentrale an. Deren Datenbanken sowie die Gäste-, Kunden- und Unternehmensdaten der Autostadt sind bei Hackern begehrt. Doch die Angriffe prallen bislang zuverlässig an der Firewall ab. Ein Verdienst des Chief Information Officers, der seit Beginn der Bauarbeiten vor zwei Jahren mit an Bord ist.

Die Autostadt in ZahlenGesamtkosten: 150 Millionen MarkIT-Kosten: 50 Millionen MarkNetwork Control Center:52 Server (davon 36 von Compaq, 16 von Sun Microsystems,22 Unix- und 30 NT-Systeme)tägliche Autoauslieferung:rund 400 StückMitarbeiter: rund 2000IT-Personal: 75 MitarbeiterUmsatz (Juni 2000 bis Juni 2001): 60 Millionen MarkJahresbudget für neue Projekte: 50 Millionen MarkBesucherzahl (Juni 2000 bis Juni 2001):2,3 Millionen
Die Autostadt in ZahlenGesamtkosten: 150 Millionen MarkIT-Kosten: 50 Millionen MarkNetwork Control Center:52 Server (davon 36 von Compaq, 16 von Sun Microsystems,22 Unix- und 30 NT-Systeme)tägliche Autoauslieferung:rund 400 StückMitarbeiter: rund 2000IT-Personal: 75 MitarbeiterUmsatz (Juni 2000 bis Juni 2001): 60 Millionen MarkJahresbudget für neue Projekte: 50 Millionen MarkBesucherzahl (Juni 2000 bis Juni 2001):2,3 Millionen

Digitale Warnschilder im Büro des CIOs

Claus Hohmann hat das Datennetz dreifach redundant ausgelegt. Wenn es am Rande der Belastbarkeit steht, sieht er auf dem Flachbildschirm in seinem Büro, das nur eine Flurlänge vom IT-Herz entfernt liegt, buchstäblich rot. Fällt lediglich eine Web-Cam an der Außenfassade des VW-Pavillons aus, meldet der Computer das durch ein gelbes Warnschild. Verstummen darüber hinaus noch in zwei zentralen Zweigstellen im Datennetz die Signale, springen die Schilder auf Rot -- das Zeichen für den CIO, sofort etwas zu unternehmen. "Von meinem Büro aus habe ich die Übersicht über die gesamte Autostadt", sagt der Betriebs- und Sozialwissenschaftler, der so leicht nicht aus der Ruhe zu bringen ist. Wer vom ehemaligen Luftwaffenmajor zackige Kommandos erwartet, liegt bei Hohmann falsch. Lässig, aber bestimmt delegieren -- so weist der Ex-Pilot den Daten und Mitarbeitern die Richtung. "Menschen zu führen und zu taktieren", sagt er, "das habe ich gelernt".

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