Accenture: global suchen

Fachkräfte gibt es genug - nur woanders

03. Mai 2012
Von Michael Kallus
Das Problem ist nicht die Knappheit, sondern die Verteilung. Unternehmen sollten ihre Suche auf Brasilien, China, Indien und neue Web-Plattformen ausdehnen, so Accenture.

Sie sind das Futter der wirtschaftlichen Entwicklung: Techniker, Ingenieure, Naturwissenschaftler und Mathematiker sorgen maßgeblich dafür, dass sich das Rad der globalen Wirtschaft weiterdreht. Sie entwickeln neue Produkte und effiziente Produktionsmethoden - etwa für stark wachsende Felder wie alternative Energien oder Biowissenschaften. Doch es wird in den westlichen Industrienationen künftig nicht genügend Fachkräfte geben, um dieses Wachstum zu ermöglichen, so Accenture.

So wird sich der Zuwachs auf dem US-Arbeitsmarkt von 2008 bis 2018 verteilen: Der Bedarf an technischen Fachkräften wird fast doppelt so groß sein wie in allen anderen Bereichen.
So wird sich der Zuwachs auf dem US-Arbeitsmarkt von 2008 bis 2018 verteilen: Der Bedarf an technischen Fachkräften wird fast doppelt so groß sein wie in allen anderen Bereichen.
Foto: Accenture

Allein in den USA werden laut Accenture zwischen 2008 und 2018 doppelt so viele technische Fachkräfte aus IT und Wissenschaft benötigt wie Fachkräfte in anderen Bereichen. Experten erwarten, dass etwa die Nachfrage nach Biowissenschaftlern um 80 Prozent steigen wird. Der indische Techniksektor soll in sieben Jahren um das Sechsfache wachsen und Südkorea investiert 200 Millionen US-Dollar in ein Smart-Grid-Projekt für alternative Stromverteilung, das 500.000 Techniker erfordern wird.

Zudem treten neue Player in den westlichen Märkten auf. Unternehmen aus den aufstrebenden Ländern nehmen neben ihren Heimatmarkt zunehmend auch die profitableren Segmente der weltweiten Märkte ins Visier. Sie nehmen den Kampf auf mit den etablierten globalen Playern aus Europa und den USA. Damit werden den Platzhirschen nicht nur neue Konkurrenten erwachsen, die von den niedrigen Löhnen in den Heimatländern profitieren, sondern auch Konkurrenten um die Fachkräfte.

Fachkräfte gehen zurück in die Heimat

Gleichzeitig hat Accenture beobachtet, dass vermehrt Facharbeiter nach ihrer Ausbildung und Mitarbeit in westlichen Industrieländern in ihre Heimatländer zurückkehren. Damit wandert nicht nur ihr Know-how ab, darüber hinaus gründen sie oft selbst Unternehmen, werden zu neuen Konkurrenten, die wiederum Fachkräfte benötigen. Diese Abwanderung kann besonders Industrienationen treffen, in denen traditionell viele Ausländer studieren. Accenture zitiert hier Vorhersagen, dass in den USA bald die Hälfte der Doktoranden aus Ingenieurs- und Computerwissenschaften ausländische Studenten sein werden.