Strategien


Studie von Ernst & Young

Für Digitalisierung fehlen Geld und Fachkräfte

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Deutsche Firmen sagen überdurchschnittlich oft, ihnen fehlten Geld, Personal und Know-how für Digitalisierung. Das ergab eine Umfrage von EY (Ernst & Young).

In einem "Digitalisierungsdilemma" sehen die Consultants von EY (Ernst & Young) deutsche Unternehmen. Einerseits erkennen sie die Bedeutung von DigitalisierungDigitalisierung und würden gerne mehr Geld investieren. Andererseits fehlt eben dieses Geld - und darüber hinaus mangelt es auch an Fachkräften und Know-how. Das geht aus der Studie "Digitalisierung: Wer investiert und profitiert - wer verliert?" hervor, für die EY 1025 Unternehmen aus zwölf Ländern befragt hat. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Die Studie spiegelt einen insgesamt uneinheitlichen Blick auf die Digitalisierung wider. Das zeigt sich schon an der Basis: Eine Minderheit von 17 Prozent aller Befragten (Deutschland: 20 Prozent) erklärt, ihr Geschäftsmodell habe sich in den vergangenen fünf Jahren "stark" verändert. Ihnen stehen 20 Prozent (Deutschland: 16 Prozent) gegenüber, die angeben, bei ihnen habe sich "gar nichts" verändert.

Die Befragten, die Veränderungen beobachten, führen das vor allem auf neue Technologien (29 Prozent) zurück. Jeweils 18 Prozent nennen außerdem neue Wettbewerber und Veränderungen im Kundenverhalten.

Wird der Blickwinkel umgedreht von den zurückliegenden fünf Jahren auf die kommende Zeitspanne, erwarten immerhin 22 Prozent "deutliche" und weitere 42 Prozent "leichte" Veränderungen. Allerdings stellt sich das je nach Branche sehr unterschiedlich dar. So rechnen 38 Prozent der Befragten aus IT und Elektronik mit deutlichen Veränderungen. Zum Vergleich: in der Konsumgüter-Industrie sind es nur 19 Prozent, in Transport/Logistik 18 Prozent und im Maschinenbau 15 Prozent.

EY wollte wissen, ob digitale Technologien für das Geschäftsmodell der Befragten derzeit eine Rolle spielen. 36 Prozent der deutschen Entscheider attestieren "eine sehr große Rolle" und noch einmal so viele "eine mittelgroße". Damit ordnet EY die Bundesrepublik auf dem vierten Rang hinter der Schweiz, Indien und China ein. Für alle Befragten geht es bei der Nutzung digitaler Tools vor allem um die Beziehungen zu ihren Kunden.

Bei Investitionen nur auf Rang 8

Geht es allerdings um die geplanten Investitionen, bleibt Deutschland nicht auf diesem Rang. EY sieht das Land nur auf Rang acht hinter der Schweiz, Schweden, Südkorea, Indien, den USA, Spanien und China. Basis dieses Rankings ist das angegebene durchschnittliche Investitionsvolumen (um Umsatzeffekte bereinigt).

Die Studienautoren haben eine Hochrechnung der Investitionen erstellt, die in Deutschland zu erwarten sind. Die Berechnung geht von Firmen mit einem Mindestumsatz von zehn Millionen Euro aus. Demnach belaufen sich die Gelder für 2015 auf eine Summe von rund 41 Milliarden Euro.

Ein genauerer Blick auf Investitionshindernisse zeigt begrenzte finanzielle Mittel auf Platz Eins. 31 Prozent der deutschen Befragten nannten dies - im Schnitt sind es mit 20 Prozent deutlich weniger. Zudem klagen 16 Prozent der Deutschen (Schnitt: 14 Prozent) über fehlendes Personal und zehn Prozent (Schnitt: acht Prozent) über zu wenig Know-how.

Rund jedes fünfte Unternehmen mit CDO

Ein weiteres Ergebnis der Analyse: 19 Prozent aller Befragten haben einen Chief Digital Officer (CDO) installiert, weitere zehn Prozent planen es. Als eigener Vorstand oder Mitglied der Geschäftsführung agiert dieser besonders häufig (elf Prozent) in Unternehmen der IT- und Elektronik-Branche. Auch bei Banken/Versicherungen sowie in Transport/Logistik nimmt er diese Position mit neun Prozent häufig ein.

Mit Blick auf Deutschland sieht EY insbesondere die Automobilbranche gefordert, sich den Anforderungen der Digitalisierung zu stellen. In Sachen vernetzte Fahrzeuge und autonomes Fahren seien bereits branchenfremde Unternehmen am Werk. Klassische Autobauer müssten dieses Know-how entweder erst noch aufbauen - oder durch Kooperationen ins Unternehmen holen.

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