Strategien


CIO Zafer Nalbant

Gerresheimer transformiert seine IT

Jens Dose ist Editor in Chief von CIO. Seine Kernthemen drehen sich rund um CIOs, ihre IT-Strategien und Digitalisierungsprojekte.
Mit Hybrid-Cloud, KI und Automatisierung will der Medizinverpackungshersteller seine IT modernisieren.
Zafer Nalbant ist CIO bei Gerresheimer.
Zafer Nalbant ist CIO bei Gerresheimer.
Foto: Zafer Nalbant

Der Medizinverpackungshersteller GerresheimerGerresheimer hat Mitte 2023 seine IT-StrategieIT-Strategie überarbeitet. "Ein zentraler Teil dessen ist unsere Cloud Journey, für die wir eine hybride Umgebung aufgebaut haben," erklärt CIO Zafer Nalbant. Top-500-Firmenprofil für Gerresheimer Alles zu Strategien auf CIO.de

Diese besteht aus einem Public-Cloud-Teil, der auf Microsoft Azure basiert. Der Private-Cloud-Teil läuft in einem RechenzentrumRechenzentrum, das komplett von T-SystemsT-Systems gemanagt wird. So kann die IT laut Nalbant frei entscheiden und anpassen, welche Systeme und Anwendungen in welcher Cloud-Umgebung laufen. Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de Alles zu T-Systems auf CIO.de

Für mehr spannende Hintergründe, Deep Dives und Strategien aus der CIO-Community abonnieren Sie unsere CIO-Newsletter.

"In den nächsten drei Jahren sollen alle 54 Standorte nach und nach in diese Cloud-UmgebungCloud-Umgebung migrieren," so der CIO. Nur Produktionssoftware und -Maschinen, die keine Latenzzeiten haben dürfen, verbleiben vor Ort. Alles zu Cloud Computing auf CIO.de

Gleichzeitig baut die Gerresheimer AG eine IoT-PlattformIoT-Plattform auf. "Daran werden wir in Zukunft alle Produktions- und Applikationsserver anschließen und unseren eigenen Data Lake bauen," sagt er und ergänzt, dass dort im nächsten Schritt KI eingesetzt werden soll, um aus den eigenen Daten zu lernen. Alles zu Internet of Things auf CIO.de

Alles evaluieren

Die technologische Neuausrichtung erfordert auch einen Wandel der IT-Strategie. "In der Vergangenheit war die IT hauptsächlich damit beschäftigt, Tickets zu lösen und die Verfügbarkeit zu gewährleisten", erklärt der CIO.

Heute setzt Gerresheimer verstärkt auf die Cloud und bezieht IT-Verwaltungsleistungen von Managed-Service-Dienstleistern, um eine hohe Verfügbarkeit sicherzustellen. Dadurch gewinnt die IT Zeit und Ressourcen, um sich stärker darauf zu konzentrieren, den Geschäftsbetrieb zu unterstützen.

So soll größerer Mehrwert für die Geschäftsprozesse und den Unternehmenserfolg generiert werden. "Wir wollen gemeinsam mit den Geschäftsbereichen DigitalisierungDigitalisierung und KI vorantreiben," so Nalbant. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Dazu werden für wichtige Unternehmensprozesse zentrale, geschäftsbereichsübergreifende Teams aufgebaut. Sie machen eine Bestandaufnahme der Prozesse und evaluieren, wie sie standardisiert, digitalisiert, automatisiert und durch KI unterstützt werden können.

Ziel ist es, bis 2028 rund 70 Prozent der Prozesse in den Fachabteilungen an den 54 Standorten zu optimieren.

Alles auf Plattformen

Dafür sucht Gerresheimer derzeit Plattformen aus. Nalbant: "Wir wollen die Microsoft Power Plattform benutzen, aber auch Low-Code/No-Code-Plattformen, weil wir denken, dass wir nicht jeden Prozess mit der Power Plattform automatisieren können."

Bereits seit rund drei Jahren hat das Unternehmen Servicenow als IT-Service-Management-Tool und Ticketsystem im Einsatz. Die Plattform soll das IT-Framework von Gerresheimer werden. Das schließt unter anderem die Configuration Management Database (CMDB) und das Software-Asset-Management mit ein.

Geplant ist, das Framework zu einer Self-Service Plattform auszubauen. Automatisiert sollen Nutzer Dashboards kreieren, Software bestellen, Installationen managen oder Cloud-Ressourcen buchen können. "Wir wollen diese Vorgänge auf wenige Minuten reduzieren - daran arbeiten wir gerade," resümiert der CIO.

Stückweise zu SAP S/4HANA

Daneben verfolgt Gerresheimer eine Strategie zur Migration auf SAP S/4HANA. Diese ist laut Nalbant eher konservativ angesetzt: "Wir wollen keinen Big Bang Launch, sondern starten 2024 erst einmal eine Finance-Transformation. " Dann sollen andere Module schrittweise folgen.

"Viele Unternehmen scheitern hier, weil sie den Scope zu groß ansetzen. Das wollen wir vermeiden," sagt der CIO. Bis Ende 2027, wenn die Walldorfer den Support für Altsysteme einstellen, sollen alle SAP-Systeme von Gerresheimer weltweit vollständig migriert sein.

KI im Unternehmen

"KI hat einen hohen Mehrwert für die Mitarbeiter," so Nalbant. Erste Anwendungen sind bereits im Einsatz und sollen demnächst global ausgerollt werden. Direkt in Microsoft Teams wurde ein eigener KI-Hub implementiert. Nalbant: "Darin sind unter anderem Übersetzungen, ChatGPT 4 oder Rechtscheib- und Grammatikprüfung für Nutzerinnen und Nutzer hinterlegt. Wir stellen damit außerdem sicher, dass unsere Daten intern bleiben und nicht als öffentliche Lerndaten genutzt werden können."

Der Ansatz findet großen Anklang bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. "Es ist wahrscheinlich, dass die Belegschaft diese Tools zuvor bereits im Browser verwendet hat. Jetzt haben wir jedoch die Möglichkeit zur Steuerung", erklärt Nalbant. Dabei stehe im Vordergrund, KI innerhalb klar definierter Grenzen zu nutzen, um die Produktivität der Nutzer zu steigern, anstatt die Nutzung zu unterbinden.

Das Team hat so Einblick in die Anwendungen und kann sehen, welche am meisten genutzt werden. "Die beliebtesten Apps können wir dann gezielt ausbauen, um das Business noch besser zu unterstützen," so Nalbant.

Auch in Sachen Security setzt Nalbant auf Kollege KI: "Wir haben ein Managed Security Operations Center im 24/7-Betrieb, dazu möchten wir noch eine eigene Plattform aufbauen mit einem Data Lake, um aus unseren Daten zu lernen."

Kein Personalengpass in der IT

Menschen werden jedoch nicht überflüssig - im Gegenteil: Gerresheimer sucht weitere Mitarbeiter in der IT, um die Strategie umsetzen zu können. Schwierigkeiten, diese zu finden, hat Gerresheimer laut Nalbant nicht. Das Unternehmen bekomme sehr gute Mitarbeiter im Markt - auch von Marktbegleitern.

Das liegt laut dem CIO auch an den Arbeitsbedingungen. In der Corona-Zeit sei das Unternehmen gewachsen und habe gelernt, dass die Geschäfte auch remote gut laufen können. "Also haben wir beschlossen, unsere Leute nicht, wie viele andere Unternehmen, drei oder mehr Tage ins Büro zu zitieren, sondern das flexibler zu gestalten," berichtet er.

Zwei Tage in der Woche sind die Mitarbeiter im Büro, wobei einer für den Team-Austausch reserviert ist. Das gesamte Team ist dann im Büro für persönliche Konferenzen und gemeinsame Mittagessen. Die restliche Woche können die Mitarbeiter selbst entscheiden, von wo aus sie wann arbeiten; es gilt Vertrauensarbeitszeit.

Des Weiteren bietet Gerresheimer Workation an. "Die Kollegen können bis zu 30 Tage aus dem europäischen Ausland arbeiten," so Nalbant. In Absprache mit dem Vorgesetzten sind sogar 60 Tage möglich. Das komme gerade bei der jüngeren Generation gut an.

"Daneben spielen auch das Portfolio und die Aufgaben eine Rolle," so Nalbant. Viele Mitarbeiter könnten sich mit den Gerresheimer-Produkten identifizieren. Die IT-Abteilung beschäftige sich seit der Neuausrichtung der Strategie mit Technologien wie der Cloud, KI, Digitalisierung, Cyber Security und S/4HANA. "Das macht das Unternehmen als Arbeitgeber interessant und attraktiv für junge Talente," resümiert Nalbant.

Zur Startseite