HDE-Hauptgeschäftsführer Genth

Handelsverband rechnet mit anhaltendem Online-Boom

10. April 2014
Der Handel sieht den Erfolg des Internethandels als größte Herausforderung seit Einführung der Selbstbedienung. Nach Büchern, Schuhen und Bekleidung dürften bald auch Möbel, Baumarktartikel und Lebensmittel ihren eigenen Internetboom erleben.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet damit, dass sich der Siegeszug des Online-Handels auch in den nächsten Jahren ungebremst fortsetzt. Der Marktanteil des Internet-Handels könne bis 2020 von derzeit rund neun Prozent auf 20 Prozent wachsen, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth am Donnerstag in Düsseldorf. Dies werde spürbare Auswirkungen auf die Branchenstrukturen und viele Einkaufsstraßen haben. Bereits heute klagen nach einer aktuellen HDE-Umfrage mehr als die Hälfte der Fachhändler über sinkende Kundenzahlen.

Der Online-Handel sei die größte Herausforderung für den HandelHandel seit der Einführung der Selbstbedienung in den 30er Jahren, sagte Genth. Immer neue Branchen würden von den Online-Anbietern durcheinandergewirbelt. Waren es zunächst hauptsächlich Bücher und Elektronikartikel, die über das Internet verkauft wurden, so werden inzwischen längst auch Schuhe und Bekleidung im großen Maße online bestellt. Und schon bald dürften nach Einschätzung des Verbandes auch Möbel, Baumarktartikel und Lebensmittel ihren eigenen Internetboom erleben. Top-Firmen der Branche Handel

Allein im laufenden Jahr rechnet der HDE mit einer Zunahme der Online-Umsätze im Handel um 17 Prozent auf 38,7 Milliarden Euro. Für den Einzelhandel insgesamt erwartet der Verband dagegen nur ein Plus von 1,5 Prozent. Und ein Ende des E-Commerce-Booms ist nicht in Sicht: "Der Trend geht weiter. Er ist unumkehrbar", sagte Genth.

Immer mehr Händler versuchen deshalb laut HDE mit eigenen Internetangeboten auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Rund ein Viertel der stationären Händler sei inzwischen auch im Internet aktiv. Diese sogenannten Multi-Channel-Händler blickten deutlich optimistischer in die Zukunft als die Konkurrenten ohne Online-Angebot.

Auch die Warenhauskette Karstadt will künftig ihre Online-Präsenz ausbauen. Ihr E-Commerce-Chef, Terry von Bibra, sagte am Donnerstag: "Unsere Online-Umsätze sind noch nicht zufriedenstellend." Der Konzern wolle in Zukunft alle Kanäle - egal ob Filiale, Online oder Smartphone - nutzen, um seine Kunden zu erreichen. Dabei sehe sich Karstadt aber nicht in Konkurrenz zu reinen Online-Händlern. Zielgruppe seien die - überwiegend weiblichen - Karstadt-Kernkunden.

Konkurrent Kaufhof hatte bereits Anfang des Monats angekündigt, sein Online-Geschäft deutlich auszubauen. In den kommenden drei bis fünf Jahren soll der Internet-Umsatz nach dem Willen von Konzernchef Lovro Mandac von derzeit gut 50 auf etwa 300 Millionen Euro steigen. Ab dem Sommer will das zum Metro-Konzern gehörende Warenhausunternehmen in seinen Filialen rund 1100 Tablet-PCs zur mobilen Unterstützung einführen. Produkte, die ausverkauft seien oder nicht zum normalen Bestand der Filiale gehörten, könnten dann online bestellt werden, kündigte Mandac an. Geliefert werde an die Läden oder nach Hause. (dpa/rs)

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