Anforderungen junger Fahrer

IT im Auto: Das will die Gen Y

30. November 2015
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Stauwarnungen in Realtime oder die Möglichkeit, Parkplätze vorab zu reservieren – so stellt sich die Generation Y ein modernes Auto vor. Wichtigstes Feature bleibt aber die Klimaanlage. Ein Blick auf widersprüchliche Studienergebnisse.
Janis Joplin verspottete in einem ihrer bekanntesten Songs den Mercedes-Benz, doch viele junge Autofahrer wollen immer noch Stolz auf ihren Wagen sein.
Janis Joplin verspottete in einem ihrer bekanntesten Songs den Mercedes-Benz, doch viele junge Autofahrer wollen immer noch Stolz auf ihren Wagen sein.
Foto: Daimler

Wilson Pickett besang eine gewisse Sally, die nur wegen seines Ford Mustang mit ihm zusammen sei, Henry Valentino trällerte über ein junges Mädchen im Wagen vor ihm und die unvergleichliche Janis Joplin wollte einen Mercedes Benz. Wer allerdings 2015 über Autos redet, stimmt nicht mehr so leicht ein Loblied an. Vor allem nicht im Hinblick auf die sogenannte Generation YGeneration Y, die heute 20- bis 35-Jährigen also. Umweltverschmutzung, verstopfte Straßen, Klimawandel - die Diskussion klingt fast schon wie ein Abgesang. Das Portal Motorvision.com spricht gar von "Sorgenkindern", mit denen Autohersteller "Probleme" hätten. Alles zu Generation Y auf CIO.de

Von Ford über die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bis zu Deloitte reicht die Palette derer, die es genauer wissen wollen. Welche Anforderungen stellt die Gen Y an Autobauer, welche Rolle spielt die IT? Das sind die zentralen Fragen.

Wer sich durch die verschiedenen Studien manövriert, findet widersprüchliche Signale. So schreibt das Zukunftsinstitut in seiner "Automotive Zeitgeist Studie 3.0", der Gedanke des Car-Sharing "prägt vielfach das Mobilitätsverständnis der Millennials". Teilen statt Besitzen laute die Devise. Wer nun aber meint, das Institut habe etwas gegen Autobauer, der irrt - die Studie entstand im Auftrag von Ford.

Wer jedoch näher in den Report hineinliest, findet für diese These nur schwache Belege: Gerade einmal zehn Prozent der jungen Leute nutzen ein Car-Sharing-Auto. Ihnen steht eine große Mehrheit von 65 Prozent gegenüber, die Autos besitzen (56 Prozent haben eines, weitere neun Prozent zwei oder mehr). Und immerhin sagen laut "Automotive Zeitgeist 3.0" auch im Jahr 2015 noch 42 Prozent, ein Auto sei "etwas, das man haben muss".

Ungenutztes Potenzial beim Car-Sharing

Da nehmen sich die zehn Prozent aktiven Car-Sharer vergleichsweise bescheiden aus. Allerdings muss dazugesagt werden, dass sich 44 Prozent der Befragten das Teilen von Autos grundsätzlich vorstellen können. Das bestätigt Deloitte. 39 Prozent der deutschen Millennials geben in der "Global Automotive Consumer Study" an, Car-Sharing-Dienste nutzen zu wollen, wenn sie leicht verfügbar sind. Von einem Transportmittel wünschten sie sich vor allem Funktionalität und geringe Kosten, so die jungen Deutschen weiter.

Kein Grund also für die Autohersteller, sich zurückzulehnen. Die GfK erklärt, zumindest auf dem Neuwagen-Markt seien die jungen Generationen "noch nicht sehr aktiv". Die Marktforscher erwarten aber, "dass die Vorlieben dieser sehr technikaffinen Altersgruppe entscheidenden Einfluss auf zukünftige Entwicklungen im Bereich vernetzter Automobile und damit auf die Branche insgesamt" haben werden. Stichworte sind hier nicht nur Sicherheit, sondern auch Entertainment.

Bei der Technologie hat wiederum das Zukunftsinstitut im Auftrag von Ford nachgehakt. Fast jeder zweite Befragte (49 Prozent) wünscht sich Echtzeit-Empfehlungen, mit denen er Staus oder Baustellen umfahren kann. In der Vorjahresbefragung waren es erst 41 Prozent. Jeder Dritte (33 Prozent) hätte gern einen automatischen Stop-and-Go-Assistenten (2014: 22 Prozent) und gut jeder Fünfte (22 Prozent) wünscht die Möglichkeit, schon während der Fahrt Parkplätze am Ziel reservieren zu können (2014: 18 Prozent). Der Vergleich der 2015/2014er Zahlen zeigt, wie deutlich die genannten Features binnen Jahresfrist an Relevanz bei der jungen Zielgruppe gewonnen haben.

Spitzenreiter ist ein handfestes Feature: die Klimaanlage. 73 Prozent können nicht darauf verzichten. Jenseits der Technologie aber bestätigt die GfK, dass auch viele Millennials mit ihrem Auto ein Gefühl verbinden wollen: Stolz. Das gilt nicht nur für die deutschen, sondern auch die jungen britischen und US-amerikanischen Autofahrer. Janis Joplins Hymne auf den "Mörrssiedes Bänz" scheint noch immer aktuell.