IT-Service-Management-Studie

IT-Servicemanagement

17. Dezember 2008
Oliver Häußler arbeitet als freier Journalist und Moderator in der IT- und Telekommunikationsbranche. Seine journalistischen, wirtschaftlichen und technischen Erfahrungen sammelte der Kommunikationswissenschaftler während seiner über 20 Jahre langen Tätigkeit als Chefredakteur von renommierten Fachzeitschriften wie der Funkschau, FunkschauHandel, NetworkWorld und als Moderator von Kongressen, Webcasts und zahlreichen Podiumsdiskussionen.
Das Selbstverständnis der IT ändert sich. Sie muss sich zunehmend an den Geschäftszielen ausrichten. Das fällt vielen Verantwortlichen schwer. Selbst Unternehmen, die bereits heute ihre IT-Services an den Unternehmenszielen ausrichten, orientieren sich noch zu stark an den IT-Kosten und verspielen die Chance, einen weitaus größeren Beitrag zur Wertschöpfung zu leisten, kritisiert Matthias Kraus, Research Analyst bei IDC.

Über die Hälfte der 203 von IDC befragten Unternehmen in Deutschland mit mehr als 500 Mitarbeitern, die bereits IT Service Management (ITSM) betreiben, richten ihre IT-Services bereits an den Geschäftszielen aus. Weitere 19 Prozent planen dies. Die von IDC erhobenen Zahlen verleiten auf den ersten Blick zum Rückschluss, dass ein Umdenken in den IT-Abteilungen hin zur Ausrichtung an den Unternehmenszielen stattgefunden hat beziehungsweise bevorsteht.

Weit gefehlt: Denn bei näherer Betrachtung der Studie zeigt sich, dass sich die befragten IT-Fach- und Führungskräfte dabei zu einseitig auf die IT-Kosten fokussieren. Das hat zur Folge, dass die IT einen nicht ausreichenden Beitrag zur Wertschöpfung des Unternehmens beiträgt und langfristig ihre eigene Existenz gefährdet.

Matthias Kraus: "Die Abteilungen müssen das eigentliche Ziel erst noch ins Visier nehmen."
Matthias Kraus: "Die Abteilungen müssen das eigentliche Ziel erst noch ins Visier nehmen."
Foto: IDC

In der Studie stellen Sie fest, dass ein Großteil der befragten Unternehmen, die bereits IT Service Management betreiben, durch ihre IT-Kostenfokussierung einen zu einseitigen Schwerpunkt setzen. Gehen die Verantwortlichen am eigentlichen Ziel vorbei?

Matthias Kraus: Das strategische Ziel von IT-Abteilungen sollte sein, ihre Investitionen an den Unternehmenszielen auszurichten und einen Beitrag zur Wertschöpfung zu leisten. Doch auf unsere Frage, wie IT-Abteilungen den messbaren Beitrag zur Wertschöpfung darstellen, antworten über die Hälfte der befragten Unternehmen, dass sie die Reduzierung der IT-Kosten aufzeigen. Das verdeutlicht wie stark die IT-Abteilungen noch immer auf sich selbst, respektive die IT-Kosten, fixiert sind. Die Abteilungen müssen das eigentliche Ziel erst noch ins Visier nehmen.

Investitionen gehen oft an den Geschäftszielen vorbei

Sind Kostensenkungen nicht gerade angesichts der bevorstehenden Wirtschaftskrise und des damit härteren Wettbewerbs ein schlagendes Argument?

Matthias Kraus: In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage wie und an welcher Stelle größere Kosteneinsparungen möglich sind. Die IT kann die Fachabteilungen dabei unterstützen Kosten zu reduzieren, denn das Automatisieren von Prozessschritten kann zu verkürzten Durchlaufzeiten und damit zu mehr Prozesseffizienz führen. Angestrebte Kosteneinsparungen werden dann nicht auf der IT-Seite, sondern erst beim Betrachten des gesamten Geschäftsprozesses auf Seiten der Fachabteilung erzielt. Diese Einsparungen können vielfach höher sein als potenzielle Zusatzkosten für die IT.

Welche Konsequenz hat die Kostenfokussierung für die IT-Abteilung?

Matthias Kraus: Die einseitige Sicht auf die Reduzierung der IT-Kosten nimmt ihr den Handlungsspielraum, den sie braucht. Das hat zur Folge, dass Investitionen zur Ausrichtung der IT an den Geschäftszielen ausbleiben und die IT als "Kostenfaktor" und zunehmend als Problemkind im Unternehmen gesehen wird. Wenn dem nicht entgegen gesteuert wird, läuft die IT-Abteilung Gefahr, dass - zumindest Teilbereiche - ausgelagert werden.

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