Fehlerhafte Abrechnungen

Kalifornien stoppt SAP-Projekt

20. Februar 2013
Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Acht Monate nach Betriebsstart zieht der US-Bundesstaat Kalifornien die Notbremse in dem Payroll-Projekt "MyCalPAYS". Das von SAP eingeführte System habe nie fehlerfrei gearbeitet, beklagt der oberste Controller.

Der US-Bundesstaat Kalifornien hat ein Abkommen mit der SAP gekündigt, das ein neues Abrechnungssystem für Gehaltszahlungen zum Ziel hatte. Das Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von 371 Millionen Dollar litt unter erheblichen Problemen. Sowohl Zeitplan als auch Budget wurden überschritten.

Bislang hat das Vorhaben schon 254 Millionen Dollar verschlungen. Die US-Behörden haben es nun gestoppt, um zu eruieren, ob man zumindest Teile der lauffähigen SAP-Funktionen für eine künftige, andere Lösung nutzen könne, teilte der oberste kalifornische Controller John Chiang in einer Stellungnahme mit.

Das Projekt "MyCalPAYS" steht offenbar unter keinem guten Stern. SAP wurde im Jahr 2010 vom Staat Kalifornien verpflichtet, nachdem die Behörde den ersten Auftragnehmer Bearingpoint gefeuert hatte. Im Juni 2012 brachte SAP die erste von insgesamt fünf Projektphasen an den Start, die Installation offenbarte im Betrieb aber eine Reihe bedeutender Fehler, beklagte die Controlling-Abteilung des Staates in einer öffentlichen Stellungnahme. "In den acht Monaten seit Start des Lohnabrechnungssystems gab es bislang nur einen Zahlungszyklus ohne Fehlermeldungen", heißt es in der Erklärung zu den Hintergründen der Kündigung.

Die Verärgerung wog umso schwerer, als in der ersten Phase des Projekts lediglich eine Softwarelösung für die interne Controlling-Abteilung installiert wurde. Die Implementation erstreckt sich auf 1300 Mitarbeiter, in der Endausbaustufe sollte die SAP-Lösung eigentlich Zahlungen für 240.000 Staatsdiener bewältigen, wobei die individuellen Anpassungen der Controlling-Abteilung wohl "die leichtesten des gesamten Staates sind", wunderte sich Jacob Roper, Sprecher der Controlling-Abteilung.

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