Nach dem Tod von Berthold Beitz

Keine schnelle Nachfolge in Krupp-Stiftung

01. August 2013
Wie es in der Führung der mächtigen Krupp-Stiftung nach dem Tod von Firmenpatriarch Berthold Beitz weitergeht, soll in aller Ruhe entschieden werden. Sicher dürfte aber sein: Rund um die Essener Villa Hügel wird sich künftig vieles ändern.

Nach dem Tod von Berthold Beitz will sich die einflussreiche Krupp-Stiftung mit der Nachfolgeregelung Zeit lassen. Die Stiftung werde in Ruhe beraten, schon aus Respekt vor Beitz, sagte der ehemalige WDR-Intendant Fritz Pleitgen, der Mitglied des Stiftungskuratoriums ist, am Donnerstag im Radiosender WDR 2. Dass er selbst an die Spitze der mächtigen Stiftung, die 25,3 Prozent am Dax-Konzern ThyssenKrupp hält, treten könnte, sei "die kühnste Karriere-Spekulation meines Lebens", sagte Pleitgen. "Ich darf Ihnen versichern, an der Geschichte ist nichts dran."

Der langjährige Stiftungschef und legendäre Krupp-Manager Beitz war am Dienstag in seinem Ferienhaus auf Sylt wenige Wochen vor seinem 100. Geburtstag (26.9.) gestorben. Er sollte nach Essen überführt werden. Im Essener Süden gibt es ein Familiengrab, in dem bereits Beitz' Eltern begraben sind. Die Grabstätte liegt direkt neben dem Familiengrab der Krupps, der Familie, deren Erbe Beitz sich Zeit seines Lebens verschrieben hat. Die Stadt Essen, ThyssenKrupp und die Krupp-Stiftung äußerten sich am Donnerstag zunächst nicht.

Beitz starb am 30. Juli 2013 - auf den Tag 46 Jahre, nachdem Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, der letzte persönliche Inhaber der Firma Krupp, gestorben war (30. Juli 1967). Die nach dem Tod von Alfried Krupp testamentarisch verfügte Krupp-Stiftung nahm 1968 ihre Arbeit auf. Sie war anfangs alleiniger Eigentümer der Fried. Krupp GmbH. Alfrieds Sohn Arndt hatte auf sein Erbe verzichtet.

Für die Krupp-Stiftung, den wichtigsten Aktionär des ThyssenKrupp-Konzerns mit 25,3 Prozent der Aktien, dürfte es nach dem Tod des charismatischen Beitz deutliche Änderungen geben, wie Beobachter erwarten. Beitz war in der Stiftung Chef sowohl des Vorstands als auch des Kuratoriums. In einem seiner seltenen Interviews hatte Beitz Mitte März dieses Jahres in der "Süddeutschen Zeitung" Änderungen in der Stiftung nach seinem Tod angedeutet.

Dazu gehört auch, dass Mitglieder des ThyssenKrupp-Aufsichtsrates nicht mehr im Stiftungskuratorium sitzen sollen, wie dies noch der langjährige und im März 2013 ausgeschiedene ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme getan hatte. Cromme galt lange als Nachfolger von Beitz an der Spitze der Krupp-Stiftung. In den vergangenen Jahrzehnten haben Beitz und Cromme die Geschicke der Stahlindustrie in Nordrhein-Westfalen maßgeblich geprägt: Von der feindlichen Übernahme des Konkurrenten Hoesch 1992 über die spektakuläre Schließung des Hütten- und Stahlwerkes Rheinhausen bis zur Fusion mit Thyssen im März 1999.

Zuletzt soll Beitz Cromme zum Rücktritt vom Chefposten im ThyssenKrupp-Aufsichtsrat gedrängt haben. ThyssenKrupp fuhr zuletzt vor allem wegen misslungener Auslandsgeschäfte Milliardenverluste ein und hatte mit Korruptions- und Kartellvorwürfen zu kämpfen. Das lasteten Kritiker auch Cromme an. Im März gab Cromme seinen Rückzug bekannt.

Die Stiftung gilt neben ihrer bedeutenden sozialen Fördertätigkeit auch für die Zukunft des kriselnden Stahlkonzerns für zentral. Mit ihrer Sperrminorität und ihren Mandaten im ThyssenKrupp-Aufsichtsrat wird sie als Bollwerk gegen mögliche feindliche Übernahmen angesehen. Eine Kapitalerhöhung bei ThyssenKrupp, die Konzernchef Heinrich Hiesinger für die nächste Zeit ausdrücklich nicht ausgeschlossen hatte, könnte diese Sperrminorität aber gefährden. Es wird nicht erwartet, dass die Stiftung bei einer solchen Kapitalerhöhung ihren Anteil entsprechend miterhöhen würde. (dpa/rs)

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