E-Mails fehlt Tiefe

Manager müssen Offline-Zeiten einplanen

09. August 2012
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Die Effektivität eines Managers hängt nicht nur davon ab, E-Mail und andere elektronische Kommunikationskanäle zu beherrschen sondern sie auch mal abschalten zu können.

Wann haben sie zum letzten Mal den Laptop und alle mobilen Geräte ausgeschaltet? Am Wochenende? Im Urlaub? Oder vielleicht sogar im Büro? Mit dieser Frage beginnen Henry Mintzberg und Peter Todd ihren Beitrag für das Booz-Magazin "strategy+business". Die beiden sind Wissenschaftler an der McGill Universität im kanadischen Montreal. Blackberrys, iPhones, Android-Smartphones und all die anderen verfügbaren mobilen Geräte - so die These der Autoren - verändern unser Leben zum Guten und zum Schlechten.

Sich in Ruhe auf ein Dokument zu konzentrieren ohne das Smartphone neben sich zu haben, ist heute in vielen Unternehmen nur schwer möglich.
Sich in Ruhe auf ein Dokument zu konzentrieren ohne das Smartphone neben sich zu haben, ist heute in vielen Unternehmen nur schwer möglich.
Foto: Rido - Fotolia.com

Sie wandeln, wie, wann und wo wir unsere Arbeit erledigen. Diese Entwicklung hat großen Einfluss auf die Arbeit von Managern. Denn sie verbringen etwa die Hälfte ihrer Arbeitszeit damit, Informationen zu sammeln und wieder zu verteilen. Gerade die neuen Technologien haben dieser Informationsaufnahme einen ordentlichen Geschwindigkeitsschub verliehen. Manager können sich nun ortsunabhängig informieren und auch kurze Pausen zwischen Terminen nutzen, um zum Beispiel E-Mails zu lesen. Doch die Booz-Experten warnen: Zu sehr sollte man sich als Manager nicht an seinem Smartphone orientieren.

Tut man das, läuft man nämlich Gefahr all die Informationen zu übersehen, die einem durch Gesten oder den Tonfall des Gegenübers vermittelt werden. Sieht und hört man die Menschen nicht mehr, fehlen diese Informationen. Auch der Vertrauensaufbau würde nach Meinung von Mintzberg und Todd leiden, wenn nur über elektronische Kommunikationskanäle kommuniziert wird. Die Kommunikation über E-Mail, SMS oder Chat kann die Möglichkeiten erweitern, doch sie sollte keinesfalls persönliche Interaktion ersetzen.

Gehen Manager davon aus, dass sie ihre Teams auch vom PC aus steuern könnten, ist das ein fataler Irrglaube. Sie müssen in die Büros ihrer Mitarbeiter und auch ins Flugzeug, wenn die Angestellten nicht am gleichen Standort arbeiten wie sie. Die Autoren warnen: Kontakten, die man nur online pflegt, fehlt häufig die notwendige Tiefe. Und auch soziale NetzwerkeNetzwerke wie FacebookFacebook oder Linkedin können Interaktionen nur ergänzen aber nie den für Manager so bedeutsamen persönlichen Kontakt ersetzen. Man erfahre zwar die notwendigen Informationen, doch nicht die mitschwingende Bedeutung, schreiben Mintzberg und Todd. Alles zu Facebook auf CIO.de Alles zu Netzwerke auf CIO.de