SOA Governance

Ohne Regeln geht nichts

20. September 2008
Bei SOA-Projekten ist eine funktionierende Governance keineswegs nur ein „Nice to have“. Im Gegenteil: Sie ist der Faktor, der über Erfolg oder Misserfolg entscheidet.

Gerhard Cromme war jahrelang Chef der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, und weil dieser Name viel zu sperrig ist für den täglichen Sprachgebrauch, nannte man die Expertenrunde bald Cromme-Kommission. Die entwickelte eine Art Benimm-Fibel für Manager, stellte Regeln auf für eine gute – im Sinne von redliche – Unternehmensführung. Richtig ernst nahmen die Adressaten der Regeln diese allerdings nicht, was damit zusammenhängen könnte, dass sich noch nicht mal die Autoren daran hielten: Gerhard Cromme zum Beispiel verstieß gegen den Kodex, indem er von der ThyssenKrupp-Konzernspitze direkt in den Aufsichtsrat wechselte.

Seitdem glaubt die Öffentlichkeit, der Begriff Governance bezeichne eine Art Vereinbarung von losen Regeln mit dem Ziel, diese Welt oder einen Teil von ihr besser, fairer und anständiger zu machen. Und sie glaubt, dass solche Regeln wenig nützen.

Im Falle der Service-orientierten Architektur (SOA) ist das Gegenteil der Fall. Wörtlich heißt Governance „Steuerung“ oder „Kontrolle“. Und im Zusammenhang mit Services ist eine Steuerung durch Regeln wichtiger als bei allen anderen IT-Vorhaben, ja sie ist geradezu lebenswichtig. Der Grund: SOA ist weniger ein IT-, sondern mehr ein Management-Thema. Eine Service-Orientierte Architektur aufzubauen bedeutet, alle Strukturen im Unternehmen, die dieser Service berührt, auf den Prüfstand zu stellen.

Ziel einer SOA-Governance ist es, das Business-IT-Alignment zu stärken und gleichzeitig der gesamten Organisation Service-Denken einzuimpfen. Es gilt, Rollen, Verantwortlichkeiten und Aufgaben so klar wie möglich festzulegen. Gartner-Analyst Massimo Pezzini rät Unternehmen, zu diesem Zweck ein „SOA Center of Excellence“ einzurichten, eine Mannschaft, die den Überblick über die geplanten Services behält und Anwendungen den Services zuordnet beziehungsweise umgekehrt.