Die wöchentliche CIO-Kolumne

Outsourcing-Gejammer bei der Deutschen Bank

08. Dezember 2003
Von Thomas Zeller
Vorfreude ist auch in der IT manchmal die schönste Freude. Rund 100 Millionen Euro wollte die Deutsche Bank durch das Outsourcing ihrer IT jährlich sparen. Doch dieser Wert ist zumindest in diesem Jahr nicht mehr zu halten. Allein die Ausgaben für die Rechenzentren liegen rund 24 Millionen Euro über den Vorgaben.

Die Deutsche Bank respektive ihre IT-Verantwortlichen - COO Hermann-Josef Lamberti und CIO Clemens Jochum - stoßen mit ihrem Prestige-Projekt anscheinend auf erste Probleme. Nach Zeitungsberichten läuft die Auslagerung der Rechenzentren an IBMIBM schlechter als geplant. So sollen die Kosten im ersten Jahr nicht um 80 Millionen Euro, sondern nur um 56 Millionen Euro gegenüber dem Ausgangswert von 400 Millionen Euro gesenkt werden können. Begründet wird dies mit Änderungsanforderungen der Geschäftsbereiche, die das Institut IBM extra vergüten müsse. Die Kosten für diese Sonderwünsche seien im Sommer sprunghaft gestiegen, heißt es in Medienberichten. Alles zu IBM auf CIO.de

Dabei hätte dies bei den Verhandlungen mit IBM vorausgesehen werden können. "Das Hauptproblem bei Verträgen in diesem Bereich sind Grauzonen, die nicht genau definiert werden", sagt Ralf Meyer, Outsourcing-Experte bei der Plenum Management Consulting GmbH. Der Weg, über Änderungsanforderungen nachträglich die Kosten für das OutsourcingOutsourcing zu erhöhen, werde vor allem in einem wettbewerbsintensiven Umfeld häufig gegangen. Dadurch erschienen die Kosten zunächst niedriger als sie es letztendlich seien. Meyer räumt jedoch ein: Da sich das Projekt erst am Anfang befinde, könne die Deutsche Bank durchaus noch ihre Sparziele erreichen. Alles zu Outsourcing auf CIO.de

Die Auslagerung der Rechenzentren an IBM ist das größte Projekt dieser Art in der deutschen Finanzindustrie. Die Bank will mit dem Schritt während zehn Jahren rund eine Milliarde Euro sparen. Dieses Vorhaben hilft zwar einerseits, die Kosten zu senken. Er ist jedoch zumindest kurzfristig irreversibel, was sich - andererseits - als Nachteil erweisen könnte. Die Deutsche Bank dementiert in diesem Zusammenhang natürlich, dass es größere Probleme bei der Zusammenarbeit mit IBM gebe. Zudem habe man vor, bereits im ersten Jahr die Kostenziele zu erreichen.

Doch auch mittelfristig droht der Deutschen Bank bei ihrem ehrgeizigen Projekt Gefahr. So sieht Outsourcing-Experte Meyer vor allem durch die lange Laufzeit des Vertrages ein steigendes Risiko. Die Systeme seien nach ihrer steuerlichen Abschreibung veraltet, dann müsse über Neuinvestitionen gesprochen werden, was das langfristige Sparziel gefährden könnte.

Mit dem Projekt, dass noch im vergangenen Jahr den klangvollen Codenamen "Summer" trug sind mittlerweile nicht nur bei dem größten Kreditinstitut in Deutschland etliche Schicksale verbunden. Das erste Opfer: John Patching. Der Manager wurde mittlerweile durch Jacqueline Guichelaar ersetzt. Patchings Rauswurf gilt als erster Warnschuss für den verantwortlichen Bereichsvorstand Clemens Jochum.

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