ERP auf Linux

SAP auf freier Plattform

04. März 2005
Von Patrick Goltzsch
Die Migration von SAP auf Linux mausert sich zu einem Trend. Unternehmen wie Siegenia-Aubi steigen nicht aus Kostengründen um, sondern wegen besserer Performance und größerer Stabilität.

Weil alle ausländischen Niederlassungen von Siegenia-Aubi auf die SAP-Anwendungen der Zentrale zugreifen mussten, stand für IT-Leiter Werner Klar die Verfügbarkeit beim Wechsel auf Linux im Vordergrund. Solange Windows NT als Grundlage der Installation beim Hersteller von Baubeschlägen für Fenster und Fenstertüren diente, mussten die Server für Wartungsarbeiten, wie das Einspielen von Patches, etwa alle zwei Wochen neu gestartet werden. Diese Pause fällt jetzt alle sechs Monate an, schätzt Klar, da ein Update des Betriebssystems auch im laufenden Betrieb erfolgen kann.

Linux sei im Mainstream angekommen, stellte das Marktforschungsunternehmen IDC im vergangenen Dezember in der Studie "The Linux Marketplace" fest. Deutlich wird die von IDC konstatierte Entwicklung beim Einsatz von SAPSAP auf dem freien Betriebssystem. Ende 1999 veröffentlichte der Softwarehersteller erstmals seine Software für die Linux-Plattform. Seitdem beobachten die Walldorfer eine Verdoppelung der SAP-Installationen auf Linux. Derzeit hält sich der Konzern allerdings bedeckt, was sein Linux-Engagement angeht. Vor zwei Jahren nannte SAP die Zahl von 3700 Firmen, die zu Linux wechseln. Bei zuletzt 70 000 Installationen insgesamt könnte das freie Betriebssystem also demnächst an der Marke von zehn Prozent kratzen. Alles zu SAP auf CIO.de

Auf SAP spezialisierte Beratungshäuser registrieren verstärkt den Trend, die bisherigen Lösungen auf Unix- oder Windows-Basis durch die Umstellung auf Linux abzulösen. Vorab müssen Unternehmen allerdings die strategische Gretchenfrage der Migration klären: Passt Linux in die bestehende Umgebung? Reine Windows-Anwender müssten sich mit dem Gedanken anfreunden, die homogene IT-Landschaft durch ein neues Betriebssystem zu erweitern. Andere Unternehmen hingegen zielen darauf ab, die historisch gewachsene Vielfalt an Betriebssystemen teilweise auf Linux zu konsolidieren - wie etwa die Deutsche Bahn, wo ein Teil der SAP-Installation ebenfalls auf Linux umgestellt wurde.

Die Motive für die Migration sind vielfältig, sagt Stefan Schindewolf, Sprecher des Linux-Arbeitskreises bei der deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe: "Die Unternehmen wollen Stabilität, Sicherheit, Transparenz und Flexibilität." Beim Austausch in der Arbeitsgruppe komme sehr viel positives Feedback, so Schindewolf. Neben den Einsparungen für Hardware und Lizenzkosten berichteten viele Anwender zudem von Performance-Steigerungen.

Gutachten fiel für Linux aus

Leicht gemacht hat sich Siegenia-Aubi die Entscheidung für den Umstieg nicht. Etwa ein Jahr lang lief eine SAP-Installation auf Linux als Testsystem parallel zum produktiven Betrieb. Zuerst fiel die Wahl auf die Distribution von Red Hat, doch dann wechselte die IT-Abteilung auf das von SAP zuerst zertifizierte SuseLinux. Bevor das Unternehmen die mit der EuroUmstellung Ende 2002 anstehende Pause nutzte, um auf Linux umzuschalten, erstellte ein Berater zudem ein Gutachten, das zwischen Linux und anderen Betriebssystemen als Grundlage abwog. Seine Empfehlung fiel zugunsten von Linux aus.

Zur Startseite