Mobiler Anschluss im St. Gotthard

SAP im Tunnel

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Der Schweizer Baudienstleister Implenia arbeitet am derzeit größten Tunnelbauvorhaben der Welt. Das voriges Jahr aus der Fusion von Zschokke und Batigroup hervorgegangene Unternehmen nutzt mySAP ERP 2005. Dank der Anbindung mobiler Baustellenlösungen an das Back-End sind alle Beteiligten stets auf dem Laufenden.
Johnny Gschwend, IT-Leiter Implenia AG: „Alle Abläufe wurden einem End-to-End-Reenginering unterzogen und in MySAP 2005 abgebildet.“
Johnny Gschwend, IT-Leiter Implenia AG: „Alle Abläufe wurden einem End-to-End-Reenginering unterzogen und in MySAP 2005 abgebildet.“

Eine weiße Margerite ist das neue Logo der Implenia AG. Für die Männer im Baugewerbe war das zarte Blümchen gewöhnungsbedürftig. Was jedoch die Errungenschaftendurch mobiles SAPSAP und ERPERP im Tunnel angeht, sind keine Fusionsschmerzen bekannt. Hier wollen die Baustellenvorarbeiter heute nicht mehr zurück. Denn es sucht seinesgleichen, was der nach der Fusion der Baufirmen Zschokke und Batigroup mit rund 2,9 Milliarden Schweizer Franken Umsatz und einem Marktanteil von fünf Prozent größte Schweizer Baukonzern an durchdachter ITTechnik im Baugewerbe einsetzt. Alles zu ERP auf CIO.de Alles zu SAP auf CIO.de

Bei der in Zürich ansässigen Firma schreiben die Bauvorarbeiter gleich auf der Baustelle mit 500 Windows-Mobile-PDAs oder ihren Laptops ihre Stundenzettel, verfassen Tätigkeitsberichte und erfassen Ausmaße. Sie bestellen online Material unddisponieren Maschinen. Alles angebunden an die SAP-Systeme des Konzerns, per GSM, das heißt mit EDGE oder UMTS im Tunnel sowie per WAN/LAN aus dem Baustellenbüro.

Ausgedacht hat sich das fortschrittliche Mobile-Computing-System das Team um Implenia-IT-Leiter Johnny Gschwend, zuvor IT-Chef von Batigroup. Für die IT des umsatzmäßig größeren Bauunternehmens Zschokke war die Fusion mit Batigroup ein Glücksfall, läutete sie doch die Ablösung von 20 Jahre alten Technologien ein. Nach der Fusion im Zeitraum zwischen März 2006 und Ende Mai wurden sämtliche Geschäftsabläufe, alle Bestellungen, die Bauabwicklung on der Offerte bis zur Projektabwicklung sowie die gesamte Anwendungslandschaft analysiert: Abacus, SAP/R3 (4.6 c) mit den Modulen HR, FI und CO sowie mit über 17 verschiedenen Legacy-Tools, berichtet Gschwend. Er verweist auf die Schnittstellenprobleme, hätte man alles unverändert belassen wollen. „Wir haben dann geprüft, wie wir die Aufgaben der verschiedenen Anwendungen am besten in einer schnittstellenfreien Einheit abbilden können.“

Administration und Bau verknüpft

Eine gewaltige Aufgabe, die sich aber bei Gschwend und seiner Mannschaft federleicht anhört: „Alles wurde einem End-to-End-Prozess-Reengineering unterzogen und in mySAP ERP 2005 abgebildet.“ Damit
verschmolzen die verschiedenen Administrations- und Bausysteme. Die zweite Ebene über den SAP-Modulen bildet die selbst entwickelte und dann der SAP als Industry Solution zur Verfügung gestellte Baulösung, die alle Daten eines Projekts „from quote to cash“, wie es im Fachjargon heißt, abbildet.