Studie: 5 Tage ohne Mails

Ständige E-Mails verursachen Stress

08. Juni 2012
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Forscher haben Angestellte von ihrem Mail-Account abgeschnitten. Sie arbeiteten in dieser Zeit fokussierter und produktiver, ihre Herzfrequenz war natürlicher.

Zahlreiche Angestellte fühlen sich in ihrem Arbeitsalltag von E-Mails gegängelt. Klar ist: Wer sich den Tagesablauf von Outlook und Co. diktieren lässt, wird immer das Gefühl haben, unproduktiv und fremdgesteuert zu sein. Ratschläge für strukturiertes Zeitmanagement und spezielle Tools können dabei helfen, wieder fokussierter zu arbeiten. Beim IT-Dienstleister Atos will man von ganz oben gegen die vielen unnötigen E-Mails vorgehen und den Mailverkehr innerhalb des Unternehmens abschaffen.

Angestellte fühlen sich gestresster, wenn ständig neue E-Mails in ihrem Posteingang landen.
Angestellte fühlen sich gestresster, wenn ständig neue E-Mails in ihrem Posteingang landen.
Foto: Bernhard Richter - Fotolia.com

Während es bei diesem Thema bislang meist um die Aspekte Produktivität und Ablenkung ging, haben US-Forscher sich nun auch mit den gesundheitlichen Auswirkungen einer E-Mail-Pause beschäftigt. Die Studienergebnisse von Wissenschaftlern der University of California und der US-Armee zeigen: Wer von seinem Mail-Account abgeschnitten wird, arbeitet nicht nur fokussierter und damit produktiver, sondern reduziert auch deutlich persönlichen StressStress. Alles zu Stress auf CIO.de

Die 13 Studienteilnehmer arbeiteten während fünf E-Mail-freien Tagen mit Pulsuhren, eine Software dokumentierte, wie oft sie in dieser Zeit zwischen unterschiedlichen Bildschirmfenstern hin- und herwechselten. Die E-Mail-Leser wechselten doppelt so häufig zwischen Bildschirmfenstern hin und her wie die E-Mail-Pausierer. Die Herzfrequenz der Testpersonen mit E-Mail-Empfang war konstant hoch in einem Zustand der Alarmbereitschaft, die der Personen ohne E-Mails variierte stärker, was die Studienautoren als einen natürlicheren Zustand bezeichnen.

"Wenn man Angestellte vom E-Mail-Empfang abschneidet, reduziert sich ihr Multitasking-Verhalten und sie fühlen sich weniger gestresst", kommentiert Informatik-Professorin und Studienautorin Gloria Mark die Ergebnisse. Die Testpersonen mit E-Mail-Empfang wechselten im Schnitt 37mal pro Stunde zwischen Bildschirmfenstern hin und her. Die E-Mail-losen taten dies nur 18mal pro Stunde. Die Probanden selbst fühlten sich ohne E-Mail-Zugang besser in der Lage, ihre Aufgaben zu erledigen, denn so waren sie seltener stressigen und zeitintensiven Ablenkungen ausgesetzt.