Abfindungen für Mitarbeiter

Stellenabbau bei O2 und E-Plus sorgt für Kritik

18. Oktober 2014
Sparen war von Anfang an das erklärte Ziel der Ehe zwischen O2 und E-Plus. Seit Monaten verfolgten die Mitarbeiter die Ankündigungen ihrer Unternehmen mit Sorge. Nun haben sie Gewissheit.

Wenn ein Unternehmen ein anderes kauft, löst das bei den Beschäftigten meistens keine Jubelstürme aus. Selten aber greift ein Unternehmen nach der Übernahme eines Konkurrenten so zügig und hart durch wie jetzt Telefónica Deutschland: Kaum hatte der Mobilfunkkonzern mit der Marke O2 sein Geschäft mit E-Plus verschmolzen, verkündete er am Freitag den Abbau von 1600 Arbeitsplätze auf beiden Seiten. Mit dem radikalen Schritt will der Konzern Milliarden sparen, um im umkämpften Mobilfunkmarkt mithalten zu können.

Besonders hart trifft der Sparkurs die Beschäftigten in der Zentrale von E-Plus in Düsseldorf und bei O2 in München. Da sich durch die Verschmelzung viele Stellen doppeln, sollen dort bis 2018 etliche Beschäftigte mit einem goldenen Handschlag verabschiedet werden - und gegen eine Abfindung ihren Posten räumen. Einschnitte befürchtet die Gewerkschaft Verdi aber auch im Callcenter in Nürnberg, wo die Umbaupläne auch schon seit Monaten für Unruhe sorgen. Verdi-Telekommunikationsexpertin Susanne Becker kritisiert den Stellenabbau als phantasielos: "Die Telekommunikation hat Zukunft, da muss den Firmen doch etwas Besseres einfallen."

In den kommenden Jahren will Telefónica Deutschland durch den Zusammenschluss mit E-Plus fünf Milliarden Euro einsparen - dazu soll der Stellenabbau beitragen. Die ganze Telekommunikationsbranche ist seit Jahren unter Druck, weil sich das Geld nicht mehr so leicht verdienen lässt wie in den goldenen Zeiten zu Beginn des Mobilfunks. Die Preise sinken, die Anbieter liefern sich Rabattschlachten.

Inzwischen ist mehr als jedes zweite verkaufte Mobiltelefon ein Smartphone, Tendenz steigend. Der Umsatz mit reinen Sprachdiensten ist dagegen rückläufig und auch mit SMS lässt sich nicht mehr so viel Geld machen wie früher, als die Kunden zum Teil 10 Cent pro SMS bezahlen mussten: Im vergangenen Jahr brach die Zahl der verschickten SMS nach Zahlen des Branchenverbandes BITKOM nach einem jahrelangen Boom um 37 Prozent ein. Zwar wurden im vergangenen Jahr immer noch fast 38 Milliarden SMS verschickt, sie dürfte sich angesichts viel genutzter Dienste wie WhatsApp und anderen aber zu einem Auslaufmodell entwickeln. Auch kostenlose WLAN-Spots, die in immer mehr öffentlichen Plätzen angeboten werden, machen den Telekommunikationsanbietern wenig Freude.

Die Einschnitte beim Personal sind aber aus Sicht von Verdi der falsche Weg, um im Wettbewerb mithalten zu können: "E-Plus und O2 haben zusammen 47 Millionen Kunden, mehr als T-Mobile und Vodafone." Diese Kunden müssten in das neue Unternehmen übernommen werden, warnte Fachgruppenleiter Peter Praikow. "Gerade jetzt braucht es eine besonders intensive Kundenbetreuung, um eine gute Servicequalität bieten zu können." (dpa/rs)

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