Strategien


Gefahren lauern überall

Suffel macht Azubis fit in Sachen Social Media

16. Februar 2015
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Die Auszubildenden bei Suffel erhalten ein Social Media-Training. CIO Burkhard Fertig geht es um arbeitsrechtliche Aspekte und konkrete Guidelines für Passwörter und Datenschutz. CEO Martin Suffel betont darüber hinaus Themen wie Verantwortung und Jugendschutz.

Nasrin ist vierzehn und mag Ben aus ihrer Klasse. Jetzt sitzt sie bei ihm zu Hause und macht Party. Seine Kumpels Leon und Finn sind auch da. Finn ist aber frustriert, weil Ben kein Mädchen für ihn eingeladen hat. Er muss also zeigen, was er kann. Die Jungs füllen das Mädchen mit Alkohol ab, ziehen sie aus und machen Fotos. Die Bilder stellen sie ins Netz ihrer Schule.

Für die Jungs endet das Ganze mit einer Woche Stubenarrest und StressStress mit den Eltern ("Du musst begreifen, dass du dir ganz schnell dein ganzes Leben kaputt machen kannst, wenn du solche Scheiße baust"). Für Nasrin, ab dato in der Schule nur noch "Pornoqueen" oder "Pistensau" genannt, beginnt der zunehmende Konsum betäubender Drogen. Alles zu Stress auf CIO.de

Dieser Fall ist real. Er liefert die Vorlage für den Roman "Last Exit Volksdorf", der in der gehobenen Mittelschicht eines Hamburger Vorortes spielt. Und illustriert das, was Martin Suffel Verantwortung nennt. Der CEO von Suffel Fördertechnik in Aschaffenburg ist ein großer Anhänger moderner Kommunikationstechnologien - wenn die Nutzer verantwortungsvoll damit umgehen. Auch die jungen Nutzer. Voriges Jahr hat Suffel seine Azubis deshalb erstmals in ein Social-Media-Training geschickt.

Schock für die Jugendlichen

Als Trainer hat Suffel Holger Weber vom Sulzbacher Büro Karriere-Studio engagiert. Weber setzt früh an und trainiert bereits Grund- und Hauptschüler im Umgang mit FacebookFacebook und Co. Sein Anspruch: "Viele Schulen gehen das Thema zu abstrakt an oder schwingen den erhobenen Zeigefinger. Wir kommen nicht mit Powerpoint-Präsentationen, sondern steigen live ins Geschehen ein." Konkret: Bei Suffel zeigt Weber den Azubis in Echtzeit, wie Facebook-Fotos geklaut und für Pornoseiten missbraucht werden können. Oder auch, wie Händler und Hersteller beim Online-Shopping permanent Daten sammeln und Profile der jungen Leute erstellen. Alles zu Facebook auf CIO.de

Genau damit kann Weber den anfänglichen Unwillen der Azubis bei Suffel schnell überwinden. Es war für manchen der 16 Jugendlichen ein Schock, die andere Seite der Spaßveranstaltung Internet vorgeführt zu bekommen. "Da sieht man einfach, wie wenig Wissen und Verantwortung im Umgang mit Social MediaSocial Media herrschen", sagt Suffel. Alles zu Social Media auf CIO.de

Ein ganz ähnlicher Aha-Effekt gab übrigens den Ausschlag für diese Trainings: Suffel engagiert sich im Rat der Hochschule Aschaffenburg und hat dort die Aufklärungsarbeit bei den Studenten beobachtet. Nachdem er sich selbst ein solches Profiling angesehen hat, holte er das Thema ins eigene Unternehmen.

Whitepaper: Social Networks einführen in 5 Schritten

Whitepaper: Social Networks einführen in 5 Schritten - Foto: Sergej Khakimullin/ShutterstockIn fünf Schritten erhalten Sie einen Überblick über die wichtigsten Bereiche, an die Sie bei der Einführung eines sozialen Netzwerks im Unternehmen denken sollten. Auch erfahren Sie, wie Sie Management und Kollegen einbinden, Hindernisse überwinden und die Vorteile für alle erlebbar machen können.

Dabei übernimmt Weber die medienpädagogische Seite, die technische liegt bei Ernst Schulten, Betriebswirt an der Hochschule, und Burkhard Fertig, CIO bei Suffel. Ihm geht es nicht nur um die Sensibilisierung der jungen Leute, sondern auch um arbeitsrechtliche Aspekte. "Wir sprechen darüber, was man über ein Unternehmen äußern darf und was nicht", sagt Fertig. Nach der ernüchternden Erfahrung über die Missbrauchsmöglichkeiten des Internet hatte der CIO die Jugendlichen schnell im Boot. Fazit: die Trainings-Teilnehmer haben eigens Social-Media-Guidelines entwickelt.

Unter dem Motto "Schutz der digitalen Identität und sicherer Umgang im Internet" umfassen die Guidelines nicht nur das Thema Passwörter, Virenschutz und Mailprogramm- Nutzung, sondern beispielsweise auch das richtige Verhalten bei Cyber-Mobbing oder das Verhalten in sozialen Netzwerken. "Wir veröffentlichen diese Guidelines in unserem Firmenwiki", berichtet Fertig. "Sie werden von den Azubis permanent ergänzt. Wir wollen ja mit der technologischen Entwicklung Schritt halten." Diese Guidelines gelten ohne Wenn und Aber, betont CEO Suffel. Da gibt es für ihn auch keine Grauzone. "Wo Handys verboten sind, sind sie verboten."

Suffel schätzt die Vorteile von Social Media

Dabei wissen sowohl Suffel als auch Fertig die Vorteile von Social Media sehr zu schätzen. Vor allem für den internen Gebrauch. "Die überwiegende Mehrheit unserer Mitarbeiter arbeitet nicht am Standort", erklärt der CIO. "Unsere Servicetechniker werden vom Wohnort aus eingesetzt und haben dadurch fast nur telefonisch und per Workflow Kontakt mit dem Unternehmen. Über unsere interne Plattform schaffen wir die Möglichkeit der geschäftlichen und auch der persönlichen Kommunikation - ähnlich Facebook oder XING - aber eben nicht öffentlich."

Suffel hat nun auch angefangen, neben den Azubis andere Mitarbeiter zu sensibilisieren. So stand das Thema auf dem Programm der letzten Servicetechniker-Tagung, bei einer Verkäufertagung wurde es ebenfalls diskutiert. "Den Mitarbeitern muss klar werden, dass alle Äußerungen in Schrift und in Bildern auf dem großen 'schwarzen Brett' all over the wold sichtbar werden", sagt Fertig. Und fügt an: "Jeder ist gut beraten, ab und zu einmal das Web nach den Dingen zu durchsuchen, die über ihn veröffentlicht werden."

Genau das liegt den Trainern Weber und Schulten am Herzen. Sie haben deshalb die Site Webhygiene.de gegründet, die einfache Regeln und einen Werkzeugkoffer enthält. Auch Martin Suffel setzt darauf, dass die Azubis im Freundeskreis über das Thema sprechen. Damit Jugendliche wie Nasrin besser geschützt werden.

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