Deutsche Telekom mit Steuerungsproblem

T-Systems torpediert Standardisierungen

16. März 2006
Von Andreas Schmitz
Der Bonner Telekom-Konzern hat "einen Strategieprozess eingeleitet", der angeblich dringend nötig ist: Nach firmeninternen Informationen stagniert das Cost-Cutting-Projekt P800 vor allem, weil Führungskräfte der IT-Tochter T-Systems an Services und Support für etwa 900 SAP-Systeme und 170 Desktop-Varianten ordentlich mitverdienen. Denn sie kassieren für mehr internen Umsatz und Profit Bonuszahlungen, nicht aber für erfolgreiche Standardisierungen oder Kostensenkungen.
T-Systems-Chef Lothar Pauly soll Umsatz und Profit steigern. T-Com, T-Online und T-Mobile sollen Kosten sparen. Das gelingt jedoch nur, wenn die T-Systems auf Standardisierungen setzt.
T-Systems-Chef Lothar Pauly soll Umsatz und Profit steigern. T-Com, T-Online und T-Mobile sollen Kosten sparen. Das gelingt jedoch nur, wenn die T-Systems auf Standardisierungen setzt.

Von außen betrachtet sind die Verhältnisse geklärt: Der Konzern-CIO steuert über das CIO-Board die vier Bereiche der Telekom – die T-Com, T-Mobile, T-Online und die T-Systems. Die vier CIOs dieser Bereiche wiederum leiten aus den zentralen Vorgaben über die IT-Governance, globale Standards und Budgets der Geschäftssegmente ihre dezentrale IT-Strategie ab. Großprojekte, die mehr als einen Bereich betreffen, müssen die jeweiligen CIOs mit dem Konzern-CIO abstimmen. Die Macht liegt aber nur auf dem Papier beim obersten IT-Manager des Konzerns. Die heimlichen Strippenzieher sitzen bei T-Systems.

Hinter verschlossenen Türen brodelt es: Wegen eines andauernden internen Machtpokers droht das Projekt P800 zu scheitern, das unter Telekom-Managern als Cost-Cutting-Projekt bekannt ist. Dessen Zweck unter anderem: Die StandardisierungStandardisierung der mehr als 170 verschiedenen Dektop-Varianten sowie die Vereinheitlichung von derzeit mehr als 900 verschiedenen SAP-Systemen.
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An dessen Vollendung dürfte die T-Systems jedoch bislang kaum ernsthaft gelegen haben: Die drei anderen Bereiche, so die Strategie der Telekom, sollten die Kosten senken, die T-Systems jedoch Umsatz und Profit steigern. Dabei ist die IT-Tochter mit einem internen Umsatz von bis zu vier Milliarden Euro (knapp 40 Prozent des Gesamtumsatzes) der größten Zulieferer für die drei Geschäftsbereiche – "das ist ein Steuerungsproblem, das nie gelöst wurde". Fast alle Versuche zu Standardisieren und Kosten zu senken, habe die T-Systems torpediert – so interne Informationen.