Internet

Web über den Wolken

03. Dezember 2001
Von Torsten Meise
Über Satellit holt Flugzeughersteller Boeing das Internet an Bord. Passagiere der Lufthansa sollen als Erste in den Genuss des breitbandigen Surfvergnügens kommen.

Wenn die Pläne des Lufthansa-Managers Wolfgang Mayrhuberwahr werden, können seine Fluggäste bereits im kommendenJahr über dem Atlantik E-Mails verschicken, durch hunderteTV-Kanäle zappen oder mit dem Intranet ihrer Firmakommunizieren. Mayrhofer, Mitglied des Lufthansa-Vorstandsund dort verantwortlich für den Bereich Personenverkehr,will, dass die Lufthansa als weltweit erste Airline das"Connexion by Boeing"-System anbietet. Das von dergleichnamigen Boeing-Tochter im April 2000 vorgestellteKommunikationssystem für zivile Passagierflugzeuge istmittlerweile so weit getestet, dass seiner Nutzung kaum nochetwas im Wege steht.

Im Frühjahr 2002 wird die Hamburger Firma LufthansaTechnik (LHT) den ersten Jumbo fit für das breitbandigeInternet machen. Im Herbst soll der Flieger dann über denWolken online gehen. Just zu diesem Zeitpunkt wird ein neuerSatellit in einer geostationären Umlaufbahn über demNordatlantik Position bezogen haben. Entsprechende Verträgezwischen Boeing und Loral Skynet do Brasil über dieAnmietung von Sendekapazität sind seit November perfekt. DerSatellit soll die notwendigen Bandbreiten in dieser Regionbereitstellen und damit eine Versorgungslücke zwischen denUSA und Europa schließen.

Flaschenhals Satellitentechnik

Ohne die gemieteten Frequenzen des brasilianischenEstrela-do-Sul-1-Satelliten wäre der neue Service sinnlos."Der Flaschenhals für breitbandiges Internet während desFlugs ist derzeit nicht die Hardware im Flugzeug, sonderndie Technik der Satelliten", erläutert Bernhard Conrad,Bereichsleiter Engineering bei der LHT. Ältere Satellitensind nicht in der Lage, die von Connexion by Boeing imersten Schritt angepeilten 5 Megabits im Download und 1,5Megabits im Upload zu realisieren, wobei die Passagiere sichdie rund achtzigfache ISDN-Geschwindigkeit des Systemsteilen müssen.

In den USA wäre der Hochgeschwindigkeitszugang aufgrundeiner besseren Satelliten-Infrastruktur schon heute zum Teilmöglich. Doch obwohl Boeing bereits seit einem Jahr miteinem Demonstrationsjet über die USA gleitet, hat noch keineUS-Airline das Boeing-System installiert. Zwar gibt esbereits Verträge mit American, Delta und United Airlines,aber auch die wollen ihre Testflieger erst 2002ausrüsten. Ein Jahr später allerdings sollen insgesamt 1500Maschinen der drei Gesellschaften mit dem Internet-Zugangvon Boeing durchstarten.

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