Interview mit Markus Lünsmann, Opitz Consulting

"Werkzeuge sind nur Hilfsmitttel"

15. September 2008
Bernd Seidel ist freier Journalist und Coach in München.
SOA setzt ein verändertes Denken in den IT- und Fachabteilungen sowie in den Unternehmensleitungen voraus, meint der SOA-Experte Markus Lünsmann. Werkzeuge seien in diesem Prozess nur Hilfsmittel.
Markus Lünsmann, Bereichsleiter Business Process Consulting und Leiter SOA Competence Center, OPITZ CONSULTING Gummersbach GmbH: "Die größten Aufgaben bei einer SOA-Implementierung im Unternehmen bestehen darin, eine veränderte Denkweise zu erreichen."
Markus Lünsmann, Bereichsleiter Business Process Consulting und Leiter SOA Competence Center, OPITZ CONSULTING Gummersbach GmbH: "Die größten Aufgaben bei einer SOA-Implementierung im Unternehmen bestehen darin, eine veränderte Denkweise zu erreichen."

Wem nutzt SOA eigentlich, der IT oder dem Fachbereich?

Beiden. Aus Sicht der IT liegen die wesentlichsten Nutzenpotenziale in der Integrationsfähigkeit von SOA-basierten Anwendungen durch die lose Kopplung ihrer Komponenten. Für das Business ergeben sich jedoch viel interessantere Aspekte, zu denen flexiblere Geschäftsprozesse bis hin zu neuen Geschäftsmodellen zählen. Dies ist insbesondere entscheidend, da den Kosten einer SOA ein quantifizierbarer Geschäftsnutzen gegenübersteht.

Was sind für die Unternehmen die höchsten Hürden bei der Umsetzung einer SOA?

Die Praxis zeigt, dass die größten Aufgaben bei einer SOA-Implementierung im Unternehmen darin bestehen, eine veränderte Denkweise zu erreichen. Die IT muss sich im Zuge von SOA mit Geschäftsprozess-Management auseinandersetzen und eine durchgängige Prozessunterstützung sicherstellen. Das ist bisher noch weitgehend Fehlanzeige: Denn IT-Systeme bildeten bislang nur einen Teil der Wertschöpfungskette ab, wodurch es immer wieder zu Medienbrüchen im Gesamtprozess kam. In einer SOA kann es die althergebrachten Applikationsverantwortlichen also nicht mehr geben, sie werden durch Prozessmanager abgelöst. Die maßgebliche Hürde liegt also auf der konzeptionellen Seite und nicht so sehr auf der technischen.

Worauf sollten Anwenderunternehmen achten, wenn sie SOA umsetzen?

Kritische Erfolgsfaktoren bei SOA-Vorhaben sind sicher nicht die technischen Aspekte. Werkzeuge und Standards gibt es reichlich am Markt. Dennoch machen immer wieder viele Unternehmen den Fehler, sich genau mit diesen Dingen zuerst auseinanderzusetzen, weil es eben so schön einfach ist. Das Wichtigste an einem SOA-Vorhaben sind jedoch die konkreten Ziele, der Nutzen und vor allem die Methodik für eine sinnvolle prozessorientierte Servicelandschaft. Diese Informationen stecken allerdings in den Köpfen der wenigen Know-how-Träger, die bereits praktische Erfahrungen in der SOA-Implementierung sammeln konnten.

Wie wichtig sind Tools und welche sind nötig, um SOA umzusetzen?

Auch wenn es die Hersteller nicht gerne hören werden: Werkzeuge sind und bleiben nur ein unterstützendes Hilfsmittel für die unternehmensindividuellen Konzepte. Bevor diese nicht ausreichend ausformuliert sind, braucht man sich um das Werkzeug keine Gedanken zu machen. Immer wieder findet man in den Unternehmen Service-Repositories und Registry-Infrastrukturen, die nur eine Handvoll Services verwalten. Die Infrastruktur muss also mit dem Projekt wachsen. Eine BPM-Engine (BPM: Business Process ManagementBusiness Process Management) und ein korrespondierender ESB (ESB: Enterprise Service Bus) können jedoch hilfreich sein, wenn die SOA-Strategie, die SOA-Roadmap und die Methodik klar sind. Alles zu Business Process Management auf CIO.de

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