Projekte


Projekt-Management

Wie Mediatoren IT-Projekte retten

01.09.2009
Von Nicolas Zeitler

Streits bei SAP-Einführungen schlichten

Während ihrer Arbeit bei SAP wurde sie immer dann in Firmen geschickt, wenn es bei einem SAP-Projekt Schwierigkeiten gab. Damals trat sie nicht offiziell als Mediatorin auf, tat aber etwas ganz Ähnliches: Sie holte die richtigen Leute an einen Tisch, um ein Projekt "wieder gerade zu biegen", wie Nuber erzählt. Allerdings merkte sie zunehmend, dass ihr dieses Vorgehen "zu technisch" war: "Die Informatik-Dinge sind alle wichtig, aber ProjekteProjekte scheitern eben auch am Zwischenmenschlichen, und dafür fehlte das professionelle Vorgehen." Alles zu Projekte auf CIO.de

Bei ihrer Ausbildung zum Mediator an der Universität St. Gallen wurde Margarete Nuber klar, dass ein Vermittler für IT-Projekte sowohl etwas von Informatik verstehen sollte, als auch Grundsätzliches zur Konfliktlösung beherrschen muss. "Bei der Arbeit an einem Mediationsfall in der Informatik sind die Leute immer in Fachdiskussionen geflüchtet, wenn man sehr nah an die persönlichen Konflikte herankam", erinnert sie sich.

Nubers Schlussfolgerung: Eine reine Mediation in IT-Vorhaben ist kaum möglich. Dann bräuchte es zusätzlich einen Projekt-Coach für die technischen Belange. Aber: "Diese Trennung funktioniert nicht, weil die Beteiligten nicht ständig auf der Meta-Ebene denken und beides auseinanderhalten können", sagt sie.

Die IT-Welt der Kunden kennen

Auch Stephan Wawrzinek legt Wert darauf, dass ein Mediator Fachwissen mitbringt. Er verweist auf Scheidungen, die nicht selten mittels Mediation abgewickelt werden. "Wer so etwas als Mediator begleitet, muss ja auch wissen, was rechtlich überhaupt möglich ist", sagt Wawrzinek. Wer Konflikte im IT-Umfeld schlichten wolle, der sollte sich nach seiner Vorstellung unter anderem mit den Unterschieden zwischen der IT-Welt eines öffentlichen und eines privatwirtschaftlichen Unternehmens auskennen.

Ob ein Mediator immer von außen kommen muss oder auch Teil des betroffenen Unternehmens sein kann, darüber gehen die Meinungen auseinander. Stephan Wawrzinek hält es zumindest in größeren Unternehmen für möglich, eigene geschulte Mitarbeiter zur Mediation heranzuziehen. Voraussetzung: Der Schlichter müsse genug Abstand zum Streitfall haben. Margarete Nuber hält interne Mediatoren dagegen nur bedingt zur Schichtung geeignet. Ein Beobachter von außen bringe einen völlig neuen Blick auf ein Projekt mit. "Wenn ein Konflikt die Einführung eines Systems verzögert hat, habe ich schon manchmal die Frage gestellt, ob denn Betrieb und Wartung des Altsystems noch sichergestellt sind", sagt sie. Dieser weite Blickwinkel - über das betroffene Projekt hinaus - falle einem Betriebsfremden leichter.

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