Blick in den Rückspiegel

Wie viele Baustellen verträgt Ihre IT?

26. März 2006

Das Gesicht des CEOs drückt volle Zufriedenheit aus, als er abends auf dem Flur noch rasch dem CIO zuruft, dass ihm der Vorschlag, die IT zügig zu transformieren, sehr gut gefalle. Beeindruckend seien sie, die neuen Möglichkeiten mit SOA, voice/data convergence, on demand applications und wie sie alle heißen. Anerkennung schwingt in seinem Ton mit, als er dem CIO auf die Schulter klopft: „Sie haben ein ganz schönes Tempo vorgelegt, mein Lieber. Das gefällt mir. Ihre Vorstellungen über Kundennutzen und CRM-System anlässlich der letzten Vorstandssitzung sind bei den Kollegen auf großes Interesse gestoßen. IT als Enabler. Weiter so! Wir handeln uns doch damit keine Probleme ein, oder? Sie haben uns ja sehr eindrücklich in der Sourcing-Strategie dargelegt, dass wir das in Asien machen können. Haben Sie das Unternehmen in Indien bereits an der Hand, oder sind wir denn schon in China, wo es anscheinend noch billiger zu machen ist? Ach ja, noch eins: Wo stehen wir eigentlich mit der Erledigung von Programm 1? Sie nannten es Aufräumen der Altlasten. Der CFO möchte in der nächsten Sitzung über die finanziellen Aufwendungen sprechen. Aber Sie haben das ja sicher im Griff mit Ihrer Mannschaft. Viel Glück!“

Die Fensterreihen der drei Etagen der IT sind noch hell erleuchtet. Der Blick des CIOs schweift nach oben. Soll er nochmals hinaufgehen? Nein, lieber morgen, er müsste viele Fragen beantworten, und das dauert zu lange. Er geht und verdrängt, was ihm eine Projektgruppe einmal gesagt hat, als sie ihm einen Roller mit speziellem Rückspiegel geschenkt hat: Er solle immer darauf achten, dass die Belegschaft ihm noch folgen kann.

Rudolf Brühwiler, Ex-CIO Winterthur-Versicherungen, auf seinem Roller mit Rückspiegel.
Rudolf Brühwiler, Ex-CIO Winterthur-Versicherungen, auf seinem Roller mit Rückspiegel.

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