Steve Rattner

"Wir sind in der nächsten Tech-Blase"

10. November 2013
Twitter hat einen furiosen Börsenstart hingelegt. Die Bewertung der sieben Jahre jungen Internetfirma kletterte in die Liga von Großkonzernen. Ist das noch normal? Oder ist das schon eine Blase?
Investor Steve Rattner
Investor Steve Rattner
Foto: Steve Rattner

Für Steve Rattner ist die Sache klar: "Wir sind jetzt offiziell in der nächsten Tech-Blase", stellte der Investor und ehemalige US-Regierungsberater fest, nachdem die Twitter-Aktie zu ihrem Börsendebüt um 73 Prozent nach oben geschossen war. Er machte seine Anmerkungen - natürlich - auf TwitterTwitter. Alles zu Twitter auf CIO.de

Nicht erst seit dem Börsengang des Kurznachrichtendienstes am Donnerstag mehren sich die Stimmen, die vor einer neuen Dotcom-Blase wie in den Jahren 1998 bis 2000 warnen. Damals hatten Anleger Abermilliarden in teils blutjunge Unternehmen gesteckt - Hauptsache, sie hatten "was mit Internet" zu tun. Geldverdienen schien Nebensache, die Idee zählte. Die Blase platzte schließlich.

Ist die Börse mit Twitter wieder an diesem Punkt angelangt? Nach dem Schlusskurs vom ersten Handelstag lag der Gesamtwert von Twitter bei 24,5 Milliarden Dollar oder umgerechnet gut 18 Milliarden Euro. Das ist so viel wie Adidas auf die Waage bringt und beinahe drei Mal so viel wie die Lufthansa.

Nach den klassischen Bewertungsmodellen der Börse, die Umsatz und Gewinn als Maßstab für den Kurs heranziehen, ist Twitter damit viel zu teuer. Allerdings: Sportartikel-Hersteller und Fluggesellschaften gibt es viele. Twitter dagegen hat einen Dienst aufgebaut, den mehr als 230 Millionen Menschen aktiv nutzen. Und darauf bauen die Investoren. Wenn Twitter weiter kräftig wächst, wird der Dienst für Werbetreibende interessanter und fährt am Ende satte Gewinne ein.

Noch schreibt Twitter indes rote Zahlen - fast eine halbe Milliarde Dollar seit Gründung. Das wiederum erinnert an die Dotcom-Blase 1.0. "Der derzeitige Web-2.0-Wahnsinn ist zweifellos eine weitere Blase", erklärte Analyst Jesse Colombo in einem "Forbes"-Gastbeitrag. "Und sie wird so katastrophal enden wie es alle Blasen tun."

Colombo geht davon aus, dass der Zeitpunkt dann kommt, wenn die US-Notenbank den Markt nicht mehr mit billigem Geld flutet. Die extrem niedrigen Zinsen treiben derzeit weltweit die Kurse auf immer neue Rekordhöhen. "Die Tech-Blase 2.0 wird wahrscheinlich platzen, wenn die gesamte Aktienmarkt-Blase platzt."

Branchenkenner verweisen indes darauf, dass heute ganz andere Voraussetzungen existierten als beim ersten Dotcom-Boom. Die Firmen seien reifer, hätten Geschäftsmodelle. Zudem sei die Technik viel weiter und damit gebe es auch mehr Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

Tatsächlich: Wo früher Modems piepsten, gibt es heute Breitband-Leitungen. Statt simpler Handys gibt es SmartphonesSmartphones. Ohne diese Fortschritte beim schnellen und beim mobilen Internet wären ein Videostreaming-Dienst wie Netflix oder ein mächtiges Online-Netzwerk wie FacebookFacebook undenkbar. Beide verdienen übrigens gutes Geld. Alles zu Facebook auf CIO.de Alles zu Smartphones auf CIO.de

Schon vor zwei Jahren, als die Zahl der Internet-Börsengänge sich häufte, kamen erste Befürchtungen einer neuen Blasenbildung auf. Damals widersprach der einflussreiche Tech-Investor Ben Horowitz: "Man muss im Hinterkopf behalten, dass die Zeichen für eine Blase fast genauso aussehen wie für einen Boom." Erst wenn alle vom Boom überzeugt seien, dann gebe es wirklich eine Blase. (dpa/rs)

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