Mobile Payment in Deutschland

Zu viele Alleingänge

04. Oktober 2004
Von Andrea Goder
Vor wenigen Jahren als verheißungsvoller Milliardenmarkt angekündigt, entpuppt sich Mobile Payment heute als schwieriges Geschäft. Fehlende Standards und mangelnde Kooperationsbereitschaft der Akteure lassen Deutschland bei mobilen Bezahlservices im internationalen Vergleich hinterherhinken.

Auf 25 Milliarden Dollar prognostizierte die US-Unternehmensberatung Frost & Sullivan in einer Studie 2002 das Transaktionsvolumen, das in Europa im Jahr 2006 mit mobilen Bezahlsystemen erzielt werde. Arthur D. Little ist in seiner Anfang 2004 von herausgebrachte M-Payment-Studie vorsichtiger. Die Analysten der internationalen Managementberatung sehen das durch mobile Bezahldienste im Jahr 2006 erzielte Umsatzvolumen bei 18 Milliarden Dollar - weltweit.

Im deutschen Markt ist die Entwicklung im M-Payment bislang hinter den Prognosen zurückgeblieben. Das Marktforschungsinstitut Techconsult erwartet für dieses Jahr 450 Millionen Euro, für 2005 rund eine Milliarde Euro Umsatz. Die Zahl der mobilen Anwender soll von heute rund 900 000 auf dann 1,5 Millionen ansteigen. Das ist bei den derzeit etwa 68 Millionen Mobilfunkkunden in Deutschland eine eher bescheidene Bilanz.

Während sich in Ländern wie Korea, Singapur, Norwegen und Österreich das Bezahlen mit dem Handy immer mehr durchsetzt, verharrt der deutsche M-Payment-Markt seit über fünf Jahren in einem Entwicklungsstadium. International gesehen rangiert Deutschland unter den Ländern, die noch nicht über die Early-Stage-Phase hinauskommen sind (siehe Grafik).

"Im M-Payment-Markt ist nach dem Ende des Internet- und Mobilfunk-Hypes eine große Desillusionierung eingetreten", erklärt Arno Wilfert von Arthur D. Little. "In Ländern mit etablierten Zahlungssystemen wie etwa der Kreditkarte wird M-Payment eine Nischenapplikation bleiben, die den Telcos eine Differenzierung im Markt ermöglicht und die Kundenbindung erhöht", ist der Leiter des Geschäftsbereichs Telekommunikation, Information Technology, Media und Electronics überzeugt. Das Bezahlen mit dem Handy werde aber "kein Umsatztreiber" in Europa werden.

Den Unkenrufen zum Trotz tüfteln unabhängige Anbieter an innovativen Lösungen. Die Krefelder NCS Mobile Payment GmbH etwa entwickelte mit "Crandy" ein guthabenbasiertes Bezahlverfahren, bei dem der Kunde selbst für Geld auf seinem Crandy-Konto sorgen muss. Pro Transaktion verdient NCS 15 Cent. Da Zahlungen nur bis 150 Euro erlaubt sind, hat das Unternehmen eine Banklizenz beantragt. Bislang können Kunden in Deutschland an 300 "Crandy-Points" etwa in Restaurants und Kaufhäusern per Handy bezahlen.

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