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Gegen E-Mail-Wahnsinn

Daimler: 4 Prinzipien der Work-Life-Balance

11.12.2012, von

Auch Führungskräfte bei Daimler können ihre E-Mails künftig im Urlaub löschen lassen. Das hebt die Schwaben von Firmen wie Volkswagen, SAP oder E.ON ab.

Daimler-Mitarbeiter können E-Mails während ihrer Abwesenheit ab Anfang 2013 automatisch löschen lassen.Vergrößern
Daimler-Mitarbeiter können E-Mails während ihrer Abwesenheit ab Anfang 2013 automatisch löschen lassen.
Foto: Daimler AG

Umfragen von dpa und Regus ergaben in diesem Sommer, dass die Hälfte der Arbeitnehmer auch im Urlaub Berufliches erledigt. Doch wer nicht abschaltet, wird sich kaum erholen. Gerade erst hat Daimler angekündigt, der Urlaubsarbeit ab Anfang 2013 einen Riegel vorzuschieben. Mitarbeiter des Autobauers können E-Mails während ihrer Abwesenheit bald automatisch löschen lassen. Im November hat der Betriebsrat eine solche Regelung zusammen mit der Unternehmensleitung verabschiedet.

"Diese neue Spielregel zur E-Mail-Abwesenheit ist eine ganz wesentliche Maßnahme, damit unsere Belegschaft in Ruhephasen noch besser ‚abschalten‘ kann", wird Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth auf der Unternehmenshomepage zitiert. Werden Mails in der Abwesenheit gelöscht, soll eine Abwesenheitsnotiz auf den zuständigen Vertreter hinweisen.

Das Besondere an dieser Regelung: Sie gilt ausdrücklich auch für die Führungskräfte bei Daimler. Der Konzernvorstand hat gerade vier Leitlinien für Führungskräfte verabschiedet, die alle stark auf die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben zielen:

  • Abschalten können: Es besteht keine Erwartungshaltung, immer erreichbar zu sein.

  • Grenzen beachten: Priorisierung von Aufgaben und Planung von Kapazitäten.

  • Erholung bewusst einsetzen: Bewussten Ausgleich zur täglichen Arbeit schaffen.

  • Arbeit und Privates vereinbaren: Nutzung der Life Balance Angebote.

Gerade mit dem Angebot für Führungskräfte hebt Daimler sich von anderen Unternehmen ab, die bislang ähnliche Vorstöße gewagt haben. Bei Volkswagen beispielsweise können Angestellte seit Ende 2011 eine halbe Stunde nach Arbeitsende keine beruflichen E-Mails mehr auf ihren Blackberrys empfangen. Doch das gilt nur für die Arbeitnehmer mit Tarifvertrag und wird Manager damit kaum betreffen.

Daimler AG (Mehr Fakten über die IT in diesem Unternehmen)
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Sayit Özdemir - 14.12.2012 09:39
Ein Blick in das eigene Postfach spricht Bände und ein Begriff wie Emailflut bekommt einen unmittelbar erfassbaren Inhalt. Das versprochene Mehr an unmittelbarer Informiertheit verkehrt sich schnell ins Gegenteil. Unternehmen wie beispielsweise Atos und Daimler machen dies auch zum Unternehmensthema und suchen nach Wegen, diesem ungezügelten Emailwachstum Einhalt zu gewähren. Ein Lösungsansatz, den näher zu betrachten Sinn macht, geht von der immer von wieder Praktikern genannten Erfahrung aus, dass ca. 70% aller Emails in irgendeiner Form mit der Erledigung von Aufgaben zusammenhängen. Einige Mails gehören zusammen, bauen aufeinander auf, verweisen auf wieder andere, usw. Und alle enthalten Informationen, die für die konkrete Aufgabenlösung wichtig sind. Alle diese Mails mit kritischen Informationen sind theoretisch verfügbar (sie sind ja im Postfach), aber leider nicht so verbunden, dass sie auch als zu einer bestimmten Aufgabe sofort ins Auge fallen. Die innere Verknüpfung fehlt, was aber auch von einem Emailsystem nicht verlangt werden kann. Diese Beschreibung führt fast zwangsläufig zu einer Schlussfolgerung. Nehmen wir doch alle Emails, die mit einer Aufgabenlösung zusammenhängen aus dem Email Pool heraus und fügen alle Informationen, die Aufgaben betreffen in ein – wie immer auch geartetes Aufgabenmanagementsystem ein. Hier gehören sie hin, sind miteinander verbunden, damit auch letztlich nutzbar. Die Lösung ist strukturiert und ist auf Methoden zurückzuführen, die vielen QM Lösungen zugrunde liegen (Six Sigma , TQM) Dies führt zu zwei unternehmenswichtigen strukturellen Veränderungen. Nur noch ca. 30 % aller bisherigen Emails werden verschickt und müssen auch nur noch gelesen werden. Damit verbunden ist ein Plus an Zeit, aber was noch viel wichtiger ist ein Plus an Orientierung. Die zweite strukturelle Veränderung ist unserer Meinung nach noch viel erfolgswirksamer. 70 % aller Informationen zur Aufgabenlösung sind sofort aufgabenbezogen innerhalb des Aufgabenmanagementsystems verfügbar und schwirren nicht bindungslos in einem Email- postfach herum. Hier dienen sie der Orientierung und können zielführend bei der Lösung von Aufgaben genutzt werden. Die ist für uns die einzig Erfolg versprechende Lösung der Email Problematik und gleichzeitig eine Weichenstellung hin zu einem umfassenden Aufgabenmanagement. Geben wir doch einfach der Email ihre originäre Aufgabe wieder und überlassen ihr den normalen Briefverkehr. Und das Aufgabenmanagement kümmert sich kompetent und konsequent um die Kommunikation und Erledigung von Aufgaben. MfG aus Aachen
Jan Feuerschmidt - 11.12.2012 12:00
Besonders in den verantwortungsvollen Positionen wird der Druck ungebrochen erhöht. Da muss das Umdenken (man denke z.B. an CSR) Top-Down eingeführt werden. Ob die Vorstände in den momentanen wirtschaftl. Situation bereit sind ist überaus fragwürdig! Nichtsdestotrotz scheinen viele Unternehmen schon in diese Richtung zu denken, 5 best Practices: http://blog.regus.de/uncategorized/5unternehmen-die-ihren-mitarbeitern-eine-gesunde-work-life-balance-ermoglichen/ Genauere Infos zu den Studien der dpa und Regus wären dabei wünschenswert.
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