Artikel zum Thema "Talent" im IDG-Netzwerk
In den vergangenen 12 Monaten haben 86 Prozent der Arbeitgeber in Europa ihre Ausgaben für Weiterqualifizierung und Training ihrer Mitarbeiter gekürzt oder eingefroren. Dies geht aus einer Studie von Accenture hervor. Unternehmen geben demnach weniger aus und beschweren sich gleichzeitig darüber, dass sie ihre freien Stellen nicht mit qualifizierten Mitarbeitern besetzen können. 43 Prozent der 500 befragten Entscheider aus europäischen Unternehmen räumen einen moderaten Mangel an Qualifikationen im Unternehmen ein. 13 Prozent bezeichnen den Mangel indes als akut: Sie klagen zum Beispiel über fehlendes Verständnis für internationale Geschäfte, einen Mangel an analytischen Wissen, fehlendes Know-how bei handwerklicher Arbeit und über nicht vorhandene digitale Medienkompetenz. 72 Prozent der befragten Entscheider sind der Meinung, dass Unternehmen mehr Geld in die Qualifizierung und das Training ihrer Mitarbeiter investieren sollten. Doch die Realität sieht anders aus: Tatsächlich wollen in den kommenden 12 Monaten nur 18 Prozent ihre Ausgaben in diesem Bereich erhöhen. Mangelnde Kooperation Auf dem europäischen Markt bestünden drei große Herausforderungen: Vergeudetes Talent: 67 Prozent der befragten Entscheider sind der Meinung, dass Arbeitgeber die Fähigkeiten älterer Mitarbeiter unterschätzen. Auch bei den 25 Millionen Menschen, die in Europa als arbeitslos gelten und weiteren 15 Millionen, die arbeiten möchten, verschenken Arbeitgeber Potenzial. Häufig werden ganz unterschiedliche Personen wie Ältere, Arbeitslose, Mütter und Jugendliche als eine große homogene Einheit behandelt, wobei niemand auf die Eigenheiten dieser Gruppen Rücksicht nimmt. Kaum internationale Bemühungen: Die Fähigkeiten der Mitarbeiter im Land des Unternehmensstandortes schöpfen nach eigenen Angaben 47 Prozent der befragten Firmen aus. Das klingt zwar auf den ersten Blick nach viel, bedeutet aber auch, dass viele Unternehmen selbst im eigenen Land noch nicht wirkungsvoll daran arbeiten, die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter gezielt zu nutzen. Die Zahl schrumpft, wenn man über die Landesgrenzen hinaussieht. Für den gesamten europäischen Markt können nur noch 28 Prozent der Arbeitgeber von sich behaupten, dass sie das Potenzial ihrer Mitarbeiter ausschöpfen. Zu wenig Austausch: Fast zwei Drittel der Befragten sind sich darin einig, dass man die Herausforderung der Qualifizierung von Mitarbeitern nur dann europaweit meistern kann, wenn Unternehmen miteinander kooperieren. Doch umgesetzt wird diese Forderung bei deutlich weniger Firmen: 29 Prozent der Befragten kooperieren mit anderen Arbeitgebern aus ihrer Branche, 18 Prozent auch über die eigene Branche hinaus. Die Umfrageteilnehmer sind sich mehrheitlich darin einig, dass Handlungsbedarf besteht: 55 Prozent glauben, dass sie sich zukünftig in branchenübergreifenden Initiativen engagieren sollten, um etwas zu ändern. Partnerschaften entlang von Lieferketten Aus dieser Erkenntnis resultieren folgende Ratschläge: Unternehmen sollten in Daten und Analytik investieren , um die im Unternehmen vorhandenen Fähigkeiten zu verfolgen und analysieren zu können. Dann wissen sie auch, welche Auswirkungen es hat, wenn der Arbeitgeber Mitarbeiter durch Qualifizierungsmaßnahmen unterstützt. Arbeitgeber sollten gezielt die verschiedenen Gruppen auf dem Arbeitsmarkt ansprechen , zum Beispiel Ältere oder Mütter. Dazu gehört zum Beispiel das Anbieten von flexiblen Arbeitszeiten, um Müttern den Wiedereinstieg zu ermöglichen. Für die Kooperation mit internationalen Standorten sollten Firmen ihren Angestellten Job-Rotationen ermöglichen, um so einen internationalen Talent Pool aufzubauen. Als weiteres Mittel zur Talententwicklung sei zu Netzwerken mit anderen Arbeitgebern aus der gleichen Branche geraten. 48 Prozent der befragten Entscheider glauben, dass die Bemühungen um Talente so effektiver wären. Unternehmen sollte Partnerschaften aufbauen mit kleinen und großen Unternehmen entlang der Lieferkette, um Standards für bestimmte Fähigkeiten zu verbessern. 34 Prozent der Umfrageteilnehmer sind von der Wirksamkeit dieser Maßnahme überzeugt. Die Unternehmensberatung Accenture hat die Ergebnisse unter dem Titel Turning the Tide - how Europe can rebuild skills and generate growth veröffentlicht. An der Befragung nahmen 500 Entscheider aus europäischen Unternehmen und Regierungsorganisationen teil. Dieser Beitrag erschien zuvor auf CIO.de . Autor: Andrea König
Mit dem Geld und der Gerechtigkeit verhalte es sich ganz simpel, sagt Anshu Jain im Zwiegespräch. »Jeder Mensch hat Talente, Georg«, führt er aus: »Sie haben Talente, ich habe Talente. Für meine ist der Preis hoch, für ihre niedriger. Schlecht für Sie, gut für mich.« Noch Fragen? Der Mann meint das nicht böse. So ist die Welt nun mal. Der Professor im Hörsaal könnte es nicht prägnanter formulieren: Der Markt, also Angebot und Nachfrage, regeln den Preis, auch den für die menschliche Arbeitskraft. Wer mag da richten über Gerechtigkeit und Moral? Einen besseren Maßstab gibt es nicht. Es ist auch keine Schande, wenn der Markt die eigenen Fähigkeiten niedriger einstuft als die von Anshu Jain: Höher wird derzeit niemand bewertet, zumindest kein Angestellter in Deutschland. Ackermanns Gehalt als Untergrenze Schon ohne die exakten Zahlen zu kennen, lässt sich eines mit Sicherheit festhalten: Kein Topmanager einer deutschen Firma hat in den vergangenen Jahren mehr verdient als Anshu Jain. In den einschlägigen Tabellen der Spitzenverdiener lag meist Josef Ackermann vorne (ehe ihn VW-Chef Martin Winterkorn 2012 verdrängte), mit Spitzengagen jenseits der 10 Millionen Euro. »Es gibt in der Bank Leute, die weit besser bezahlt werden als ich«, pflegte Josef Ackermann zu sagen: Gemeint waren die Kameraden in London mit Anshu Jain an der Spitze, dem auch von Leuten innerhalb der Bank ein Vielfaches der Ackermann-Bezüge nachgesagt wurde. Als eine erste Annäherung, als Untergrenze, mag deshalb Ackermanns Gehaltszettel dienen, der einzusehen ist. Die großen börsennotierten Firmen müssen seit einigen Jahren die Gehälter ihrer Vorstände einzeln ausweisen, nicht aber die der Leute auf den unteren Hierarchiestufen, selbst wenn diese mehr verdienen: In diese Kategorie fiel Jain bis zum Jahr 2009, bis er in den Vorstand befördert wurde. Verdient hat er vorher mehr. Für Josef Ackermann ergeben die einschlägigen Berichte eine ziemlich runde Zahl: In den zehn Jahren als Bank-Chef bringt er es in der Summe auf knapp 100 Millionen Euro, ein stolzer Betrag, wenn auch bei Weitem nicht alles davon bar ausbezahlt wurde, sondern in Aktien. Und natürlich ist brutto nicht gleich netto. Anshu Jain liegt auf jeden Fall darüber, und zwar deutlich. »Zwischen 200 und 300 Millionen Euro hat Herr Jain in all den Jahren insgesamt sicher nach Hause getragen«, schätzt einer der führenden Vergütungsexperten im Land. »Genau weiß das außer ihm keiner.« Verbürgt ist, dass Investmentbanker in aller Welt andere Gehälter aufrufen als gewöhnliche CEOs in Großkonzernen. In guten Jahren sind locker 40 bis 60 Millionen Dollar drin. Die »inzestuöse Vergütungspraxis« in den Banken sei dafür verantwortlich, erklärt der Berater: Man schaut nicht links, nicht rechts in andere Branchen, vergleicht sich nur innerhalb der engen Gruppe der hoch- und höchstbezahlten Investmentbanker. "Jedes Sparbuch rentiert sich besser" Der Würzburger Bankenprofessor Ekkehard Wenger taxiert Anshu Jain deshalb deutlich höher: »Brutto hat er an die 500 Millionen Euro aus der Deutschen Bank rausgetragen: Leute wie Jain haben die Kuh gemolken, jetzt ist sie abgemagert bis aufs Skelett.« Nun hat der Hochschullehrer Wenger, berüchtigt als Vorstandsschreck, generell eine Vorliebe für drastisches Vokabular. Mit der Deutschen Bank aber hat er eine Rechnung offen: »Ich habe vor mehr als 20 Jahren Aktien für umgerechnet 36 Euro gekauft. Den Kurs haben sie nicht mal gehalten.« Jedes Sparbuch rentiere sich besser, zürnt er: »Für langfristige Anleger ist mit der Deutschen Bank nichts zu gewinnen.« Der Konzern mag Milliarden verdienen, bei den Eigentümern kommt nichts an: »Das ist wie in einer Fußballmannschaft: Alles Geld, das reinkommt, wird an die Stars rausgehauen. Für den Verein bleibt nichts.« Wenger ist kein Neidprediger, er gönnte jedem Milliardär sein Vermögen – Leuten wie den SAP-Gründern, die etwas Bleibendes schaffen, die persönliche Risiken eingehen und dafür belohnt werden: »Wofür aber werden die Deutschbanker belohnt?« Aus dieser Wut heraus hat er sich mit der Bank angelegt: Mithilfe der Justiz wollte Wenger vor Jahren erzwingen, dass sie verrät, wie viele ihrer Investmentbanker siebenstellige Jahresgehälter einstreichen, also Einkommensmillionäre sind – er ist vor Gericht unterlegen. Darüber regt er sich bis heute auf. "Ja, ich zahle Steuern in Deutschland" Zumindest hat er erreicht, dass der Konzern die Gehaltssumme des Steuerungskomitees, des »General Executive Committee« (GEC), für einzelne Jahre veröffentlichen musste. Im Jahr 2005 zum Beispiel haben die sechs Männer im »GEC« der Deutschen Bank zusammen 90 Millionen Euro kassiert. Das ist dreimal so viel wie der gesamte Vorstand in dem Jahr. Auf Anshu Jain, den Topstar in dem Gremium, dürften nach allgemeiner Ansicht 30 Millionen Euro entfallen. Zum Vergleich: Josef Ackermann geht 2005 mit knapp 12 Millionen Euro nach Hause. Erst seit dem Jahr 2009, seit Anshu Jain im Vorstand sitzt, wird sein Gehalt ausgewiesen, zuletzt knapp sechs Millionen Euro. Wie viel er davor kassiert hat, das bleibt im Dunkeln. Nur zum Vergleich: Die Bundeskanzlerin bringt es auf ein Jahresgehalt von 189 996 Euro, inklusive diverser Zulagen kommt sie auf 290 000 Euro im Jahr. Ein Professor erhält ein Grundgehalt von 67 344 Euro, eine Krankenschwester rund 28 500 Euro. Ob es für Jain nun insgesamt 200, 300 oder 500 Millionen Euro sind – selbst für Konzernchefs sind solche Beträge in Deutschland unerreichbar. Mithalten kann allenfalls ein Unternehmer, dem sein Laden gehört (selbst wenn der brummt, ist es fraglich, ob der Chef so viel vom Gewinn entnimmt), sicher aber kein angestellter Manager. Wendelin Wiedeking, der als Porsche-Chef zeitweise an solche Fabelgehälter heranreichte, ist mittlerweile ausgeschieden aus dem Wettbewerb. Jain leidet mit Kleinaktionären mit Eines soll nicht unterschlagen werden: Seit Anshu Jain nach Frankfurt gezogen ist, erfreut sich auch der deutsche Fiskus an der Monetarisierung von dessen Talenten - der Spitzensteuersatz kommt voll zur Geltung. Kaum angekommen am Main, hat der Inder bekannt: Ja, ich zahle Steuern in Deutschland. Somit ist für den Co-Chef der Deutschen Bank auch ein Platz an der Spitze der besten Steuerzahler der Republik reserviert. Dass Anshu Jain mit seinem Geld Ferraris kauft und sie irgendwo heimlich hortet, ist nicht anzunehmen. Ein erklecklicher Teil seines Vermögens steckt in der Deutschen Bank, insofern leidet er mit Kleinaktionären wie Professor Wenger mit. Der Vorstandsvorsitzende ist wahrscheinlich sogar der größte private Eigner an der Bank. Insgesamt 660 389 Aktionären gehört ein Stück an der Deutsche Bank, 99 Prozent davon sind Privatleute. Auf sie zusammen entfällt allerdings nur ein Viertel aller Aktien. Der Rest liegt, sauber verstreut, in den Kellern der so genannten institutionellen Anleger: Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften. Über die Meldeschwelle von drei Prozent lugen nur Blackrock (mit knapp über 5 Prozent der Anteile) sowie die Credit Suisse und die »Capital Research and Management Company«. Unter den privaten Eigentümern wiederum bilden die Investmentbanker die größte Gruppe, da sie teils mit Anteilen bezahlt werden. Mehrere Pakete davon hat Anshu Jain zwischendurch verkauft, nach dem zuletzt verfügbaren Geschäftsbericht hält er aktuell 552 697 Aktien, dazu 346 703 Anwartschaften – somit gehört ihm etwa ein Promille der Bank selbst. Zu einem richtigen Großaktionär fehlt da noch ein Stück. Immerhin entspricht das Aktienpaket einem Vermögen von 16,6 Millionen Euro, berechnet zu den mauen Kursen um die 30 Euro. Das bedeutet: Jeder Euro, um den Anshu Jain in seinem Posten als Vorstandsvorsitzender die Aktie bewegt, wirkt sich mit einer halben Million Euro plus oder minus direkt auf seinem privaten Konto aus. Auszug aus The Deutsche von Georg Meck - mit freundlicher Genehmigung des Campus Verlags . The Deutsche. Investmentbanker an die Macht: Wohin geht die Deutsche Bank? von Georg Meck Campus Verlag, Frankfurt, New York, 2012 206 Seiten, 17,99 Euro ISBN: 978-3-593-39799-3 Siehe hier für weitere Informationen. Georg Meck ist stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung . Meck wurde im Jahr 2002 für seine Portraits von Unternehmern mit dem Herbert-Quandt-Medienpreis ausgezeichnet. Autor: Georg Meck