"Kunden wollen mit jemandem in ihrer Sprache reden"

Absage an den globalen Carrier

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Die Welt sei ein globales Dorf, hatte der kanadische Medien-Guru Herbert Marshall McLuhan behauptet, und in Zeiten von Globalisierung und 29-Euro-Billig-Urlaubsflügen kann ihm keiner mehr widersprechen. Dennoch: Geht es um Netzwerkdienste, wird sich kein multinationaler Carrier durchsetzen. Das behauptet zumindest Tony Nester. Der Managing Director Süd-Europa und Asia-Pazific beim Dienstleister Vanco glaubt außerdem nicht, dass der klassische IT-Spezialist ausstirbt.
Tony Nester, Managing Director Southern Europe/Asia Pacific bei Vanco.
Tony Nester, Managing Director Southern Europe/Asia Pacific bei Vanco.

Mit britischer Kühle betrachtet Nester den Markt für Netzwerkdienstleistungen: Die Kunden würden zunehmend anspruchsvoller, die Verträge flexibler, die Preise immer niedriger. Konsequenz für Vanco: Jedes Jahr werden die Bedingungen mit dem Carrier neu ausgehandelt, auch wenn der Vertrag mit dem jeweiligen Kunden über drei oder vier Jahre abgeschlossen wurde.

Der Manager beobachtet, dass die Kunden "mit jemandem in ihrer Sprache" reden wollen, selbst wenn die technischen Möglichkeiten Geschäftsbeziehungen zwischen weit entfernten Orten möglich machen. "Ein wirklich weltweiter multinationaler Carrier kann wirtschaftlich nicht existieren", sagt Nester mit Blick auf die KonsolidierungKonsolidierung des Marktes, bei der Unternehmen wie BT Concert, Equant, Infonet oder Worldcom auf der Strecke geblieben sind. Alles zu Konsolidierung auf CIO.de

Menschenverstand statt Schlagzeile

Dass Marktforscher wie Gartner ein Ende des klassischen IT-Fachmanns ausrufen, beeindruckt Tony Nester nicht. Gartner hatte vor wenigen Wochen auf einem Symposium behauptet, der Bedarf an IT-Spezialisten würde sinken, weil Firmen vor allem Mitarbeiter mit Nase für's Geschäft suchen statt Technik-Freaks. "So etwas mag ja für eine Schlagzeile taugen, es stimmt aber nicht", erklärt der Vanco-Manager ungerührt.

John Locke, CTO bei Vanco.
John Locke, CTO bei Vanco.

Auf den Faktor Mensch setzt auch Tony Nesters Kollege John Locke. Der CTO von Vanco - der übrigens in direkter Linie vom gleichnamigen englischen Philosophen (1632 - 1704, "Versuch über den menschlichen Verstand") abstammen will - glaubt zum Beispiel nicht daran, dass Videokonferenzen zum großen Trend werden.