Personalabteilung spielt Roulette

Absage bei Bewerbung oft Zufall

01. März 2013
Andrea König lebt als freie Journalistin in Hamburg. Arbeiten von ihr wurden unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Focus veröffentlicht, seit 2008 schreibt sie auch für CIO.de. Die Schwerpunkte Ihrer Arbeit für die CIO-Redaktion sind Themen rund um Karriere, soziale Netzwerke, die Zukunft der Arbeit und Buchtipps für Manager.
Haben Personaler schon einige sehr gute Kandidaten gesehen, verteilen sie schlechtere Bewertungen für die nachfolgenden. Das gab eine wissenschaftliche Studie.

Eigentlich sollte man doch davon ausgehen, dass in Bewerbungsverfahren objektiv entschieden wird und alle Kandidaten mit den gleichen Chancen in eine Bewerbungsrunde starten. Von wegen, zeigt eine Auswertung der beiden US-Wissenschaftler Uri Simonsohn und Francesca Gino. Ihre Analyse von mehr als 9300 Einstellungsgesprächen für einen MBA-Studiengang an einer amerikanischen Business School zeigt, dass oft der Zufall entscheidet.

Wie ein Bewerber abschneidet, kann davon abhängen, wie viele gute Kandidaten der Personaler an diesem Tag bereits interviewt hat.
Wie ein Bewerber abschneidet, kann davon abhängen, wie viele gute Kandidaten der Personaler an diesem Tag bereits interviewt hat.
Foto: Picture-Factory - Fotolia.com

Ob man eine bessere oder schlechtere Bewertung erhält, kann schlichtweg damit zusammenhängen, wie sich die anderen Kandidaten am gleichen Tag geschlagen haben. Waren sie alle besonders gut, wird der Personaler nur ungern eine vierte oder fünfte gute Bewertung verteilen, so die Wissenschaftler.

Sie vergleichen es mit dem Spiel am Roulettetisch: Wenn mehrere Male hintereinander eine schwarze Zahl kommt, tippt man beim nächsten Mal auf rot. Bei der Bewerbungsauswahl bedeutet das: Wenn ein Personaler mehrere gute Kandidaten hintereinander gesehen hat, tippt er darauf, dass sich anschließend ein schlechterer Bewerber vorstellt. Mit dem feinen Unterschied, dass über die Farbe beim Roulette der Zufall entscheidet und über die Bewertung der Personaler.

Noten für Bewerber sanken im Tagesverlauf

Um iIhre These zu prüfen, analysierten Simonsohn und Gino Daten aus mehr als 9300 Bewerbungsgesprächen für ein MBA-Studium, die über einen Zeitraum von zehn Jahren entstanden sind. Die Personaler führten durchschnittlich 4,5 Gespräche am Tag und vergaben auf einer Skala von eins bis fünf im Schnitt eine 2,8. Die Auswertung bestätigte: Wenn ein Personaler im Laufe des Tages bereits hohe Bewertungen verteilt hatte, sanken die Noten der Bewerber, die sich im späteren Tagesverlauf vorstellten.

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