München bekommt ersten Apple Store

Apple wagt Einstieg in schwierigen deutschen Einzelhandel

10. Dezember 2008
Den neuen Apple Store in München wird die gesamte Branche aufmerksam verfolgen. Ob Apple seine Retail- Erfolgsgeschichte auch auf dem komplexen deutschen Markt fortschreiben kann, wird sich zeigen.

Der kalifornische Konzern betreibt bislang rund 230 AppleApple Retail Stores in den USA, in Großbritannien, Japan, Italien, in der Schweiz, in China, Kanada und Australien. Den Einstieg in den deutschen Einzelhandel hatte Apple immer wieder verschoben, denn der Apple- Führungsspitze war klar, dass der Erfolg auf dem schwierigen deutschen Einzelhandelspflaster nicht programmiert werden kann. Im deutschen Markt für Personal Computer beispielsweise werden noch immer erhebliche Anteile über Lebensmittelketten wie Aldi und Lidl abgesetzt. Und einer der größten Händler für Elektronikartikel warb jahrelang mit dem Slogan «Geiz ist geil». Dieses Motto steht im direkten Widerspruch zur Apple-Philosophie, wonach hochwertige Dinge auch ihren Preis haben. Alles zu Apple auf CIO.de

Im Gegensatz zu manchen internationalen «Flagship Stores» großer Verbraucher-Marken will Apple mit seinen Stores nicht nur die Marke pflegen, sondern vor allem Umsatz machen und Geld verdienen. Im Geschäftsjahr 2008 (30. September) setze Apple in seinen Retail- Segment 6,3 Milliarden Dollar (4,3 Mrd. Euro) um und erwirtschaftete dabei 1,3 Milliarden Dollar (920 Millionen Euro) Gewinn. Die Aussichten für das neue Geschäftsjahr sind allerdings nicht so rosig, denn die Hauptmärkte von Apple stecken in einer Rezession.

Trotz allgemeiner wirtschaftlicher Abschwungtendenzen in den USA und Europa kann Apple weiterhin deutliche Absatzerfolge seiner Produkte verzeichnen. Rechner mit dem Apfel-Symbol erzielen in manchen Segmenten wieder zweistellige Marktanteile, nachdem Ende der 90er Jahre manche Beobachter schon Apple vor dem «Aus» gesehen hatten. Außerdem sind die Musikplayer von Apple extrem erfolgreich. Und mit dem iPhoneiPhone gelang Apple ein geradezu sensationeller Einstieg in den Mobilfunktmarkt. Alles zu iPhone auf CIO.de

Unter den Vertriebspartnern von Apple, die mit dem US-Konzern durch schwierige Zeiten gegangen sind, herrscht nun teilweise Unruhe, wie es nach dem direkten Einstieg von Apple in den deutschen Einzelhandel weitergehen wird. Reinhard Weidinger mit seinem Münchner Apple-Fachgeschäft «In Time Computer» muss nun damit leben, dass keine zwei Kilometer Luftlinie von seinem Laden der Apple Store in einer 1A-Lage um Kunden wirbt. «Der Store wird uns schaden», sagte Weidinger der dpa. Er wirft Apple vor, schon in der Vergangenheit bei knappen Waren den eigenen Online-Store im Web bevorzugt zu haben. «Wir konnten wochenlang keine MacBooks liefern, während online im Apple Store die Geräte vorrätig waren.» Immerhin hofft Weidinger, dass über einen hohen Absatz des Münchner Apple-Ladens indirekt auch Geschäft bei ihm landen wird. Mit seiner autorisierten Apple- Werkstatt kann er Dienstleistungen anbieten, die es im Apple Store nicht gibt.