SuperMUC

Bayerischer Supercomputer wird noch schneller

29. Juni 2015
Heute Weltspitze, morgen fast schon altes Eisen: Die IT-Entwicklung geht rasant. Der Garchinger Supercomputer "SuperMUC", vor drei Jahren noch Europas schnellster Rechner, ist gerade wieder fit gemacht worden.
Die Frontansicht der Erweiterung des SuperMUC in Phase 2.
Die Frontansicht der Erweiterung des SuperMUC in Phase 2.
Foto: Andreas Heddergott

Das Superhirn steckt in grauen Schränken und braucht mehr als 600 Quadratmeter Platz. Gut sechs Billiarden Rechenschritte pro Sekunde schafft der Supercomputer "SuperMUC" in Garching nun. Der Rechner gehört zu den stärksten weltweit, doch auch er brauchte eine Auffrischung. Am heutigen Montag geht Phase 2 offiziell in Betrieb, die Rechenleistung verdoppelt sich auf 6,4 Petaflops.

Vorstellen kann man sich das kaum noch. "Wenn sechs Milliarden Menschen einen Taschenrechner hätten, der pro Sekunde eine Million Rechenschritte machen kann - dann wären sie alle zusammen so schnell wie der SuperMUC in der Phase 2", sagt Hans-Jürgen Rehm vom IT-Dienstleister IBMIBM, der für Konzeption und Speicher des Hochleistungscomputers zuständig ist. Die Erweiterung des "SuperMUC" hat 49 Millionen Euro gekostet. Alles zu IBM auf CIO.de

Der Computer löst Fragen von Forschern aus Deutschland und 24 anderen europäischen Ländern sowie Israel und der Türkei. Geowissenschaftler, Physiker, Astronomen, Mathematiker und Mediziner profitieren ebenso wie Ingenieure und Klimaforscher. "Der Rechner ist kontinuierlich ausgebucht", sagt der Vorsitzende des Leibniz-Rechenzentrums (LRZ), Arndt Bode. Das LRZ, gegründet 1962, entwirft heute hochkomplexe Modelle und wertet sekundenschnell gigantische Datenmengen aus.

"SuperMUC" berechnet Aktivitäten unter der Erdkruste und Auswirkungen von Erdbeben. Mit Hilfe von Superrechnern lässt sich darstellen, was nach dem Urknall geschah. Autohersteller können Luftwiderstand und Crashfestigkeit schon vor dem Prototypbau virtuell testen. In der Medizin kann die Funktion von Organen wie der Lunge genau nachempfunden werden. Gensequenzen oder Protein-Strukturen wiederum sind bedeutsam für Verständnis und Therapie von Krankheiten.

Gerade erforscht das Haunersche Kinderspital Asthma-Erkrankungen bei Kindern, die wie bei Erwachsenen immer häufiger auftreten. Jedes zehnte Kind ist betroffen. "Es ist sehr wichtig, medizinische Analysen machen zu können über Daten, die bei den Patienten gewonnen wurden", sagt Rechenzentrums-Chef Bode. Kürzlich half der Rechner, den Stammbaum von Insekten aufzuklären - wichtig für die Landwirtschaft und Schädlingsbekämpfung. Die Forscher speisten Daten von 1478 Genen ein - nur ein solcher Hochleistungscomputer konnte das verarbeiten. Nun läuft eine Analyse des Stammbaums der Vögel.

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