Epidemien analysieren

BI als Waffe gegen Schweinegrippe

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Bei Business Intelligence (BI) geht es ums Sammeln, Zusammenführen und Analysieren von Daten, um auf dieser Grundlage sinnvoll entscheiden zu können - und das möglichst in Echtzeit. All das ist auch notwendig, um eine Pandemie wie beispielsweise im Fall der Schweinegrippe zu verhindern.
Michael Croy: "Die Firmen müssen die Schweinegrippe ernst nehmen und Pläne für ihr Personal vorhalten".
Michael Croy: "Die Firmen müssen die Schweinegrippe ernst nehmen und Pläne für ihr Personal vorhalten".

Alle Welt schien in Panik, als kürzlich die ersten von der Schweinegrippe verursachten Todesfälle gemeldet wurden - zuerst in Mexiko, später auch ein Fall in Texas. Hochansteckende Krankheiten wie diese berühren gleich auf zwei Ebenen Fragen der IT im Allgemeinen und der BI im Speziellen, wie computerworld.com deutlich macht. Erstens zwingen sie Unternehmen zur Suche nach Lösungen im eigenen Haus. Auch wenn sich jetzt sagen lässt, dass die Schweinegrippe wohl nicht die pestgleiche Gefahr darstellt, wie anfangs befürchtet: Pandemie-Gefahr kann es jederzeit wieder geben. "Die Firmen müssen das ernst nehmen und Pläne für ihr Personal vorhalten", sagt Michael Croy, Direktor beim Beratungshaus Forsythe Solutions Group. Konkret geht es etwa darum, Heimatarbeit zu ermöglichen, wenn bei Mitarbeitern beispielsweise Influenza-Verdacht besteht.

Reporting-Templates garantieren Interoperabilität

Zweitens steckt auch auf der Ebene der Gesundheitsbehörden intelligente IT dahinter, wenn es wie bei der Schweinegrippe halbwegs gut gelingt, die Ausbreitung in Zaum zu halten. In den Vereinigten Staaten obliegt bereits seit einen Jahrhundert das koordinierte Vorgehen gegen Epidemien den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) auf einzelstaatlicher Ebene sowie dem U.S. Department of Health and Human Services (HHS). Bis vor zehn Jahren funktionierte das System noch weitgehend auf dem Papierweg und es konnte Tage oder sogar Wochen dauern, bis relevante Informationen bei einem CDC oder dem HHS angekommen waren. Auch heute seien nicht alle kommunalen Krankenhäuser oder niedergelassenen Ärzte technologisch gut genug ausgestattet, um die Vielzahl an Daten von Health-Providern, Krankenversicherungen oder Laboratorien schnell genug zu filtern, bemängeln Fachleute in den Vereingten Staaten.

So betrachtet ist die schnelle und wirksame Kontrolle gefährlicher Krankheiten durchaus eine BI-Frage. Vor vier Jahren startete das CDC ein landesweites Programm namens BioSense. Seither steht den Gesundheitsbehörden der Bundesstaaten eine Anwendung zur Verfügung, die den Austausch für die Epidemie-Kontrolle relevanter Daten nahezu in Echtzeit ermöglicht. Allerdings bestehen Probleme sowohl beim Umfang als auch der Tiefenschärfe der Daten. Informationen über einzelne Patienten sind nicht verfügbar im System, das lediglich von einigen Hundert der rund 7500 Krankenhäuser in den USA mit Informationen gespeist wird. Weiter geht da das 2004 auf Bundesebene aufgelegte National Electronic Disease Surveillance System (NEDSS). Hierbei erfolgt über sichere Internet-Verbindungen ein Austausch sensibler Daten wie Patienten-Namen, Test-Ergebnisse und Befunde. NEDSS basiert auf standardisierten Reporting-Templates, um die Interoperabilität zwischen den beteiligten Institutionen zu gewährleisten.