Die wöchentliche CIO-Kolumne

CIOs und Amtsstuben passen nicht zusammen

17. Februar 2003
Von Andreas Schmitz
Die Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young feiert, dass Deutschland im E-Government "nur noch" Drittletzter im europäischen Vergleich sei. Während die Online-Fähigkeit der Verwaltungen in Deutschland bei gerade einmal 48 Prozent und damit auf dem drittletzten Platz in Europa rangiert, ist sie in Schweden fast doppelt so hoch (87 Prozent). Auch die Erfahrung der Universitätsklinik Leipzig zeigt: Selbst gute Ansätze sind manchmal nicht gut genug. Der Grund dafür liegt oftmals in den unattraktiven Strukturen des öffentlichen Dienstes.

Insellösungen einzelner Abteilungen, fehlende Schnittstellen zu anderen Systemen, historisch gewachsene Strukturen. Damit müsse Schluss sein, forderte der kaufmännische Vorstand Elmar Keller der Universitätsklinik Leipzig im September vergangenen Jahres und setzte erstmals in der Geschichte einen CIO ein. Der vormalige IT-Chef des Berliner Fernsehsenders n-tv, Alexander Trautmann, schien genau der Richtige für diese Aufgabe zu sein. Der neue Mann sollte die IT standardisieren und das Management der Informationstechnologie neu strukturieren. Doch er blieb nur vier Monate und ging, so die offizielle Version, "wegen eines besseren Angebots". Das sei auch die inoffizielle, beteuern Trautmann selbst und Klinik-Sprecher Heiko Leske.

Trautmann ist nun Geschäftsführer des Maut- und Tankkartenspezialisten DKV Euro Service in Düsseldorf, eines, "gut laufenden Unternehmens". Dort betreut er seit Anfang Februar den IT-Bereich mit 70 Mitarbeitern; er ist außerdem für über 500 Mitarbeiter mitverantwortlich. "Warum", fragt Leske, "sollte er nicht zusagen?" Aber: Hatte er nicht eigentlich eine viel größere und interessantere Aufgabe in der Universitätsklinik?

Nun muss die Umstrukturierung der Uniklinik zunächst ohne CIO weitergeführt werden. Die kommissarische Leitung übernimmt Trautmanns Stellvertreter, die Verantwortung trägt Vorstand Keller. "An der neuen Positionierung des IT-Bereichs in der Unklinik ändert sich durch den Weggang von Trautmann nichts", beteuert Leske. Doch der Ex-CIO hinterlässt eine Lücke.

Denn auf der Baustelle IT in Behörden - und auch in Krankenhäusern - ist bekanntlich noch viel zu tun. Das hat Trautmann, so hat er stets beteuert, nie abgeschreckt. Eben so wenig die manchmal zähen Verhandlungen mit Klinikdirektoren, die weitgehend eigenständig die IT ihrer Häuser betreuten.

Trautmann war wieder weg, bevor noch die Uniklinik einen wichtigen Kernpunkt ihres Innovationsprogramms entfalten konnte: Anfang des Jahres verabschiedete sich die Universitätsklinik als erste in Deutschland von der Bezahlung ihrer Mitarbeiter auf der Basis des Bundesangestelltentarifs. Diese Veränderung sollte, so die Meinung des Vorstands, auch in der IndustrieIndustrie erfolgreichen und entsprechend gut bezahlten IT-Managern den Weg in öffentliche Strukturen ebnen. Auf dieser für den gesamten öffentlichen Bereich wegweisenden Basis wollte Trautmann IT-Personal einsetzen, das an Prozessen, nicht an Technik orientiert sein sollte. Dazu kam es nicht mehr. Noch scheint der öffentliche Sektor für CIOs ein rutschiges Pflaster zu sein. Top-Firmen der Branche Industrie

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