Cloud Computing


Was die Regierung fördert

Cloud auf Chinesisch

02. April 2012
Von Heidrun Haug
Letzten Herbst hat die chinesische Regierung die IT zu einer der sieben wichtigsten Wachstumsindustrien erklärt. Ein Interview mit Li Jun, Präsident von CCID Consulting, der größten IT-Beratungsfirma in China.
Das Gebäude der CCID Consulting.
Das Gebäude der CCID Consulting.
Foto: CCID Consulting

Zur "IT der neuen Generation" zählt die chinesische FührungFührung Cloud ComputingCloud Computing, das Internet der Dinge und Mobiles Internet genauso wie Halbleiter und neue Displaytechnologien. CIO-Autorin Heidrun Haug sprach mit Dr. Li Jun, Präsident von CCID Consulting, der größten IT-Beratungsfirma in China und Think Tank der Regierung. Alles zu Cloud Computing auf CIO.de Alles zu Führung auf CIO.de

Herr Dr. Li, in Europa und den USA ist Cloud Computing das Mega-Thema der IT. Was beschäftigt die chinesischen Anbieter und Anwender?

Dr. Li Jun Präsident von CCID Consulting (größte IT-Beratung Chinas): "Viele multinationale Unternehmen haben noch nicht begriffen, dass sie auch innerhalb Chinas unterschiedliche Strategien fahren müssen."
Dr. Li Jun Präsident von CCID Consulting (größte IT-Beratung Chinas): "Viele multinationale Unternehmen haben noch nicht begriffen, dass sie auch innerhalb Chinas unterschiedliche Strategien fahren müssen."
Foto: CCID Consulting

Dr. Li Jun: Auch in China steht die Cloud derzeit auf dem ersten Platz der IT-Agenda. Cloud Computing ist nicht nur der Kern und Motor der gesamten IT-Branche. Der Ansatz ist so mächtig, weil er die Abläufe in den Wirtschaftsbranchen neu ordnen und die geografische Verteilung der Industrien erheblich beeinflussen wird. Alle IT-Firmen richten ihre Produkte und Services schon darauf aus.

Gibt es lokale Besonderheiten in China?

Es sind derzeit vor allem große multinationale IT-Unternehmen wie IBM oder SAP, die über die Cloud sprechen. In der Regel meinen sie damit eine Private Cloud, also eine unternehmenseigene Cloud-Computing-Plattform. Bei diesem Modell sind Investor und Nutzer identisch. In China werden Innovationen stark durch die Regierung getrieben. So stehen hier die Public Clouds im Vordergrund, die einen Nutzen für die Gesamtbevölkerung haben sollen.

Wie sieht die Cloud-Strategie der chinesischen Regierung aus?

Die fünf Städte Peking, Shanghai, Hangzhou, Shenzhen und Wuxi wurden zu Pilotstädten erklärt, in denen erste Versuchsprojekte laufen. Jede Pilotstadt hat ihr eigenes Projekt entwickelt, angepasst an ihre lokalen Bedürfnisse. So baut zum Beispiel Peking eine Plattform für traditionelle Industriezweige auf, für Industriedesign, Konstruktion und Simulationen - hierfür wird derzeit viel Rechnerleistung installiert. In Shanghai gibt es mit dem sogenannten Zhabei-Projekt eine Cloud für die medizinische Versorgung der Bevölkerung.

Alle Gesundheitsdaten der Einwohner des Bezirks Zhabei sind in einer Cloud gespeichert. Das vereinfacht nicht nur die Arbeit medizinischer Einrichtungen, sondern zum Beispiel auch die Rückerstattung von Behandlungskosten durch die Versicherung. Es ist ein sehr vielversprechendes Projekt. Neben den Pilotstädten planen etwa 15 bis 20 weitere Regionen den Aufbau einer Cloud-Computing-Branche und bauen dafür die Infrastruktur auf, kaufen ServerServer und StorageStorage - manche investieren unserer Meinung nach sogar zu viel, der Markt könnte sich auch überhitzen. Alles zu Server auf CIO.de Alles zu Storage auf CIO.de