Der IT-Innovations-Motor stottert

Deutsche CIOs sparen ihre IT zu Tode

19. September 2006
Dr. Andreas Schaffry ist freiberuflicher IT-Fachjournalist und von 2006 bis 2015 für die CIO.de-Redaktion tätig. Die inhaltlichen Schwerpunkte seiner Berichterstattung liegen in den Bereichen ERP, Business Intelligence, CRM und SCM mit Schwerpunkt auf SAP und in der Darstellung aktueller IT-Trends wie SaaS, Cloud Computing oder Enterprise Mobility. Er schreibt insbesondere über die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen IT und Business und die damit verbundenen Transformationsprozesse in Unternehmen.
IT-Verantwortliche in Deutschland wollen primär die Kosten für die IT-Infrastruktur senken. Der aktuelle Status Quo der IT-Infrastruktur wird allenfalls in kleinen Schritten verbessert und erneuert. Auch wird die IT kaum als strategischer Faktor betrachtet, um innovative Geschäftsprozesse und Wachstumsstrategien zu realisieren. Im europäischen Vergleich stehen deutsche IT-Manager damit weitgehend allein auf weiter Flur. Das ist das vernichtende Fazit einer gemeinsamen Studie der Management-Beratung Accenture und der Analystenfirma IDC.
Die IT wird in deutschen Unternehmen primär als Kostenfaktor gesehen.
Die IT wird in deutschen Unternehmen primär als Kostenfaktor gesehen.

Die Zahlen sprechen für sich. 60 Prozent der deutschen IT-Manager bezeichnen Kosteneinsparungen als größte Herausforderung. Für 51 Prozent stehen KonsolidierungKonsolidierung und StandardisierungStandardisierung der Infrastruktur ganz oben auf der Agenda. Knapp 40 Prozent wollen die vorhandene IT-Umgebung besser nutzen beziehungsweise modernisieren. Nicht einmal ein Viertel der Befragten gab dagegen an, dass eine moderne IT-Infrastruktur Innovationen fördert und nur rund sieben Prozent glauben, dadurch geschäftliches Wachstum zu schaffen. Alles zu Konsolidierung auf CIO.de Alles zu Standardisierung auf CIO.de

Teufelskreis durchbrechen

Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern hinkt Deutschland hier deutlich hinterher, denn diese sehen IT weit mehr in der Rolle als Treiber für Innovationen und geschäftliches Wachstum. Insgesamt planen weltweit 40 Prozent der Unternehmen, ihre Budgets für die IT-Infrastruktur anzuheben. In Frankreich haben sogar 70 Prozent der Befragten entsprechende Pläne.

Der Untersuchung zufolge besteht in Deutschland ein gefährlicher Teufelskreis zwischen den allgegenwärtigen Einsparzielen und der gleichzeitigen Notwendigkeit, den Wert der IT für das Business zu erhöhen. Mehr als die Hälfte der Befragten will die Performance der IT verbessern. Noch größer ist aber die Menge derjenigen, bei denen die Kostensenkung im Mittelpunkt steht: Insgesamt sagten 23 Prozent der Befragten, dass ihr Budget für Infrastruktur (RechenzentrumRechenzentrum, NetzwerkeNetzwerke, Hardware, Sicherheit, einschlägige Services) sinken wird. Die Hälfte friert IT-Ausgaben auf dem gegenwärtigen Stand ein und nur 27 Prozent rechnen mit mehr Geld. Alles zu Netzwerke auf CIO.de Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

Sparwut wird zum Risiko

Dass die "Sparwut" in deutschen IT-Abteilungen jedoch allmählich zum Risiko werden kann, zeigt sich am Beispiel von Virtualisierungstechniken. Während Unternehmen weltweit diese bereits in großem Stil einsetzen, um auf diese Weise ihre Rationalisierungsziele zu erreichen, schrecken die Deutschen davor zurück. Entsprechende Initiativen im Server-, Speicher- oder Netzwerkumfeld sind nämlich weitaus seltener geplant als in anderen Ländern.