"Sind Sie Jungfrau?"

Die fiesesten Fragen im Bewerbungsgespräch

19. Juni 2013
Von Meridith Levinson und
Thomas Pelkmann ist freier Journalist in Köln.
In Bewerbungsgesprächen geht es nicht nur darum, Informationen über die Job-Kandidaten zu bekommen. Oft genug ist eine Vorstellungsrunde auch ein echter Stresstest. Wir zeigen Ihnen, wie Sie auf typische Killerfragen im Gespräch souverän reagieren.

"Hi!", grüßt ein Thomas im Forum Fachinformatiker. "Würde mich mal interessieren, was ihr Euren Azubi-Bewerbern so für Fragen stellt...". Die Antwort in Auszügen: "Wie viel Sekunden haben fünf Minuten?" "Warum möchten Sie gerade diesen Beruf erlernen?" "Würden Sie eventuell auch eine andere Lehrstelle antreten? Wenn ja, welche?".

Sollten es solche und ähnliche Fragen sein, die Ihnen bei einem Bewerbungsgespräch den Schweiß auf die Stirn treiben, haben sie ihren Zweck erfüllt: Personalchefs stellen "Killerfragen", um Job-Kandidaten aus der Reserve zu locken, sie zu verunsichern, oder sie dazu zu bringen, vom gut trainierten Gesprächsleitfaden gängiger Bewerberratgeber abzuweichen.

"Sind Sie Jungfrau?" soll der Manager eines Unternehmens eine hübsche Bewerberin gefragt haben. Diese traute zunächst ihren Ohren nicht, besann sich dann aber in Sekundenschnelle und antwortete: "Nein, mein Sternzeichen ist Löwe".

Bewerber sollten ganz ohne standardisierte Vorbereitung ein Vorstellungsgespräch selbstbewusst und gelassen antreten, empfiehlt die Hamburger Personalberaterin Elisabeth Strack in der SZ: "Wer es für einen Kampf hält, kann nicht gewinnen".

Speziell für Job-Suchende aus der IT-Branche hat cio.com Job-Vermittler mit Erfahrung im IT-Bereich über typische Killerfragen interviewt. Wir stellen Ihnen die wichtigsten vor.

"Warum sind Sie schon so lange arbeitslos?"

Sollten Sie schon länger arbeitslos sein, ist es besser, das erklären zu können. Viele Kandidaten, berichtet ein Personalvermittler, kämen bei dieser Frage ins Stottern. Und sie wird häufiger gestellt, je schlimmer sich die Folgen des wirtschaftlichen Abschwungs auf den Arbeitsmarkt auswirken.

"Wie viele Leute waren in Ihrer Abteilung und wie viele wurden entlassen?"

Dass jemand entlassen wird, kommt vor - natürlich. Nur blöd, wenn ausgerechnet Sie der einzige waren. Dann könnte es sein, dass Ihr Chef die aktuelle Rezession oder Budgetkürzungen dazu genutzt hat, sich leicht von einem ungeliebten Mitarbeiter zu verabschieden (autsch!). Aber bevor die Personalen zu voreiligen Schlüssen bei der Antwort auf diese Frage kommen, stellen sie lieber eine dritte:

Keine Chance bei fehlender Loyalität

"Warum glauben Sie, dass es ausgerechnet Sie getroffen hat?"

Wer an dieser Stelle wütende Statements über seinen früheren Arbeitgeber ablässt, hat schon verloren, weil er damit mangelnde Selbstkontrolle und fehlende Loyalität offenbart.

Antworten Sie besser, dass Sie es auch nicht wüssten. Das, so sagen Personalberater, sei wenigstens eine akzeptable Antwort. Eine weitere Möglichkeit, der aufgestellten Falle zu entgehen: Sagen Sie, dass Sie sich eine Antwort dazu überlegen und auf die Frage zurückkommen, sobald sie eine haben. Mit ein bisschen Glück vergisst der Personalchef diese Frage dann später.

"Haben Sie selbst schon einmal jemanden entlassen?"

Ein Berater erzählt, dass ihn ein CEO schon einmal mit dieser Frage überrascht habe. "Ich schnitze mir keine Kerbe in den Colt", habe er geantwortet. "Aber ich musste es tun, also tat ich es." Sein Chef-in-spé erläuterte später: "Ich habe jemanden gesucht, der das schon einmal gemacht hat. Viele Kandidaten hatten es nicht."

Dabei ist eine positive Antwort auf diese Frage ein deutliches Zeichen dafür, dass Sie auch in schwierigen Zeiten fähig sind, komplizierte Dinge zu regeln.