Strategien


Der CIO sitzt in Shanghai

Die virtuelle IT-Organisation von Hella

17. September 2015
Christoph Lixenfeld, seit 25 Jahren Journalist und Autor, vorher hat er Publizistik, Romanistik, Politikwissenschaft und Geschichte studiert.

1994 gründete er mit drei Kollegen das Journalistenbüro druckreif in Hamburg, schrieb seitdem für die Süddeutsche Zeitung, den Spiegel, Focus, den Tagesspiegel, das Handelsblatt, die Wirtschaftswoche und viele andere.

Außerdem macht er Hörfunk, vor allem für DeutschlandRadio, und produziert TV-Beiträge, zum Beispiel für die ARD-Magazine Panorama und PlusMinus.

Inhaltlich geht es in seiner Arbeit häufig um die Themen Wirtschaft und IT, aber nicht nur. So beschäftigt er sich seit mehr als 15 Jahren auch mit unseren Sozialsystemen. 2008 erschien im Econ-Verlag sein Buch "Niemand muss ins Heim".

Seit 2014 betreibt er die Informationsplattform www.wohinmitmutter.de.

Christoph Lixenfeld schreibt aber nicht nur, sondern er setzt auch journalistische Produkte ganzheitlich um. Im Rahmen einer Kooperation zwischen Süddeutscher Zeitung und Computerwoche produzierte er so komplette Zeitungsbeilagen zu den Themen Internet und Web Economy inklusive Konzept, Themenplan, Autorenbriefing und Redaktion.
CIO Gerd Niehage vom Autozulieferer aus Lippstadt lebt und arbeitet seit 2008 in China. Von Shanghai aus hat er Hella eine virtuelle IT-Organisation verpasst.

Auf den ersten Blick ist es ja naheliegend, dass der CIO eines großen Automobilzulieferers in Shanghai sitzt. Schließlich setzen alle Fahrzeughersteller auf China als den Markt der Zukunft; wenn aktuell irgendwo die Musik spielte für die Branche, dann hier.

Trotzdem sagt CIO Gerd NiehageGerd Niehage vom AutozuliefererAutozulieferer HellaHella aus Lippstadt, der vor allem Lichttechnik und Elektronik herstellt, auf die Frage, wie wichtig der Standort für ihn ist, fast nebenbei, das sei gar nicht entscheidend. "Ich lebe nun mal in China, und deshalb mache ich den Job von hier. Ich könnte ihn aber auch von Deutschland aus machen." Top-500-Firmenprofil für Hella Profil von Gerd Niehage im CIO-Netzwerk Top-Firmen der Branche Automobil

Hellas CIO Gerd Niehage lebt und arbeitet seit 2008 in Shanghai.
Hellas CIO Gerd Niehage lebt und arbeitet seit 2008 in Shanghai.
Foto: Hella

Ganz so einfach ist es bei genauer Betrachtung aber doch nicht. Denn China und Shanghai spielen insofern eine Rolle, als Gerd Niehage seit 2008 hier arbeitet, dabei viel erlebt und eine klare Vorstellung davon hat, was Unternehmen in Deutschland für die Zukunft noch von Asien lernen können.

Jede Gesellschaft hatte ihre eigene IT

Als er in Shanghai anfing, vor sieben Jahren, "sah die Welt hier noch erheblich anders aus", sagt der Hella CIO. Der Raum Asien/Pazifik war für Hella in erster Linie ein Produktionsstandort. Die lokalen Hella-Gesellschaften hatten überwiegend ihre eigene IT mit eigenem E-Mail- und ERP-System.

Niehages Aufgabe bestand darin, den Shared Service-Center Ansatz, der bei Hella seit mehr als 10 Jahren verfolgt wird, auch in die Region Asien/Pazifik umzusetzen. Gerade im Zuge der globalen Finanzkrise 2008 bestand aus Kostengründen die Notwendigkeit, die IT Kompetenzen der gesamten Region zu bündeln. Daraus entstand schrittweise eine funktional virtuelle IT-Organisation für die Region.

Heute unterhält Hella ein globales Netzwerk von Servicegesellschaften mit funktionaler Aufstellung - Corporate Center genannt - z.B. in Deutschland, Osteuropa, China, Indien, Vietnam, USA und Mexiko.

Sechs Stunden bis zur Antwort

Für jedes Fachgebiet der IT gibt es einen global Verantwortlichen, darunter dienen regionale Information Officer als Ansprechpartner vor Ort. Für Gerd Niehage sind diese Mitarbeiter sozusagen seine Stellvertreter in der Welt.

Durch die VirtualisierungVirtualisierung ist er nicht mehr von der Konzernzentrale abhängig, sondern kann Leute dort einstellen, wo er sie braucht, in welcher Zeitzone und zu welchen Kosten auch immer. Deshalb steht ihm auch zu jeder Frage immer sofort ein Ansprechpartner zur Verfügung. Alles zu Virtualisierung auf CIO.de

"2008 musste ich Kollegen in Asien, die ein Problem hatten, oft vertrösten nach dem Motto: Ich melde mich in sechs Stunden dazu, dann ist der Zuständige in Deutschland wach", erzählt Gerd Niehage. "Aber solche Wartezeiten werden heute von den Usern außerhalb Europas nicht mehr akzeptiert."

Auch Schlüsselfunktionen sind bei Hella nicht mehr unbedingt in Lippstadt angesiedelt, der CTO sitzt in Tschechien, und Jörg Buchheim, der für das Chinageschäft zuständige Geschäftsführer der Hella KGaA Huck & Co., wie das Unternehmen vollständig heißt, arbeitet ebenso wie Gerd Niehage in Shanghai.

Mitarbeiter arbeiten vor den automatischen Bestückungslinien bei Hella Shanghai Electronics. Jährlich verlassen über 35 Millionen bestückte Leiterplatten die Produktionshallen des Werkes. Insgesamt arbeiten 1143 Beschäftigte in diesem Werk, wo Bauteile der Licht- und Karosserieelektronik sowie Sensoren und Komponenten hergestellt werden.
Mitarbeiter arbeiten vor den automatischen Bestückungslinien bei Hella Shanghai Electronics. Jährlich verlassen über 35 Millionen bestückte Leiterplatten die Produktionshallen des Werkes. Insgesamt arbeiten 1143 Beschäftigte in diesem Werk, wo Bauteile der Licht- und Karosserieelektronik sowie Sensoren und Komponenten hergestellt werden.
Foto: Hella

Chinesen sprechen anderes Englisch als Mexikaner

Virtualisierung, Globalisierung und rund um den Globus verteiltes Know-how - all das will auch sprachlich bewältigt werden. Englisch ist dabei die Lingua Franca, aber dass alle Kandidaten wirklich perfekt darin sind, kann man nach Ansicht von Gerd Niehage nicht erwarten. "Und selbst wer es richtig gut kann, muss sich erstmal an die vielen unterschiedlichen Akzente gewöhnen. Chinesen zum Beispiel sprechen völlig anderes Englisch als Inder, Osteuropäer oder Mexikaner."