Hochschulabsolventen

Lieber Trainee statt richtig Arbeiten

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Mehr als die Hälfte der Hochschulabgänger sucht erst einmal einen Trainee- oder Praktikumsplatz. Sie scheuen Stress und Erwartungsdruck, so eine Kienbaum-Studie.

Mit dem Motto "Keine Traute, lieber Trainee" umreißt die Gummersbacher Managementberatung Kienbaum ihre Absolventenstudie 2014/2015. Knapp 600 junge Frauen und Männer haben sich an der Studie beteiligt, die meisten wollen demnächst ihren Master machen (54 Prozent) oder den Bachelor (31 Prozent).

Die fehlende Traute bezieht Kienbaum darauf, dass noch nicht einmal jeder Zweite (47 Prozent) nach dem Studium direkt ins Arbeitsleben einsteigen will. 46 Prozent möchten erst einmal ein Trainee-Programm durchlaufen, sieben Prozent wollen sich einen Praktikumsplatz suchen.

Die Gründe dafür haben die Berater abgefragt, geben sie jedoch ohne Nennung von Prozentzahlen wider. Demnach scheuen die Absolventen den StressStress eines Direkteinstiegs. Sie gehen davon aus, dass der Erwartungsdruck einem Trainee gegenüber niedriger ist. Sie wollen erst einmal Erfahrung sammeln und suchen einen persönlichen Betreuer oder Mentor. Alles zu Personalführung auf CIO.de

Kienbaum hat die Trainees in spe nach den wichtigsten Kriterien für die Wahl eines Trainee-Programms gefragt. Am relevantesten finden sie die persönliche Betreuung, dieser Punkt liegt mit 46 Prozent der Nennungen vorn. Es folgen die inhaltliche Vielfalt des Programms, die Personalentwicklungsmaßnahmen und die Möglichkeit eines Auslandsaufenthaltes (38/36/35 Prozent). Dahinter rangiert die Vermittlung von Fachwissen mit 29 Prozent auf dem fünften Platz.

Gestaltungsspielraum und Verantwortung nicht wichtig

Auch bei dieser Frage lässt sich die fehlende Traute ablesen: Eigener Gestaltungsspielraum ist lediglich für dreizehn Prozent der Befragten ein Kriterium der Traineewahl. Ein eigenes Projekt zu leiten, nur für drei Prozent. Verantwortung scheint die jungen Leute nicht zu locken.

Neun von zehn Befragten attestieren dem Trainee-Programm allgemein, in die heutige Zeit zu passen. Die Studienautoren begründen das damit, dass Absolventen jünger werden und sich ausprobieren müssen. Solche Maßnahmen bereiteten Einsteiger auf die kommenden Aufgaben vor und gäben Unternehmen die Chance, den Nachwuchs gezielt zu fördern.

Doch es gibt auch Änderungsvorschläge: So wünschen sich einige Absolventen einen "DirekteinstiegDirekteinstieg mit intensiver Einarbeitungsphase", sozusagen ein verkürztes Traineeprogramm. Andere würden direkt einsteigen, hätten dabei aber ein Jahr lang gern einen Mentor an ihrer Seite. Alles zu Karriere auf CIO.de

"Absolventen geben sich anscheinend damit zufrieden, als Trainee weniger Verantwortung zu tragen, unverbindlich in viele Unternehmensbereiche hineinschnuppern zu können", sagt Personalberaterin Constanze Wachsmann von Kienbaum.
"Absolventen geben sich anscheinend damit zufrieden, als Trainee weniger Verantwortung zu tragen, unverbindlich in viele Unternehmensbereiche hineinschnuppern zu können", sagt Personalberaterin Constanze Wachsmann von Kienbaum.
Foto: Kienbaum

Zwischen Realismus und Komforthaltung

Constanze Wachsmann, Personalberaterin und Leiterin des Dresdner Büros von Kienbaum, sieht die aktuelle Absolventengeneration irgendwo "zwischen Realismus und Komforthaltung". Realistisch, weil Traineeprogramme heute einfach öfter angeboten werden als Direkteinstiege. Die Komforthaltung bezieht Wachsmann darauf, dass "die Absolventen sich anscheinend gerne damit zufrieden geben, als Trainee weniger Verantwortung zu tragen, unverbindlich in viele Unternehmensbereiche hineinschnuppern zu können und von einer guten Betreuung zu profitieren".

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