Digitalwährung

Online-Währung Bitcoin - eine trügerische Anlage-Alternative?

29. November 2013
Der Bitcoin knackt alle Rekorde. In dieser Woche kletterte der Kurs erstmals über die Marke von 1.000 US-Dollar. Der rasante Anstieg zeigt deutlich, welch kuriose Blüten der Anlagenotstand in Zeiten rekordniedriger Zinsen rund um den Globus treibt.

An der Zukunftsfähigkeit des Bitcoins scheiden sich weiter die Geister. Was ist der Idee vom freien Geld, das unabhängig von Regierungen, Zentralbanken und Kreditinstituten funktioniert, noch zuzutrauen?

Die Warnungen vor einer Spekulationsblase reißen nicht ab. "Sie könnten genauso gut auf jeden Pennystock setzen, denn auch Bitcoins haben keine Chance jemals zu einer umfangreich verwendeten Währung zu werden", schreibt die Commerzbank ihren Kunden.

Solche Unkenrufe begleiten die Bitcoin-Rally allerdings von Anfang an - bislang konnte sie trotzdem nicht gestoppt werden. Nach jedem Absturz dauerte es nicht lange, bis sich der Kurs wieder berappelte und zu neuen Höhenflügen ansetzte.

Dennoch gibt es keinen Zweifel: Nach wie vor sind es vor allem Zocker, die den Bitcoin nach oben treiben. Für die Funktion als Zahlungsmittel ist die unberechenbare Kursentwicklung nicht förderlich. Die mit Bitcoins abgewickelten Geschäfte haben sich seit Jahresbeginn trotzdem mehr als verdoppelt. Die Zahl der Händler, die Bitcoins bei Transaktionen akzeptieren, nimmt weiter zu.

Tatsächlich kann man im Internet mittlerweile alles Mögliche vom Notebook bis zum Ferienhaus auf Mallorca mit Bitcoins bezahlen. Selbst das Internet-Verkaufsportal Ebay denkt laut über den Bitcoin als Zahlungsmittel nach. "Digitalwährungen werden sich zu einer sehr mächtigen Sache entwickeln", sagte Ebay-Chef John Donahoe Anfang November der "Financial Times".

Doch rechtfertigt all das den exorbitanten Preisanstieg von 13 auf mehr als 1000 Dollar im Jahresverlauf? Die wesentlichen Gründe für die atemberaubende Entwicklung liegen, da sind sich Experten sicher, in der verzweifelten Suche nach renditeträchtigen Anlagen und Misstrauen gegenüber dem vom Billiggeld abhängigen Finanzsystem insgesamt.

In Krisenländern wie Argentinien, Zypern, Griechenland oder Spanien werde nach Alternativen für etablierte Währungen gesucht, stellt Analyst Ali Farid Khwaja von der Berenberg Bank fest. "Das legt nahe, dass Bitcoins sich ähnlich wie Gold zu einem Wertspeicher bei Krisen, Hyperinflation oder exzessivem Gelddrucken entwickeln könnten."

"In unserem herkömmlichen System ist es notwendig, BankenBanken zu vertrauen, die unser Geld vorhalten und es ohne große Reserven in Wellen von Kreditblasen verleihen", schrieb der mysteriöse Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto 2009 nach dem Start des Projekts. Die Geschichte dieses Geld-Systems sei jedoch voller Vertrauensbrüche. Top-Firmen der Branche Banken

Dieser Eindruck dürfte sich seitdem weiter verstetigt haben - Zentralbanken halten die Zinsen so niedrig wie nie und denken sogar laut über Strafgebühren auf Bankeinlagen nach. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat kürzlich in einer Studie Gedankenspiele für eine Zwangsabgabe auf große Vermögen aufgegriffen. Viele Sparer fürchten um ihr Geld.

Ob das Ersparte aber ausgerechnet in Bitcoins sicher angelegt sind, muss trotzdem stark bezweifelt werden - die Preise schwanken extrem. Ob man im Zweifelsfall wirklich einen Käufer findet, der die hohen Kurse bezahlt, ist fraglich. Sobald ein paar große Akteure verkaufen, könnte der Markt nervös werden. "Wer das Platzen einer Blase beobachten will, sollte den Bitcoin gut im Auge behalten", warnt Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. (dpa/rs)

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