Suchmaschinen für Desktops

Rettung bei Datenflut

10. Januar 2005
Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.
Programme wie Google Desktop ermöglichen eine schnelle lokale Suche und ein effizientes Dokumentenmanagement. Analysten rechnen damit, dass die neuen Suchmaschinen strategische Lösungen wie Content Management und Business Intelligence ersetzen.
Charlene Li, Analystin bei Forrester
Charlene Li, Analystin bei Forrester

Zu den Hypes des Jahres 2004 zählt zweifellos das Thema Desktop-Suche. Aufgescheucht von einer Ankündigung des Suchmaschinen-Marktführers GoogleGoogle beeilten sich namhafte Firmen wie Microsoft und Yahoo, ebenfalls Tools für die Recherche am eigenen Arbeitsplatz in Aussicht zu stellen. Dabei ist das Problem nicht neu: Je mehr Daten in digitaler Form erfasst und am PC oder im Netz gespeichert werden, desto schwieriger ist es, diese später wieder zu finden. Doch es mangelte bisher an überzeugenden Lösungen, wie auch Charlene Li , Analystin bei Forrester, unterstreicht: "Eine Ironie, dass Suchen im Web einfacher ist, als Dateien auf dem Desktop zu finden." Alles zu Google auf CIO.de

Das Thema wurde in den vergangenen Jahren wohl nicht zuletzt deshalb unterbewertet, weil zentralistische, serverbasierende Konzepte wie Content-Management-Systeme und Business IntelligenceBusiness Intelligence die IT-Agenden beherrschten. Alles zu Business Intelligence auf CIO.de

Windows keine Hilfe

An der Realität auf den Desktops änderten diese Systeme allerdings kaum was. Hier kommen unterschiedliche lokale Anwendungen zum Einsatz, die sich nicht oder nur mit großem Aufwand in eine zentrale Datenbankarchitektur integrieren lassen. Als Konsequenz daraus lagern heute wichtige E-Mails inklusive angehängter Dateien im Posteingang von Outlook. Andere massenhaft verwendete Datenformen wie PDF-Dokumente oder Office-Dateien aus Word, Excel oder Powerpoint werden oft unsystematisch in Ordern abgelegt. Für die spätere Suche nach Stichwörtern oder Textpassagen bietet Windows nur unzulängliche Hilfsmittel.

Doch nicht nur die Dokumentensuche war bisher mühsam: Das nachträgliche Durchforsten und Archivieren von besuchten Internetseiten ist ohne spezielle Software nur schwer zu bewältigen.

Das seit Oktober als kostenlose Betatest-Version angebotene Google Desktop füllt diese Lücken. Es ermöglicht die Recherche sowohl in Office-Dateien und Outlook-Mails als auch im Browser-Cache des Internet Explorer, nur PDF-Unterstützung fehlt. Die Strategie des Herstellers ist, über kurz oder lang die Grenze zwischen der lokalen und der Websuche zu verwischen. Dahinter vermutet Meta-Group-Analyst Timothy Hickernell ein neues Geschäftsmodell: "Die Aktivitäten der letzten Monate deuten darauf hin, dass lokale PCAnwendungen Internet-Traffic beim Anbieter erzeugen sollen. Die Google-Suche dürfte deshalb nur der Auftakt für einen künftigen Desktop-Client mit Google-Branding sein - inklusive Browser, E-Mail, PIM (Personal Information Management) und Suche.